Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 678 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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<Dte ^Stimme y. b. b. 20 f JÜDISCHE ZEITUNG Wien, Freitag, i. Oktober 1937 26. Ttechrl 5*98 IX. Jabriaag Die Lage in Bielitz Ober die furchtbaren Exzesse berichten wir an anderer Stelle. Uber die momentane Lage berichtet die JTA, daß mehr als 4000 Juden im Zusammenhang mit der letzten Pogromeerie die Stadt verlassen bähen. Bielitz auf der schlesischen und Biala auf dmgalizischen Säte zählen zusammen rund 50.000 Einwohner, davon etwa 10.000 Juden. Kein einziges jüdisches Geschäft und kaum eine jüdische Wohnung ist verschont geblieben. In der Bialka, dem kleinen Flüßchen, welches beide Städte trennt, liegen herausgebrochene Fensterrahmen, zerbrochene Möbel und aufgeschlitzte Polster. Die in den Läden befindlichen Waren jedoch wurden zum größten Teil geraubt Die christlichen Einwohner malten Kreuze an die Fenster, weswegen Ihre Wohnungen verschont Wieben. In vielen Fenstern sieht man auch das Bild der Czenstochauer Muttergottes. Alle mchtjüdischen Geschäfte tragen große Plakate mit der Aufschrift „Christliche Finna“ oder „Mitglied des christlichen Kaufleuteverbandes“ oder sogar Aufschriften wie „österreichischer Untert a n“ mit dem Stempel des österreichischen Konsulats in Bielitz. Die jüdischen Parlamentarier Dr. Sommerstein und Dr. J. Gott lieb sowie Senator Trokenheim sprachen beim Ministerpräsidenten General Skladkowski vor und machten Um auf die traurige Lage der jüdischen Bevölkerung von Bielitz-Biala aufmerksam. Sie erklärten, daß die Judenheit m Poinisch-Schlesien rieh 1 n einem Zaaiand höchster Panik befinde. Jtewmpräädent Skladkowski «Märte, er babe „alle notwendigen Das Banditentum Sn Polen Dae Warschauer Organ des demokratischen Verbandes der ehemaligen Pilsudeki-Legionäre, „Ozarno Na Bealem“, erhebt scharfen Protest gegen die neue Welle der antijüdiechen Exzesse, die Polens Kulturetandard in den Augen der gesamten gesitteten Welt kompromittiert. Das Blatt schreibt: „Was unter der Regierung Pilsudskie nie möglich gewesen war, ist zu einer täglichen Erscheinung geworden. Das Banditentum korrumpiert die besten geistigen Werte des Volkes. Leibbinden, wie der Arzt sie verlangt: II d Das neue Corpufront-Stützmieder, leicht, weich, fingS kein Druck, kein Verschieben, Jedem Fall sorg- ^■K fälligst angepaöt, eine Erlösung für starke Frauen: bei Schwangerschaft, Hängebaach, Unterleibs- W y leidende naeh Operationen usw, FnUinu Inndpnen-hlihBlasch Eine Million Pfuod-Anleihe Prag, 29. September. Das Teeheohoslowakkche Preßbüro meldet aus Haifa: Ein groß« Bankhaus, das seinen Sitz in Europa und Amerika hat, hat den Orangenzüehtem in Palästina eine Anleihe von 5 Millionen Dollar (1 Million Pfund) gewährt, um ihnen eine bessere Organisierung des Exports zu ermöglichen. Die Transaktion soll von einer bekannten Bankiers-Familie (Warburg?) durobgefiShrt werden, die rieh bereits traditionell um das Aufbauwerk in Palästina verdient gemacht hat. Die Bankiers haben sich verpflichtet, eine Summe von 5 Millionen Dollar aufzubringen, die — gemäß einem Sonderabkommen zwischen ihnen und den Vertretern der Kolontaten in Palästina — in einem Finanzinstitut investiert werden sollen, das den Landwirten hypothekarisch sichergestellte Anleihen für die Dauer von 20 Jahren gegen geringen Zinssatz gewähren wird. Die Vorverhandlungen zu dieser Anleihe haben noch zur Zeit des XX. Zionistenkongresses und der Tagung des Council der Jewish Agency in Zürich stattgefunden. An diesen Verhandlungen nahmen Mosche Sfltilansky seitens des Kolonistenverbandes und die Brüder Warburg teil. Im Verlaufe der Verhandlungen bezifferte Smilansky die. zur Hebung der palästinensischen Landwirtschaft notwendige Summe mit 8 Millionen DoUar. Arabische Feme in Eres Israel: Geheimverbände gegen die englische Verwaltung Jerusalem, 27. September. Das Bandenunwesen, das auch seit dem Ende des Streiks im Oktober des Vorjahres nicht ausgesetzt hat, nimmt nunmehr Dimensionen an, die auf seiten der britischen Behörden offene Konsternation erzeugt haben. Seit Beginn dieses Jahres ist eine ganze lange Reihe von Morden und Überfällen zu verzeichnen, denen in der Mehrzahl führende arabische Persönlichkeit«), die hn Verdacht gemäßigter Richtung stehen, zum Opfer gefallen sind. Daneben sind fast täglich Angriffe auf jüdische Siedlungen erfolgt, die nur dank der Wirksamkeit der jüdischen Hilfspolizei keinen größeren Schaden angerichtet haben. Seit dem Bekanntwerden des Teilungsplanes, das ist seit Anfang Juli, hat rieh der Terror noch weiter verschärft. Die letzten Ereignisse in Nazareth, wo zwei hohe englische Sicherheitsbeamte niedergeschossen worden sind, bilden den vorläufigen Höhepunkt der durch den Mufti hervorgerufenen Bewegung, und es hat den Anschein, daß die englische Mandatsregierung der Sache nicht mehr gewachsen ist Wenn man nicht annehmen will, daß sie diese Akte begünstigt, um ihre These von der Unerfüllbarkeit des Mandats zu erhärten, so muß man zu dem Schluß kommen, daß die unterirdische arabische Organisation bereits so weit ist, daß man von dem offenen Aufruhr sprechen kamt. Der Jischuw schützt sich selbst Es ist rin offenes Geheimnis, daß der Mufti von seinem Asyl in der Omar-Moschee aus in ununterbrochener Verbindung mit F auzi Kaukazi steht, der sich wieder irgendwo in der Gegend von Dschenie befindet. Üb« alle Grenzen kommen die modernsten deutschen Waffen. In Syrien befindet sieh ein revolutionäres Komitee, das Munition und Handfeuerwaffen über die Grenze schmuggelt. Es ist im ganzen arabischen Gebiet ein Staffettensystem eingerichtet worden, das von der durch den vorjährigen Streik ruinierten Landbevölkerung unterstützt wird. Am stärkst«! verseucht sind die Landstriche hä Tiherias, sowie zwischen Jerusalem und Jaffa. Da die Land gä»t, ist wenigstens hi« der nor- IJe jüdiscber Wachposten, wie überhaupt d« Jischuw Am Schutz 'Ang«*MieB'tm^;mÄr'A»«a'äSw: eigenen Kräfte besorgt. Das Vertrauen in die englische Macht ist Wer vollkommen untergraben. Die Familien der hohen englischen Funktionäre befind«! rieh wieder, wie bä den Unruhen des vorigen Jahres, auf dem Karmä oder in Tä-Aviv unter jüdischem Schutz. Die Morde in Nazareth London, 27. September. Der Dtatriktskommissär der britischen Polizei in Palästina, Lewis Andrews und der Polizeiwachtmeister Peter Robinson Mc Rewan der ersterem zum persönlichen Schutz beigegeben war, sind gestern von Arabern in dem Augenblick, als sie die anglikanische Kirche in Nazareth verließen, erschossen worden. Die tödlichen Schüsse wurden aus nächster Nähe abgegeben. Ein weiterer hoher englischer Polizeibeamter, der den beiden gefolgt war, entkam nur mit knapper Not Als Distriktskommissär Andrews der Mörder ansichtig wurde, wandte er sich um und rief: „Retten Sie sich, sie haben uns gefaßt!“ Der Kommissär war während der Unruhen in den beiden letzten Jahren häufig bedroht worden und hatte aus diesem Grunde ständig eine Leibwache um sich. Gerade in den letzten Tagen wieder hatte man ihn gewarnt, daß ein Anschlag auf ihn geplant sei. Distriktekommissär Andrews hat als Vertreter des britischen Hochkommissärs Sir auchope, der zur Zeit auf Urlaub weilt, an dem Gottesdienst teilgenommen. die Täter sind drei Araber. Zwei von ihnen waren in europäischer Kleidung mit Turban als Kopfbedeckung. Der dritte trug einen Bauernldttel. Nach Aussage von Tatzeugen trugen alle drei Masken über dem Gesicht. Sämtliche Straßen, die naeh Nazareth führen, sind unmittelbar nach dem Anschlag geschlossen und der Belagerungszustand über das ganze Gebiet verhängt worden. Das Oberste arabische Komitee hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Attentate eine Erklärung veröffentlicht, in der das Verbrechen aufs schärfste verurteilt wird. Man vermutet, daß eine Terroristenorganisation unter Führung der mysteriösen Persönlichkeit „Der Wolf“, die selbst wieder in engster Verbindung mit Fawzi L. Kaukazi, dem Anstifter der Araberrevolten des vergangenen Jahres, steht, das Verbrechen veranlaßt hat. 10.000 Hund für die Ermittlung der Mörder ausgesetzt. .Für die Ermittlung der Mörder hat die Palästinaregierung die bisher in solchen Fällen höchste Summe von 10.000 Pfund ausgesetzt. Die im Zusammenhang mit dem Mord verhafteten etwa 150 Araber wurden in das Konzentrationslager bei Akko eingeliefert. Die arabischen Zeitungen protestieren gegen die Verhaftungen. Der Oberste arabische Ausschuß beschloß, bei der Mandatsregierung in London Protest einzulegen. Der Oberfall in Tel-Aviv Jerusalem, 26. September. (Palcor.) Die fünf Revisionisten, die im Zusammenhang mit dem Raubüberfall in Tel-Aviv verhaftet, wurden, bleiben für weitere zwei Wochen in Untersuchungshaft. Es ist noch nicht entschieden, ob dem Gesuch, sie gegen Bürgschaft freizulassen, stattgegeben wird. Der Prozeß wird wahrscheinlich innerhalb der nächsten-14 Tage stattfinden. Lord Peel gestorben London, 29. September. (Tel. Comp.). Der Vorkämpfer der Aufteilung Palästinas, Lord Peel, ist heute im Alter von 70 Jahren auf seinem Landsitz Petersfield bei London gestorben. Lord Peel war dreimal Innenminister und hatte einen hervorragenden Anteil an der Ausarbeitung der neuen indischen Verfassung. Später war er Vorsitzender der Königlichen Untersuchungskommission für Palästina, in deren Bericht er sich bekanntlich für die Aufteilung des Mandatsgebietes eingesetzt hat. 71ARUSME DIETRICH ROBERT DON AT IN DEM MEXANDERKOMtarFIlM: lElDINjfCmFf' REGIE: JACQUES FEYDER E UTE-1-OPERN-KINO I- VERXE1H IX* Der Pogrom von Bielitz Bethmann-Hollwegs Satz vom „Fetzen Papier“, als den er Verträge bezeichnete, scheint Allgemeingut der politischen Rezeptemaeher geworden zu sein. Ein trauriges Beispiel dafür bildet Polens Judenpolitik, deren Auswirkung der Pogrom in Bielitz-Biala ist. Als das zaristische Rußland zusammenbrach und die Mittelmächte den Weltkrieg verloren, war für Polen die Stunde der Freiheit gekommen. An den Befreiungskämpfen der polnischen Legionen hatten Juden hervorragenden Anteil genommen und einflußreiche Juden waren es, die bei Wilson und den anderen Staatsmännern der Entente der Gründung eines großen und souveränen polnischen Staates das Wort redeten. Wenn es heute einen großen polnischen Staat gibt, so ist das nicht zum geringsten Teile dem Umstand zu danken, daß der polnische Freiheitskampf starke jüdische Sympathien in der Welt hervorrief und polnische Staatsmänner bemüht waren, diese Sympathien durch feierliche Zusagen der rechtlichen und faktischen Gleichberechtigung der Juden in Polen, von denen die Juden in Kongreßpolen noch unter den zaristischen AusnahrasgOS) Garantien. Schon inj ( langte die Zionistische Weltorganisation in der Kopenhagener Erklärung, daß in den kommenden Friedensverträgen die volle und tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern gesichert werden müsse. Die gleiche* Forderung stellte die Londoner Zionistenkonferenz im Februar 1919 auf, die auch eine Vertretung der jüdischen Nation im Völkerbund verlangte. Am 25. März 1919 wurde in Paris das „Comite des Delegations Juives aupres de la Conference de la Paix“ konstituiert, dem u. a. Marshall, Mack, Motzkin, Sokolow und Useischkin angehörten. Dieses Komitee verhandelte mit den Führern der Entente und Polens. Das Ergebnis war der polnische Minderheitenvertrag vom 28. Juni 1919. In der Präambel dieses Vertrages, der mit den Großmächten geschlossen wurde, verpflichtete sich Polen feierlich, „seine Einrichtungen den Grundsätzen der Freiheit und Gerechtigkeit anzupassen und davon Nahum Goldmann spricht über Palästina - ein Weitproblem im Grollen Musikvereinssaai am Dienstag, den 12. Oktober 1937, 8 Uhr abends Ein Vortrag von brennendster Aktualität Karten von 5 1.— aufwärts bet: . Jüdische Kulturstelle, Wien, I., Franz-Josefs- Kai Nr. 3, Telephon R 28-2-36, Buchhandlung Lanyi, Wien, I., KärntnerstraSe Nr. 44, Telephon B 25-6-75, Buchhandlung Rath, Wien, II., TaborstraSe Nr. 20a, Telephon R 45-305, Buchhandlung Mejstrlfc, Wien, I., Wollzelle Nr. 6, I elephon R 25-4-53