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Die Stimme · 1937-09-24 · Heft 677 (24.9.1937) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 677 (24.9.1937)
Date
1937-09-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wim, Freitag-, 84. September 1937. — Kr- 877. Mi» 9 Nachmittags- Kinderheim „Atid" Inhaber: Direktor A. laglidtt bietet Schülern und Schülerinnen aller Schultypen von '/>3 bi« ijJ Uhr nachmittag« Studien ko nt rolle, Sprachen, Sport, Musik, Spiel AnmeldunBen und Aiekfinfte ab 15, $8ptemlur> IX,, HSrlgasee 2. Tel. R 52021 äigend einer Angelegenheit auf Mohammed zu berufen, der übrigens keine derartige Vorschrift erlassen bat, die zu dem totalitären Grundzug des Islam in Widerspruch stünde. Die JTA. erfährt ans höchst autoritativer Quelle, daß die türkis (die Regierung beschlossen bat, hinsichtlich der Teilungsfrage absolute Neutralität zu wahren. Obwohl die Türkei an der Wohlfahrt der früheren ottomankchen Territorien interessiert sei, gedenke eie nicht, sich in deren interne Angelegenheiten einzumischen. Bei aller Sympathie für die politischen Bestrebungen der Araber werde die Türkei nichts unternehmen, was geeignet wäre, das Prestige des Völkerbundes zu schmälern. WARNER BROS, bringen Pat O'Britn und Margaret Llndsay ln Oie Frau des G-Man BURG-KINO I. IMPERIAL-KINO I. Oberrabbiner Dr. Taglicht fibjer den Judenstaat Anläßlich des Rosch-Hascbanah-Festes hielt Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t eine Predigt, in der er u. a. sagte: Beim Rückblick auf das abgelaufene Jahr Steht eines im Vordergründe. Ein großes Ereignis, das seit Monaten (Me Welt in Spannung hält. Eia. Anfang zur Wiedergewinnung dessen, was wir vor zweitausend Jahren verloren halben. Der Vorschlag zur Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. Der Beginn einer Erfüllung der zweitausendjährigen Sehnsucht. Noch kt der Vorschlag von jüdischer Seite nicht angenommen werden. Noch ist er nicht Wirklichkeit. Aber daß der Gedanke ins Leben getreten ist, ist das große Wunder, an welchem niemand unberührt, stillschweigend vorüb ergehen kann. Wir wollen hier nicht, ja und nicht nein sagen. Das hätte auch keine Bedeutung und keinen Zweck. Wir wollen die tiefeinsehneideoide Frage nicht vom politischen Gesichtspunkt aus betrachten. Diese Stunde sei der Erörterung der Frage gewidmet: Welche Anforderungen stellen wir an den jüdischen Staat? Wie müßte er beschaffen sein? Die in der Thora niedergelegten Grundzüge des jüdischen Staatswesens müßten anch <Me Struktur des neuen Aufbaues bestimmen. Dann müßte der Leitsatz lauten: Zedek zedek tiidof. Gerechtigkeit muß das Zepter führen. Darum müßte der jüdische Staat auf Gerechtigkeit gegründet sein. „Daß dein Bruder neben und mit dir lebe, daß er nach seinen Fähigkeiten und Neigungen sein Leben frei gestalten könne.“ Das ist die Forderung der sozialen Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit dürfte nicht durch eine enge Grenze eingeschränkt sein, sie müßte eich ausweiten und zum Wohlwollen führen. Ferner, der Nationalismus im jüdischen Staate muß von anderer Beschaffenheit sein als der Nationalismus, der heute viele Völker beherrscht, mit seinen Machtbestrebungen, mit seinen Härten, mit seinen Übertreibungen, mit seinem Hochmut, mit seiner Nichtachtung und Unterdrückung der anderen. Der Nationalismus im jüdischen Staat müßte im Geiste der Thora und der jüdischen Tradition sich kundtun, die Eigenart des jüdischen Volke® pflegen, das Judentum in seiner Reinheit (bewahren und die großen Traditionen lebendig erhalten. Ein Grundzug des Judentums kt universelles Fühlen, wie wir es heute in unseren Gebeten ausgesprochen, daß alle Menschen sich in Ehrfucht vor Gott beugen und eines Sinnes in seinen Dienst eich steDen mögen. Der erste Paragraph der Verfassung muß lauten: Gott kt der Herr der Welt, ihm gehört die ganze Erde. Ex hat aie Menschen geschaffen. Jeder Menfcch hat das Recht, auf dieser Erde zu leben. Keiner darf einen Menschen, *• <**m.*m Palästina-Nachrichten Eine geheimnisvolle Affäre Jerusalem, 20. September. (Palcor.) Nach Untersuchungen, die eine Woche in Anspruch nahmen, ist es der Polizei gelungen, den unter geheimnisvollen Umständen im Jarkon Ertrunkenen zu identifizieren. Es handelt sich um den jugendlichen B enamram Frankel, Mitglied der Revisionistischen Partei, der im Zusammenhang mit der Ermordung eines Arabers nördlich von Tel-Avjv am SO. August von der Polizei gesucht wurde; als die Polizei seinerzeit in seiner Wohnung erschien, war Frankel abwesend, jedoch wurde ein geladener Revolver gefunden; daraufhin wurde seine Mutter in Haft genommen. Im Zusammenhang mit der geheimnisvollen Ermordung Frankels sind in Tel-Aviv zahlreiche Gerüchte in Umlauf. Hiezu meldet die Palcor weiter: Die Mutter Frankels, die sich im J a f f a. e r Gefängnis befindet, hat in den ihr gezeigten photographischen Aufnahmen die Kleidung ihres Sohnes erkannt. Die Freunde des Toten werden jetzt von der Polizei gesucht. Frankels Name stand auf der Liste der Revisionisten, die den im Zusammenhang mit dem kürzlicben Raubversuch in Tel-Aviv Verhafteten abgenommen wurde. Ein gewisser Emil Stoessel sagte aus, daß das Hemd, das bei der Leiche gefunden wurde, sein Eigentum sei, und vor etwa sechs Monaten gestohlen worden war; Stoessel wurde von der Polizei in vorläufiger Haft behalten. Laut einer Meldung im „Dawar“ hatte Frankel beabsichtigt, als nach seinem Verschwinden kurz nach dem Erschießen eines Arabers in Tel-Aviv am 30. August seine Mutter verhaftet wurde, sich der Polizei zu stellen. Es wird angenommen, daß seine Genossen ihn ermordeten, um dies zu verhindern. Frankel wurde außerdem von der Polizei verdächtigt, der Absender eines an einen Tel-Aviver Anwalt gesandten Drohbriefes zu sein, in dem dieser aufgefordert wurde, 250 Pfund für den „V e rb an d zum Schutze der Ehre der Heim a t“ zur Verfügung zu stellen. Frankel betätigte sich schriftstellerisch. Raobüberfall in Tel-Aviv Josua LichteT wurde am 14. d. nach einer eingehenden Untersuchung freigelaesen. Alexander K i p n i s s und Abraham Silman, die Besitzer des von den Räubern benutzten Autos, wurden festgenommen, da nachgewiesen werden konnte, daß der Wagen erst vor kurzem gekauft worden war. Sie wurden für 14 Tage m Untersuchungshaft genommen. Die Polizei setzt ihre Nachforschungen fort. Der Verhaftete Dwiri weigerte sich, eine Aussage zu machen, während Benzion Gabbay jegliche Mittäterschaft an dem Raubüberfall leugnet. Botschko bleibt bei seiner Aussage, daß er ein Passant war, während Gabbay aussagt, daß er die andern im Autofahren unterrichtete. Augenzeugen stellen jedoch fest, daß sie die vier Männer sahen, wie sie in der Nacht vor dem Raub ein Nummernschild an dem Auto aueweohselten. SchenzvitMJrteil bestätigt Jerusalem, 20. September. (Palcor.) Das Appellationegericht hat heute das Urteil im Schenzvitt-Prozeß bestätigt. Wie erinnerlich, wurde Schenzvitt des Mordes an Jacob Zwanger schuldig befunden und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Oie Bautätigkeit in Palästina Jerusalem, 20, September. (JTA.) Die Kosten der Errichtung von Gebäuden zu Privat-, Handels- und Industrie- Zwecken in den wichtigsten Städten sind von 8,440.000 Pfund im Jahre 1935 um über 32 Prozent auf 5,705 000 Pfund im Jahre 1936 gesunken. Der Anteil von Tel-Aviv, der 1935 mit 3,155.000 Pfund rund 60 Prozent der Gesamtsumme ausmachte, betrug 1936 nur noch 1,567.000 Pfund, das ist 37'8 Prozent der Gesamtsumme. Die Ausgaben der Stadtgemeinde in Tel-Aviv für Bauten, Straßen und Reparaturen machten 1936 rund 100.000 Pfund aus, während in allen übrigen Städten Palästinas zusammen für diese Zwecke 138.000 Pfund ausgegdben worden sind. SOEBEN EINGETROFFEN: Der Peel-Bericht In deutscher Ausgabe 463 Selten, 8 Karten S 13-20 Die Kenntnis diese« Bcridites ist nicht nur zum Verständnis der gegenwärtigen politischen Erörterung in Palästina, Genf und London erfordernd:, sondern stellt auch eine Lektüre dar, die für jeden großes Interesse besitzen muB, der am Aufbau Palästinas und «einer Entwicklung Anteil nimmt. Es kann nicht eindringlich genug auf die Bedeutung des Berichtes und die Notwendigkeit »einer weitesten Verbreitung in allen jüdischen Kreisen hingewiesen werden. Zu beziehen durch: BUCHHANDLUNG R. LÖWIT WIEN, I., WOLLZEILE 6 — TEL. 8 25-4-53 An der Klagemauer verhaftet Jerusalem, 20. September. (JTA.) Der Betari A r j e Kätscher wurde am Ausgang des Jom Kippur an der Klagemauer, wo er entgegen dem Verbot Schofar geblasen hat, verhaftet. In einer Synagoge in der Altstadt von Jerusalem warfen Araber eine Bombe, die jedoch nicht explodierte. In Safed schossen Araber auf den jüdischen Polizisten Jeschua Perlmutter und verletzten ihn schwer. Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische allerbilligste Preise Größte Auswahl I Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst Zelt spart, wer kauft Im SCHULBOCHE R ANTI Q U AR IAT HERMANN TUCHNER Wien, II., Edte Taborstraße SS Telephon 8 41-4-20 Geschäft und Moral im Dritten Reich Tanzmeister Erdstein Tanrfnstitut, Wien, I., Werdertorgasse 7 (Tel. U 20-7*24), wünscht seinen Schülern alles Gute zu den jüdischen Feiertagen und bittet die jüdischen Eltern, ihre Töchter und Söhne auch heuer zu den ab '!?. September, '/»* Uhr, beginnenden neuen Tanzkursen für Anfänger Zu schicken. — Ab Samstag, 2. Oktober, V,6 Uhr, beginnt ein Studenten-Tanxkurs. Einschreibungen täglich- Perfektion. — Nur gute Gesellschaft! — Jeden Sonntag y,S und */s8 Uhr Tel-Aviv, 16. September. (JTA.) Als der Beamte der Bank Bapoalim in Tel-Aviv, Zacharias Sherabi, am 12. September mittags das Gebäude der Anglo-Palestine Bank in der Herzlstraße verließ, überfielen ihn drei junge Leute, die in einem Auto auf ihn gewartet hatten, entrissen ihm eine Aktentasche, die 5400 Pfund enthielt, und Victor McLaglen, Peter Lorre Juit* Lang in dem sensationellen Unterweltsdrama Meuterei In Sind Sind AB HEUTE KREUZ-KINO flüchteten. Der Beamte schlug Lärm. Es gelang, die Täter zu fassen und sie der Polizei zu übergeben. Das gerauhte Geld wurde ihnen angenommen. Me Täter sind Chajim Dwiri, Lichter, Chajim Botschko und Benzin Gabbag. Auf die Nachricht hin, daß sie Revisionieten seien, veröffentlichte das Sekretariat der revisionistischen Organisation Mi Tel-Aviv eine Erklärung, daß alle drei vor einiger Zeit aus der reviekmietisohea Partei ausgeschlossen worden waren. Laut „Davar“ hätte Gabbay bei dem Verhör erklärt, der Zweck des Überfälle war die Beschaffung von Geldmitteln für geheime Ziele. Der Vorfall hat in Tel- Aviv ungeheures Aufsehen erregt. Die Uatenwßmqi Jerusalem, 20. September. (Palcor.) Der im Zusammenhang mit dem Raubüberfall fei TejLAr^! am 12, Septeariber verhaftete Verbot des Einkaufes bei Juden. Zwingende Vorschrift, daß Geschäfte von Juden mit der Aufschrift „Jüdisches Geschäft“ versehen sein müssen. Verbot der Verabreichung von Speisen und Getränken an Juden m nicbtjüdischen Gaststätten. Ausschluß der Juden aus Bädern, Kurorten und Parkanlagen, oder zumindest Einschränkung der Juden auf ein, zwei Tage in der Woche und Aufstellung von gelben Bänken für sie. Das alles haben die Nazi in Deutschland unter Berufung auf ethische Gründe verfügt. Aber diese braune Moral bat auch eine andere Seite, für die der Wahlspruch gilt: Ein echter Nazi mag keinen Juden leiden, aber seine Moneten nimmt er gern. Wenn etwas zu verdienen tat, kann ein Nazi auch freundlich und zuvorkommend zu einem Juden sein, ja, er muß sich sogar anständig ihm gegenüber benehmen, und zwar auf amtliche Anordnung, wie die beiden von der Warschauer Zeitung „Das neue Wort“ veröffentlichten Rundschreiben, die anläßlich der letzten Königsbeiger Ostmesse erlassen wurden, beweisen. Das erste Schriftstück, da« nur ein Begleitschreiben der betreffenden Wirtechaftsgnippe war, lautete: Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe Kreisgruppe Königsberg Pr. Königsberg Pr., den 9. C. 198 Kantetr. lob An die Mitglieder der Kreisgruppe Königsberg Pr. Stadt und der Seebädergruppe I Betr.: Jüdische Geschäftsleute auf der Ostmeeee. Der Gaupropagandaleiter der NSDAP., Pg. P a 11 z o, übermittelt uns das u mseitige Schreiben. Demgemäß sind für die Zeit vom 12. bis 20. August 1937 die bisher bestehenden Anordnungen darüber, daß Juden in arischen Betrieben nicht beherbergt und beköstigt werden sollen, aufgehoben. Heil HiUerS F. d. B. Max Baker, gez. Erich Nothmann. Geschäftsführer. Kreisgnippenleiter. Das zweite Schriftstück, das da« parteiamtliche Zirkular enthielt, hatte folgenden Wortlaut: Abschrift, Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Gauleitung Ostpreußen Der Gaupropagandaleiter Königsberg Pr., 9. August 1937. Vertraulich! An die Kreisleitung der NSDAP. Königsberg Stadt Kreisleitung der NSDAP. Betr. Jüdische Geschäftsleute auf der Ostmesse. Zur 25. Deutschen Ostmesse, die vom 15. bis 18. August d. Js. stattfindet, werden in diesem Jahre eine Anzahl ausländischer Juden kommen, um für ihre Staaten Wirtschaftsabkommen und Geschäfte zu tätigen. Aus bestimmten Gründen muß dafür gesorgt werden, daß diese Ausländer in Königsberg in Hotels, Fremdenheimen usw. Unterkommen. Die Bezirksgruppe des Gaststätten- und Beherbergungsgewerbes ist daher angewiesen worden, bei ihren Mitgliedern zu veranlassen, daß in der Zeit von 12. bis 20. August d. Je. in Gaststätten, Hotels usw. die Schilder „Juden nicht erwünscht“ und Schilder ähnlichen Inhalts nicht aufgehängt werden und — soweit, vorhanden — während der angegebenen Zeit abgenommen werden müssen. Es ist selbstverständlich, daß jüdische Besucher in der angegebenen Zeit in keinem Lokal oder vom Personal noch von den anwesenden Gästen wegen Ihrer Rassezueehörigkeit anders behandelt werden ate andere Gäste. Da es auf keinen Fall passieren soll, daß Juden während der Ostmesse irgendwie wegen ihrer Rassezugebörigkeit kompromittiert werden, ersuche ich sofort, im Kreise Königsberg-Stadt sämtlichen Ortsgruppen von dieser Regelung Kenntnis zu geben und die Ortsgruppenleiter anzuweisen, sämtliche Parteigenossen und Angehörige der Gliederungen von dieser Regelung zu verständigen. Im Bereich der Kreisleitung Samland sind nur die Ortsgruppen zn verständigen, in deren Bereich Fremdenverkehrsorte, Bäder usw. liegen, von denen anzunehmea ist, daß ste während der Oetmesse von jüdischen

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