Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 677 (24.9.1937)
- Date
- 1937-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mt« 4 Nr. 677. — Wim, Frriteg, 24. September MW. Zlenl«t<«ebe «U Prater-rr Am Montag, den 4. Oktober 1937, um ‘/,8 Uhr abend«, werden im eigenen Heime, Wien, IJ., Prateritr«8c 13, die Hebrlüsch'Kune {Leitung: Lehrer J. Herzberg »owehl HJr Jugend *l* auch für Erwadijene eröffnet. (Für Mitglieder unentgeltlich.) Eimdireibungen: tlglich im Sekretariat von 6 bi» 10 Uhr abends Nürnberg In Nürnberg ist. es diesmal hoch hergegangen. Ein Massenaufmarsch, wie er eben nar im Dritten Reich möglich ist, -fremde Gesandte im Auditorium. Waffen, Musik, Fahnen und Festgedränge — was will man noch mehr? Die Reden, die gehalten wurden, entsprachen, so weit sie sich auf Deutschlands Lage bezogen, nicht ganz dar gehobenen Stimmung. Politische Isolierung, wachsendes Mißtrauen in aller Welt, kein Geld und kein Kredit, Ernährungs- Schwierigkeiten im fünften Jahr der neuen Herrschaft — das mußte eingestanden werden und trotz aller Anwendung des Coneschen Rezeptes „Es geht uus gut!“, war deutlich die innere Angst aus den Anspraeben herauszuhören. Die Diktatur hat alles Geld des Volkes teils in den Organisationsapparat, teils in die Rüstungen gesteckt; für die Zwecke des arbeitenden Volkes bleibt nur die Arbeitslosenstatistik übrig. Dagegen haben die demokratischen Staaten ihre Wirtschaft geordnet, weisen ihre Einnahmen und Ausgaben öffentlich aus und können das Wettrüsten, zu dem sie gezwungen sind, noch immer wettmachen. Sie haben den Rücken frei und finden Kredit. Das ist ein Unterschied, den man in Nürnberg nicht zugibt, der aber doch in den breiten Massen Deutschlands beachtet wird. Die Stimmung ist nicht gut und deshalb muß außer den Fanfaren auch noch das Lied vom Juden berhalten. Tagelang stand der Parteitag unter dem Zeichen der Judenangst. Goering drohte, daß die Juden, wenn der Boykott fortdauert — er ist also fühlbar! —•, als Geiseln dienen sollen; Goebells wandelte Richard Wagners Satz, daß der Jude der plastische Dämon des Verfalls ist, und Virchows Behauptung .vom Ferment der Dekomposition nach allen Regeln der Rhetorik ab- Und dann kam der Führer und Reichskanzler, der in stundenlangen Reden das Thema ausführte: Jüdische Bolschewisten, jüdische Weltverschwörer, jüdische Verbrecher, jüdische Mörder, Abhub jüdischer Literaten; und nachdem er alles getan hatte, um seine Zuhörer mit allen vom Judentum drohenden Gefahren vertraut zu machen, «klärte er daa jüdisch« Volk für das dümmste Volk auf Erden, das nur aus Stümpern bestehe. Die Demokratie ist nach nationalsozialistischer Theorie eine Form des jüdischen Herrschaftssystems. Wenn das richtig ist — nun wie sehen die demokratischen Staaten aus und wie ist der Zustand des judenreinen braunen Systems? Es ist sicher wahr, daß es keine jüdische Herrschaft gibt und daß die Juden nichts andere® anstreben, als im Wirtschaftsprozeß mitzuarbeiten und »ich zu ernähren. Wenn aber die Zeit vor 1938 den Stempel des jüdischen Wesens getragen haben sollte, wie dies die offizielle Lesart heute ist, so muß man doch sagen, daß das deutsche Volk damals zwar wenig Kanonen, aber doch etwas mehr Butter hatte als heute. Dieser Vergleich wird heute auch schon in Deutschland angestellt und alles, was in Nürnberg so laut und eindringlich gesagt wurde, war von würgender. Sorge eingegeben. Deutschlands Not ist aus dem Kriege hervorgegangen, den Deutschland verloren hat. Die Juden haben den Krieg nicht herbeigeführt und nicht beendigt. Aber der Führer und Reichskanzler ist sich über diese Angelegenheit nicht ganz im klaren. In „Mein Kampf“ verficht er die These, daß der großartige Krieg, da« Stahlbad der Völker, durch die Schuld der Juden verlorongegangen ist. In Nürnberg erklärte er, wie schlecht es doch gewesen wäre, wenn Deutschland gesiegt hätte; eg hätte dann in der Periode des Aufbaues und der Selbstzufriedenheit ganz an die Gefahr der jüdischen Schädlinge vergessen! Was ist also richtig? Aber solche Erwägung ficht diejenigen nicht an, die heute Deutschland beherrschen und die einen Zustand geschaffen haben, der einmal doch in die Katastrophe münden muß. Heute arbeiten Millionen für die Kanonen, was wird geschehen, wenn die Konjunktur abreißt und es trotz allen Eifers nicht zum Krieg kommt? Wer ersetzt die ungeheuerlichen Kosten dieser Rüstungen? Die Juden haben keinen Machtwillen, keine Feindschaft gegen irgend ein Volk. Aber sie sind überall Opfer der Machtgier, des militaristischen Chauvinismus und aller bösen Instinkte, die auf dem Boden der Volksseele ruhen und durch den großen Krieg in die Höhe gewirbelt worden sind. Man hat in Deutschland herrliche Zeiten versprochen, wenn einmal der jüdische Einfluß gebrochen sein wird. Man hat eine Politik betrieben, die nur von Judenangst fundiert war, die überall nur Juden sieht und den Juden, die durch die Gesetzgebung, durch die Streicher-Methoden, durch die Konzentrationslager, durch tausend raffinierte Martern niedergebalten werden, noch immer droht. Daa ist mit Anwendung von Propaganda noch möglich, aber doch sicht für ewig. Der eben zu Grabe getragene Masaryk, eine der edelsten Gestalten unserer Zeit, hat sich zur Devise gewählt: „Die Wahrheit siegt!“ Wir wissen, daß die Wahrheit einmal siegen wird. Die Teilungsdebatte Im VolkeHbundrat Am 14. September wurde im Völkerbundrat über das Schicksal Palästinas und des künftigen jüdischen Staates verhandelt und ein wichtiger prinzipieller Beschluß angenommen. Eingeleitet wurde di« Sitzung durch eine große Rede des britischen Außenministers Sir Anthony Eden, der ausführte: Das Palästina-Problem geht nicht nur die Juden und die Araber, sondern den ganzen Völkerbund an- Die Mandatarmacht kann ohne die Autorisation seitens des Völkerbundes keinerlei Abänderung des Mandatsregimes vornehmen. Daher kann! auch die britische Regierung in der Ausarbeitung der Einzelheiten eines Teilungsplaneg, wie er von der Königlichen Kommission zum Beispiel vorgeschlagen wird, nicht fortfahren, solange sie der prinzipiellen Genehmigung hiezu nicht sicher ist; um eben diese Genehmigung bittet ex heute den Rat. Es wird Sache des Rates sein, darauf zu achten, daß bis zu seinem neuerlichen Zusammentritt keine endgültigen Beschlüsse hinsichtlich des Teilungsplanes gefaßt werden. Er, Eden, erbitte heute also nichts anderes, als daß der britischen Regierung die generelle Ermächtigung erteilt werde, in Zusammenarbeit mit Vertretern sowohl der Juden Hs auch der Araber Einzelheiten eines Teilungsplanes auszuarbeiten. Dabei soll klar verstanden werden, daß ohne neuerliche Befragung des Rates und definit ive Bestätigung durch diesen kein Plan in die Wirklichkeit umgesetzt werden kam). Es wird : sich | eine spezielle Kommission nach Palästina begeben, mit Juden und Arabern verhandeln und der britischen Regierung Vorschläge für einen detaillierten Teilungsplan unterbreiten. Die Kommission wird vorläufige Empfehlungen hinsichtlich der zu ziehenden Grenzen des geplanten arabischen und des jüdischen Staates sowie des neuen britischen Mandatsgebietes machen und die finanziellen und anderen Fragen untersuchen. In einem späteren Stadium werde man dann eine Kommission zur «n dg &1 tigen und detaillierten Grenzziehung einsetzen. Bis dahin Jedoch wird noch viel Zeit vergehen. Noch einem Punkt müsse man Aufmerksamkeit widmen: das ist die wichtige Frage der jüdischen Einwanderung gemäß Artikel 6 des Mandats. Die Royal Kommiseion schlägt eine Einschränkung der jüdischen Einwanderung auf insgesamt 8000 Personen vom August 1937 bis März 1938 vor. Das ist eine reine Übergangsmaßnahme. Sie wird als ein Abgehen von jenem Grundsätze genannt, den der Rat bei früheren Anlässen sanktioniert hat; der Rat darf aber nicht die besonderen Umstände außer acht lassen, unter denen dieser Beschluß gefaßt worden ist» Was nach dieser achtmonatigen Periode hinsichtlich der jüdischen Einwanderung beschlossen werden wird, bängt davon ab, welche Fortschritte der Teilungsplan bis dahin gemacht haben wird. Wird er dann das Stadium provisorischer Annahmefähigkeit erreicht haben, wird die ganze Frage der Einwanderung sowohl in arabisches wie in jüdisches Staatsgebiet auf einer neuen Basis erörtert werden. Für die britische Regierung stellt Teilung die einzige endgültige Lösung des Palästina-Problem« dar. Teilung allein ist imstande, die Erfüllung beider in Artikel 22 des Mandats enthaltenen Versprechungen zu ermöglichen: Unabhängigkeit für alle Gebiete, die in die Kategorie des A-Mandats fallen, und Errichtung eines Nationalheims für das jüdische Volk. 17 Jahre lang hat England »lies unternommen, um das Mandat würdig zu verwalten. Die Hoffnung aber, die Interessen der Juden und der Araber auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, hat sich nicht erfüllt. Die beiden Aufgaben — Schaffung eines jüdischen Nationalheime» und Wahrung dir bürgerMahen und religiösen Rechte der Nichtjuden in Palästina sowie des politischen Status der Juden in den anderen Ländern — sind so lange nicht unvereinbar gewesen, als nicht von außen hereingetragene Faktoren den Konflikt zwischen Arabern und Juden entfacht haben. Diese Faktoren sind: die Ausbreitung des Antisemitismus einerseits und die neuen Lebensbedingungen, die einzelne Länder für die Juden geschaffen haben, anderseits. Der vorgeschlagen« Teilungsplan ändert nichts an der Gültigkeit der BaUour-Deklaratlon, auch ändert er nichts an der Tatsadie, daß die Schaffung einer jüdischen Heimstätte nicht die Lage der Judenheit außerhalb Palästinas ändern könne oder dürfe. Die britische Regierung sieht nicht eine Zwei-, sondern eine Dreiteilung des Landes vor, denn die heiligen Stätten — Jerusalem, Bethlehem und Nazareth — sollen dauernd unter der Kontrolle des Völkerbundes stehen. Die Permanente Mandatskommission hat grundsätzlich zugestimmt, in die Prüfung einer Lösung der Pa 1 ä sti na-Fr ag e durch Teilung einzutreten. Ich ersuche nun den Rat, die Erklärung der Mandatskommission gutzuheißen und die britische Regierung zu ermächtigen, einen ■ins einzelne gehenden Han auszuarbeiten, -der dann in einem späteren Zeitpunkt wieder dem Rat zur endgültigen Beschlußfassung unterbreitet werden wird. Ich hoffe, daß meine Kollegen mir diese Vollmacht erteilen und auf diese Weise helfen werden, ein Problem seiner Lösung näherzubringen, das, solange es besteht, nur dazu angetan ist, Ruhe und Frieden in der Welt zu stören. PRIV. INSTITUT FÜR MODERNE PIANISTIN mit Staatsprttlungtkura LEITUNG PROF. JULIUS! WOLFIOHN Prof. Juli»«« W.lf- T«l. U-SS-9-57' Die Resolution Nach der Rede Edens schlug der rumänische Außenminister Antonescu, als der Berichterstatter des Völkerbundrates über das Palästina-Mandat, die folgende Resolution vor: Der Völkerbundrat nimmt den Jahresbericht 1936 der Administration für Palästina and Trans Jordanien sowie den Bericht und das Protokoll der Permanenten Mandatskommission zur Kenntnis. Der Rat beauftragt den GenerHsekretir, die Bemerkungen der Mandatskommission der Regierung Großbritanniens als der Mandatarmacht zuzuleiten und sie zu ersuchen, die von der Mandatskommission verlangten Maßnahmen zu ergreifen. Der Rat genehmigt die Schlußfolgerungen der Mandatskommission betreffend (Re von Ihr geprüften Petitionen und beauftragt den Generalsekretär, sie der Mandatskommission ntid den betreffenden Petitionären zur Kenntnis zu bringen. Der Generalsekretär wird ersucht, den Text des von dem Vertreter Rumäniens vorgelegten Berichtes sowie de« Protokolls der Jetzigen Sitzung des Rates dem Text der Bemerkungen und der Schlußfolgerungen der Mandatskommission, dis der Mandatarmacht augeisitet werden, anzuschließen. Die von Antonescu vorgeschlagene Reso- Perfekte, tüchtig« AIISFERTIGERIN VOM STRICKWAREN lution wurde von den Ratemitgliedein ©intim m i g angenommen. Die Debatte Der französische Außenminister D e 1 b o l «klärte, die englischen Vorschläge müßten einer ernstlichen Prüfung unterzogen wsr- ' :n. Der polnische Außenminister Oberst Beck hob das besondere Interesse »eines Landes an der Lösung des Palästina-Problems hervor. Polen wünsche aus seinen wirtschaftlichen Interessen heraus, daß Palästina ein geeignetes Einwanderungsgebiet abgebe. Beck verlangte eine schnelle Lösung im Sinne möglichst großer Einw.anderungsmöglichkeiten. Aus historischen gefühlsmäßigen Gründen tendiere die jüdische Einwanderung auf Palästina- Schön die vorübergebende Einschränkung dieser Einwanderung bedeute für die polnische Politik eine Störung. Nachdem der Vertreter Neuseelands -j Namen der Dominions die englischen Vorschläge unterstützt batte, erklärte der Vorsitzende der Permanenten Mandatskommission, der Belgier Pierre Orts, die Mandatskommission habe in ihrer Schlußfolgerung die Annahme des Teilungsplanes zwar als die augenblicklich einzige Möglichkeit zur Lösung des Problem® bezeichnet, was jedoch die Einschränkung der Einwanderung auf 8000 Personen bis 31. März 1938 betrifft, so müsse dies als eine Ausnahmsmaßnahme betrachtet werden, da sie in Widerspruch stehe zu dem geltenden Prinzip, daß die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit der Maßstab für die Einwanderung sein soll. Die Einschränkung müsse nach 31. März aufgehoben werden, auch wenn bis dahin eine endgültige Lösung noch nicht gefunden werden sollte. Dreigliedriges Komitee ein* gesetzt Hierauf setzte der Rat ein dreigliedriges Ratskomitee, bestehend aus den Außenministern Antonescu (Rumänien), Hunters (Lettland) und Sandler (Schweden), ein, das eine Resolution auszuarbeiten haben wird, in der Großbritannien ermächtigt wird, dem Rat im Jänner 1938 einen endgültigen, ins einzelne gehenden Plan vorzulegen. Die Haltung der Türkei Jerusalem, 20. September. (JTA.) Arabische Zeitungen veröffentlichen den angeblichen Wortlaut rin er Rede, die der türkische Staatspräsident Kemal Atatürk im türkischen Parlament über die Frage der Teilung Palästinas gehalten haben soll. Danach habe Atatürk unter anderem gesagt: Wir Türken haben jüe Wunden, die England uns durch den Teilungsplan zugefügt hat, früher gefühlt als die Araber von Alexandrette. Wir erklären vor den Ohren der ganzen Welt, daß wir dagegen sind, daß dos den Mohammedanern heilige Palästina als Arena europäischer Strömugnen mißbraucht wird. Der Prophet Mohammed hat gesagt, daß eich die arabische Halbinsel für immer unter mohammedanischer Herrschaft befinden muß. Die Mohammedaner sind jetzt vereint; als geeinte Gruppe sind sie imstande, rieh jedem gegen sie gerichteten Streben entgegenzustellen. Die Türken sind gegen jeden Versuch einer Teilung Palästinas. „Falastin“ fügt noch hinzu, daß Atatürk sich in einem Gespräch mit Emir Atodulla in dem gleichen Sinne geäußert habe. Es ist unmöglich, daß eich Kemal Atatürk in diesem Sinne geäußert haben kann. Kemal hat es immer unterlassen, sich in QROSSFLEtSCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL ASSE NUMMER 19 A 17-009 und A 18-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbtcR«mg«n f.<*üp3-Fleifch wttar AuMeM dn Ehrwürdigen R.bbtn»t*der IVMUileehenKuiCr»- gemelnde Wien IX-, Berggasse 15, XVUL,Währingeratra6e 71 Juden! Gedenket am Sukkoth beim Thpraaufruf des Kircn Kajcmctll!