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Die Stimme · 1937-09-14 · Heft 676 (14.9.1937) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 676 (14.9.1937)
Date
1937-09-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE SUMME Seit» 5 Stfldi, Dienst**, 14 September 1937. — Nr. 676. Alle Schulbücher richtige Auflegen, für entlquerUchc ellcrbliligstc Preise GröBte Auswehl 1 Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. Zeit spert, wer teuft im SCHULBOC H E R ANTI QUARIAT HERMANN TUCHNER Wien, II., Ecke Taborstraße 5t Telephon R 41-4-20 sicht präjudizierende Bedeutung zukommt, da man nunmehr die Möglichkeit sieht, gegen die zügellose nazistische Propaganda das Gericht erfolgreich anrufen zu können, ist mit Genugtuung aufgenommen worden. Wiener Magistrat genehmigt Arierparagraph Die JTA. teilt mit: Die Interessengemeinschaft blinder Musiker und Klavierstimmer in Österreich, die den Arierparagraph eingeführt hatte, wurde vom Verband der Blindenvereine Österreichs unter Androhung von Repressalien aufgefordert, den Arierparagraph abzuschaffen. Dennoch nahm der Verein der blinden Musiker die Änderung der Statuten vor, die soeben vom Magistrat Wien als der zuständigen Vereinsbehörde genehmigt wurde. Dadurch ist die Einführung des Arierparagraphen behördlicherseits legalisiert worden. Gleichzeitig mit der Legalisierung des Arierparagraphen sind alle jüdischen Musiker und Klavierstimmer aus dem Verein ausgeschlossen worden. Wie der JTA.-Vertreter von informierter Seite erfährt, sind der Genehmigung der Statutenänderung durch die Behörde Eingaben seitens des Verbandes der Blindenvereine Österreichs sowie des Hilfsvereines der jüdischen Blinden vorausgegangen, in denen nachdrücklich gegen eine etwaige Legalisierung protestiert wurde. Die Proteste sind jedoch erfolglos geblieben. Der Verband der Blindenvereine hat nunmehr die Interessengemeinschaft blinder Musiker und Klavierstimmer aus dem Verband ausgeschlossen und ihr eine neuerliche Frist bis zum 15. Oktober gesetzt, den Arierparagraphen abzuschaffen, da-er sonst zu weiteren Konsequenzen schreiten würde.' Der Verband der Blinden vereine Österreichs bestätigt uns, daß er beim Magistrat Einspruch gegen den Arierparagraphen der Interessengemeinschaft erhoben, jedoch keinen Erfolg gehalbt hat. Er hat, wie wir erfahren, inzwischen der Interessengemeinschaft, die ihren Sitz im Verbandsbetm hat, den' von ihr benützten Raum gekündigt und festgestellt, daß die Interessengemeinschaft außerhalb des Verbandes steht. Sollte sie bis zu der ihr gesetzten Frist ihren Standpunkt nicht ändern, so werden die Mitglieder des Verbandes, die der Interessengemeinschaft angehören, aufgefordert werden, aus ihr auszuscheiden. Das Urteil im Kopenhagener Nazi-Prozeß Kopenhagen, 9. September. (JTA.) . Da« Gericht in Kopenhagen hat das Urteil im Prozeß gegen die sechs wegen Verbreitung von Schmähschriften und Verleumdung der jüdischen Religionsgemeinschaft angeklagten dänischen nazistischen Literaten gefällt. Der Redakteur der „Nationalsozialistischen Monatshefte“ und der Zeitschrift „Bavnen“ (Bergfeuer), N. Olsen, wurde wegen des Artikels über „Schändung nichtjüdischer Frauen und Mordgelüste der Juden“ zu 80 Tagen Gefängnis, der „Führer“ einer der drei Gruppen der dänischen NSAP, Aage Andersen, wegen der drei von ihm verfaßten und herausgegebenen Broschüren, in welchen die Juden aufs gröblichste beschimpft und besudelt werden, zu 60 Tagen Gefängnis, und der Angeklagte Lemvig-Müller wegen Herausgabe der von ihm aus dem Deutschen übersetzten Broschüre „Die' Moral der Juden“ zu 40 Tagen Gefängnis verurteilt. Im Falle des Redakteurs des „Stürmen“ (Sturm), Vald. J e n s e n, _ ist die Strafe bereits in der wegen zu gleicher Zeit veröffentlichter Hetzartikel über den Ministerpräsidenten Stauning und andere Regierungsmitglieder erfolgten Verurteilung zu vier Monaten Gefängnis enthalten. Der Angeklagte N. Möller wurde wegen Anbringens eines Plakates mit schmähenden Bemerkungen über das Alte Testament zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Frau Hennig wurde, da es sich im Laufe der Verhandlung herausgestellt hatte, daß sie selbst gegen Veröffentlichung ihres Vortrages protestiert hatte, freigesproebep. . Das Urteil, dem naeh allgemeiner An¬ 20.000 Emigranten aus Deutschland im Elend » Genf, 12. September. (JTA-). Der Bericht I des vom Völkerbundrat eingesetzten Hochkommissärs für die deutschen Flüchtlinge, "Sir Neill Malcolm, an die bevorstehende Tagung der Völkerbundversammlung gibt ein Bild der traurigen Lage zahlreicher Flüchtlinge aus Deutschland. Der Hochkommissar schätzt, daß in dem Berichtsjahr 1936/37 etwa 16.000 Menschen Deutschland verlassen haben, und daß mehr als 35.000 immer noch in den Nachbarländern Deutschlands leben. Der Hälfte der erwähnten 16.000 habe man das Verlassen des ursprünglichen Asyllandes ermöglicht.. Alles in allem gebe es aber noch in Europa ungefähr 20.000 Emigranten in elender Lage. Einschränkende Maßnahmen in bezug auf Einwanderung und Niederlassung hätten zu einer Situation geführt, deren Ernst man nicht mehr übersehen könne. Der Hochkommissär schlägt vor, die Völkerbund Versammlung möge die Einberufung einer internationalen Konferenz erwägen, deren Zweck die Ausarbeitung und Annahme einer internationalen Konvention zugunsten der deutschen Flüchtlinge wäre; außerdem weitergehende Zusammenarbeit zwischen Hochkommissar und Regierungen auf der einen, den privaten Organisationen für Flüchtlingshilfe auf der anderen Seite; schließlich Maßnahmen jeder Art zugunsten der Flüchtlinge in den Ländern, in denen sie sich aufhalten. anzmeister Erdstern Tanzinstttut, Wien, L, Werdertorgaese 7 (Te!. U 2o?-24), wünscht seinen Sehülcm alles Gute zu den jüdischen Feiertagen und bittet die jüdischen Eitern, ihre Töchter und Söhne auch heuer zu den a b 29. September, V,S Uhr, beginnenden neuen Tanzkursen für Anfänger zu schicken. — Ab Samstag, 2. Oktober, 7,6 Uhr, beginnt ein Studenten-Tanzkurs. Einschreibungen täglich. Perfektion. — Nur gute Gesellschaft 1 — Jeden Sonntag V,5 und */,8 Uhr Jüdisches Leben In Argentinien Land ohne Assinrilanten Der Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation in Argentinien, Mitglied der Leitung des Weltverbandes der Allgemeinen Zionisten, Kongreßdelegierter Nathan Gesang, der als Mitglied der Politischen Kommission de® Kongresses und der Jewish Agency starken Anteil an den Beratungen des Züricher Kongresses nahm, weilte dieser Tage für einige Zeit in Wien, für da« er, ebenso wie für da« alte Österreich, wie er sagt — Herr Gesang wanderte vor drei Dezennien aus Krakau nach Argentinien aus —, eine besondere Schwäche hat, Herr Gesang, der im wirtschaftlichen Leben Argentiniens eine hervorragende Rolle spielt, machte einem unserer Mitarbeiter die folgenden interessanten Mitteilungen über das jüdisch« Leben in der a ildamen kanUahen Republik: Man kann in der jüdischen Einwanderung nach Argentinien deutlich fünf Phasen unterscheiden. Die ersten Juden kamen dorthin vor etwa achtzig Jahren. Es waren sepha.rdise.he Juden, die ihren Lebensunterhalt als Hausierer und Trödler fanden, und Juden aus dem Elsaß, die sich als Edelsteinhändler betätigten. Heute widmen eich die sephardischen Juden, die etwa zwanzig Prozent der gesamten Judenhedt Argentiniens auemachen, faet ausnahmslos dem Handel und der Industrie, besonders in der Tuchbranche, und erfreuen sich eines ziemlichen Wohlstandes. Einer von ihnen, der Präsident der Jswish Agency (Sektor Argentinien), Esra T e u b a 1, ist der größte Tuchfabrikant in Argentinien; er ist einer der eifrigsten Zionisten. Die erste Einwanderung brachte nur einzelne Familien ins Land, so daß es nur an den hohen Feiertagen möglich war, in Privathäusern da und dort ein Minjan zustande zu bringen. Ein wirklich konzentriertes Judentum erzeugte erst die zweite Einwanderungsphase, die Juden in größeren Massen ins Land führte: die Kolonisten des Baron Hirsch. Hierauf trat wieder eine längere Pause ein. In größeren Mengen kamen Juden, und zwar ans Rußland in den letzten Jahren vor dem Krieg, und als der Weltkrieg zu Ende war, strömten mehrere Jahre vornehmlich polnische Juden nach Argentinien. Hierauf war neuerlich ein gewisser Stillstand zu verzeichnen, bis der Nationalsozialismus die deutsche Emigration hervorrief. Es siedelten sich drei bis viertausend deutsche Juden an. Bemerkenswert ist, daß die österreichischen Juden, die Argentinien als neue Wohnstätte «wählt haben, sich von den übrigen Juden weder vereinsmäßig noch sonstwie abheben, und daß sie sich dem ungarisch-jüdischen Hilfsverein untergeordnet haben; die ungarischen Juden sind zahlenmäßig stärker, und allem Anschein nach gesellschaftlich aktiver. So leben denn gegenwärtig in Argentinien ungefähr 300.000 Juden innerhalb einer Bevölkerung von rund 13 Millionen. Da« Judentum hat einen starken osteuropäischen Einschlag, doch passen sich die meisten seiner Mitglieder rasch den neuen Verhältnissen an. Die Neueingewanderten sprechen zwar miteinander jiddisch, aber die ältere Generation und die im Lande Geborenen bedienen sich ausschließlich der spanischen Sprache. Nur bei einem Teil der polnischen Juden Ist ein'Beharren bei der jiddischen Sprache festzustellen, und die deutschen Juden legen fast durchwegs das Bestreben an den Tag, die deutsche Sprache weiterhin als Umgangssprache und Schriftsprache zu bewahren. So erschien erst kürzlich die erste Nummer der ersten deutschjüdischen Zeitung in Argentinien, die Wochenschrift „Jüdisches Wochenblatt“. Drei jüdische Tageszeitungen. Im übrigen verfügen die Juden in Argentinien über drei recht ansehnliche Tageszeitungen in jiddischer Sprache. Die älteste von ihnen ist die „Jiddische Zeitung“, die ganz nach europäischen Begriffen gemacht wird und glänzende Mitarbeiter hat, wie zum Beispiel Schalom Asch. Die „Morgenzeitung“ ist ein viel gelesenes Abendblatt. Beide Zeitungen sind zionistisch eingestellt. Die dritte Tageszeitung hat ausgesprochen kom munkstische Tendenz. Daneben erscheinen mehrere jüdische Wochenschriften in spanischer Sprache, von denen die bedeutendste „El Mundo Israelita“ ist. Alle Wochenschriften haben zionistische Färbung. Das offizielle zionistische Parteiblatt ist die „Jiddische Welt“, die wöchentlich herauskommt. Schließlich verdient auch Ernährung, daß es eine wissenschaftliche jüdische Zeitung gibt, die Monatsschrift „Judaica“. Die wirtschaftliche Position der Juden. Von den dreihunderttaueend Juden Argentiniens lebt die Hälfte in der Hauptstadt Buenos Aires, die mehr als zwei Millionen Einwohner zählt. Die anderen Juden wohnen in größeren Gruppen in den Hirschschen Kolonien, hauptsächlich in der Provinz Entre Rios und in den Provinzstädten. In Buenos Aires sind sozusagen jüdische Viertel vorhanden, das heißt, gewisse Abschnitte der langen Straßenzüge Corrientes und Lavalle haben fast ausschließlich jüdische Bewohnerschaft. Die Juden sind in erster Linie Kaufleute, Industrielle und Angehörige der freien Berufe. In der Nachkriegszeit sind aber auch viele jüdische Arbeiter eingewandert. In der Industrie nehmen die Juden eine sehr wichtige Position ein, sie haben zahlreiche neue Industrien geschaffen und zur Ausbreitung der schon bestehenden viel beigetragen. Spezifisch jüdisch sind die Textil-, Metall-, Möbel- und Bekleidungsindustrie. Im Exporthandel sind sie, was den Getreidehandel betrifft, führend. , Der größte .Getreideexporteur des Landes, der Gesellschafter der Firma Louis Drey- Nachmittags- Kinderheim „Atid" Inhaber u. Leiter A. lag licht bietet Sdiüiern und Schülerinnen aller Schultypen von */s3 bis 7,7 Uhi nachmltiags Studienkontrolle, Sprachen, Sport, Musik, Spiel Anmeldungen und Auskünfte ab 15. September IX., HBrigasse 2 Tel. R 52012. fus, Jacobo Z a s 1 a w s k y, war in Zürich einer der nichtzionistisehen Vertreter der Jewish Agency. In der Provinz gehen die Juden, abgesehen von den Kolonisten, in derselben Weise dem Broterwerb nach, bloß in den kleinsten Städten betreiben sie hauptsächlich Handwerk (Schneiderei, Schusterei). In den freien Berufen haben sich die Juden auch bereits eine sehr beachtliche Stellung erobert. Viele junge jüdische Mediziner genießen einen guten Ruf, aber namentlich in der Schriftetellerei trifft man eine Anzahl von Juden, die in ganz Argentinien bekannt sind und in hohem Ansehen stehen, so Alberto Gerschunoff, einen Mitarbeiter der großen Tageszeitung „La Nacion“, und den Dramaturgen und Dichter Cesar Ti e m p o (Zeitlin). Die Einwanderungsmöglichkeiten. Die wirtschaftliche Lage der argentinischen Juden ist natürlich von der allgemein wirtschaftlichen Situation des Landes bedingt. Da in den letzten zwei Jahren wieder ein Konjunkturaufschwung zu verzeichnen war, hatten auch die Juden einen Nutzen davon. Jeder Mensch in Argentinien, der gesund und arbeitswillig ist. findet dank dem natürlichen Reichtum des Landes Brot und Obdach, und so findet man auch in den jüdischen Massen Argentiniens keine größere Armut oder Arbeitslosigkeit. Trotzdem ist die Einwanderung, die wegen der wirtschaftlichen Krise der vormi'regangenen Jahre eingeengt wurde, noch immer beschränkt. Dabei ist freilich auch die Vorsicht gegenüber extremen Richtungen von Techts und linke, wie eie in Europa derzeit herrschen, maßgebend. Immerhin bestehen für Menschen, die sich der Landwirtschaft widmen wollen,' Möglichkeiten ins Land zu kommen und dort Wurzel zu fassen. Dasselbe kann für Industrielle gesagt werden, die in Argentinien noch nicht existierende Industrien schaffen oder in besonders lebenswichtigen Industrien arbeiten wollen. Selbstverständlich können von ihren Verwandten Angeforderte Unterkommen. So erklärt cs sich, daß auch unter den jetzigen Einwanderungsbestimmungen kein Dampfer eintrifft, dor nicht mindestens mehrere Dutzend Einwanderer, unter ihnen viele Juden, bringt. Eines aber muß besonders hervorgehoben werden: Für Händler und freie Berufe ist absolut kein Platz vorhanden. Nur Techniker sind begehrt. Neue Kolonien mit deutschen Juden. Ein besonderes Kapitel verdienen hier die jüdischenKolonien. Dort trat in den letzten Jahren wegen der Krise und wegen der Herabsetzung der Preise für Bodenprodukte ein Stillstand ein. Es ist aber interessant, daß gerade in der Zeit der Prosperität aus der bestangelegten Kolonie in der Provinz Buenos-Adres viele Juden, nachdem sie als Kolonisten reich geworden waren, in die Stadt abwanderten, so daß die Felder in niehtjüdisehe Hände übergingen. Doch die Kolonisten in der Provinz Entre Rios haben sich in den guten Zelten nicht verlocken lassen und die Periode der Krise recht gut überstanden. Ihre Siedlungen erholen sich jetzt zusehends. Die Iea beginnt sich wieder mit der Kolonisation intensiv zu beschäftigen und hat eine neue Kolonie mit ausschließlich deutschjüdischen Einwanderern (30 Familien) gegründet. Diese Kolonie, die de Avigdor heißt, besteht seit drei Jahren und entwickelt sich günstig, weshalb die Ica beschlossen hat, noch 100 jüdische Familien aus Deutschland kommen zu lassen und in Argentinien anzusiedeln. Daneben gibt es einige Kolonien nach dem Muster der Hirschschen, die privater Initiative entsprungen sind. Sie befinden sich absolut nicht, in schlechterer Situation als die Ica-Kolonien. Da sind insbesondere die in der Provinz Buenos Aires gelegenen Kolonien Villa Alba und Medanos und eine ih der Provinz Rio Negro befindliche zu erwähnen. Die Entwicklung des Zionismus. In diesem.Zusammenhänge sei gleich betont, daß die Kolonisten der Hirschschen Stiftungen g,.te Juden eind und als die Träger des Zionismus in Argen-

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