Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 11 (1937-1938)
- Issue
- Heft 676 (14.9.1937)
- Date
- 1937-09-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Wien, Dienstag, 14. September 1087. — Kr. 0S&, „Niditemnmdiiiiig" Bas italienische Generalkonsulat in Jerusalem hat junge Amber in Palästina e ungeladen, Artikel für die Zeitung „Ethiopia“ au schreiben, die demmäobst in AtdcMa Abeba dreäspwwääg, italienisch, arabisch und amharisch, erecteinen soll. Es weiden Artikel über folgende Themen verlangt: „Die arabischen Unabhängigkeitsbewegnngen“, „Der arabische Widerstand gegen den britischem Imperialismus“, und „Die Sympathien der Ämter für das italienische Imperium“. Die Artikel sind an das italienische Generalkooeuiat in Jerusalem zu senden, das hohe Artikeltoonorare verspricht. Die panaiabisdhe Konferenz In Syrien Jerusalem, 12. September. (JTA.) Die Panarabische Konferenz, die am 8. September in Boudan bei Damaskus eröffnet wurde, hat dadurch, daß der französische Generalkonsul in Jerusalem palästinensischen Arabern, die an der Konferenz teilnehmen wollten, das Einreisevisum nach Syrien verweigert hat, viel an Bedeutung verloren. Während man zuerst daran gedacht hatte, daß auf dem Kongreß eine Zentrale geschaffen werden wird, die sich mit der Organisierung eines bewaffneten Aufstandes in Palästina, der Einfuhr von Waffen und der Unterstützung der palästinensischen Araber befassen soll, dürfte sich die Konferenz jetzt in Abwesenheit der Hauptwortführer aus Palästina darauf beschränken, allgemeine politische Richtlinien zu erörtern, ohne praktische Maßnahmen zu beschließen. Au« Palästina sind der Vertrauensmann des Mufti, Jemal el Husseini, ferner Izzat Darwat, Issai Lissa und Fakri Bey Nashashibi, sowie der Sekretär des Obersten Arabischen Ausschusses Abdul Hadi zugegen. Der gewesene Ministerpäeident des Irak Naji Pascha E s w e e d y drückte Großbritannien die Dankbarkeit der Araber aus, erklärte jedoch, England dürfe in Zeiten der Not nicht auf die arabische Hilfe rechnen, falls es nicht den Zionismus, der zu allen arabischen Staaten, vor allem zu Palästina, im Gegensatz stehe, fallen lasse. Großbritannien und Arabien stünden gegen- «tjctig am „ Scheidewege; Großbritannien müsse zwischen Juden und Arabern wählen. Wenn die britische Politik unverändert bleibe, müsse Arabien neue Bündnisse suchen, um sein Recht zu beschützen. Der Metropolit von Hama (Syrien) forderte die Fortführung der Einigungsbestrebnngen zwischen Christen und Mohammedanern in den arabischen Staaten. Die Jndenausweisungen aus der Türkei In Istanbul stad vor kurzem, wie wir gemeldet haben, etwa 10 deutsche Juden, die Deutschland hatten verlassen müssen und die seit zwei bis drei Jahren als Direktoren in großen Handelsfirmen in der Türkei tätig waren, von den türkischen Behörden als unerwünschte Ausländer erklärt und aufgefordert worden, innerhalb 48 Stunden die Türkei zu verlassen; Dagegen sollen diejenigen unbehelligt bleiben, die zum Islam übertreten und sieh in der Türkei einbürgern lassen. Hiezu wird uns von informierter Seite aus Istanbul mitgeteilt: ,(Leider ist die Nachricht vollkommen richtig; es handelt sich hier ausschließlich um einen antisemitischen Akt, nicht etwa um Fremdenhaß. Die ansgewiesenen Juden sind hochanständige Lento von großer kommerzieller Erfahrung. Die Gründe der Ausweisung sind nicht bekanntgegefoen worden. Die Leute hatten seit zwei und sogar mehr Jahren richtige Aufenthaltsbewilligungen. Eines Tages erhielten eie von der Polizei den Bescheid, sie müßten das Land innerhalb soundso vieler Tage verlassen. Man fuhr na oh Ankara, man telegraphierte an den Ministerpräsidenten lernet Inönu, man mobilisierte andere Interventionen, alles blieb erfolglos; man ist sehr hart und grausam vorgegangen. Die Tatsache, daß es sich hier ausschließlich um Juden aus Deutschland handelte, beweist, daß hinter den Kulissen eine fremde Hand gegen diese Juden gearbeitet hat. Seit dem Hitlerregime sind viele ,Arier1 angokommen, die leitende Stellungen bekleiden und unbehelligt hier bleiben können. Daß die Führer der Türkei in einer so schmutzigen Angelegenheit mitgeholfen haben, ist sehr bedauerlich.“ Das jüdische Elend In Polen Das Judentum in Polen wird ungeachtet aller in der polnischen Verfassung verankerten Garantien deT Gleichberechtigung systematisch entrechtet, Hand in Hand damit geht ein wirtschaftlicher Verniehtungefeldzug, der die Juden aus allen wirtschaftlichen Positionen wirft. Es herrscht ungehindert eine starke antijüdische Boykottbewegung, und Pogrome gehören zu einer ständigen Erscheinung. Die Lebensbedingungen der jüdischen Massen sind erschreckend. In den letzten 15 Jahren ist der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung von 10.5 auf 9 Prozent gefallen. Derzeit leben 3,150.000 Juden in Polen. Im Jahre 1936 wurden bei Pogromen mehr als 100 Juden getötet und 1350 verwundet. Die Angestellten- und berufliche Beschäftigung unter den Juden ist zweieinhalbmal geringer als bei den Christen. Derzeit haben nur 24 Prozent Juden irgend eine Arbeit oder Beschäftigung, gegenüber 56H Prozent Christen. In den Jahren 1929—1936 haben sieh die Verhältnisse ständig verschlechtert, und die Zahl der berufstätigen Juden hat von 940.000 auf 740.000 abgenommen. 40 Prozent aller jüdischen Lohnempfänger, ungefähr 150.000 an der Zahl, sind arbeitslos, Das sind 15 Prozent aller Arbeitslosen in Polen, obwohl die Juden nur 9 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die Politik der polnischen Regierung hat eine ökonomische Entwicklung und eine Bewegung unter der polnischen Bevölkerung ermutigt, die zu einer Eliminierung der Juden aus dem Wirtschaftsleben führt. Die Staatsmonopole, vom Staate subventionierte Kooperativen und der antijüdl8che Boykott eliminieren die Juden systematisch aus dem Handel, von dem 1 Million Juden lebt. Die Lage der jüdischen Lohnempfänger ist schlechter als bei den Polen. Es gibt in Polen 300.000 jüdische Industriearbeiter und 100.000 andere Arbeitnehmer, von denen 40 Prozent arbeitdos sind. Die Politik der Regierung tut alles, um Juden an der Erlangung von Arbeitsstellen zu hindern. Ungefähr 1 Million Menschen ist bei den Staatsmonopolen, wie Salz, Tabak, Spirituosen, Zündholzindustrie und Lotterie beschäftigt, die von Juden in einem starken Maße aufgebaut wurden. Aber sie und staatliche Unternehmungen wie Poet, Telegraph, Telephon, Forstwesen, Handel in Industrieartikeln, Bergbau und Hüttenwesen weisen weniger als 2 Prozent Juden auf, obwohl 9 Prozent der Bevölkerung Juden sind. Die Juden machen 30 Prozent der städtischen Bevölkerung Polens suis, aber nur 0.8 Prozent der Staatsangestellten und 2 Prozent der städtischen Angestellten sind Juden. Unter den 5850 Arbeitnehmern der städtischen Straßenbahn- und Autobuslinien in Warschau sind sage und schreibe 6 Juden. In den kleineren Werkstätten, die oft keinen mechanischen Betrieb haben, sind 70 Prozent der Arbeitnehmer Juden und 25 Prozent Nichtjuden. Die Juden sind daher die am schlechtesten bezahlten Arbeiter in Polen. Ungefähr ein Drittel von ihnen verdient weniger als 11 Schilling in der Woehe. Eine Million Juden in Polen „lebt“ in einem unvorstellbaren Elend knapp an oder unter der Grenze des Hungers. Ein Sechstel der jüdischen Bevölkerung fristet seinen Unterhalt durch Unterstützungen aus dem Ausland. Die Majorität von 650.000 jungen jüdischen Männern und Frauen in Polen hat keine Hoffnung, in ihrem Geburtsland Beschäftigung zu finden, solange die antijüdische Diskriminierungspolitik nicht aufbört. Die öffentliche Weltmeinung darf nicht weiter indifferent bleiben. Sie muß mobilisiert werden und für die Wiederherstellung der Rechte der Juden in Polen eintreten. Die Juden in Polen verlangen keine Vorteile, sie verlangen nur ihr Recht, und das muß ihnen wieder werden. Die Judenhetze in Nürnberg Nürnberg, 12. September. (JTA.) Die Reihe der judenfeindlichen Reden von Adoif Hitler, Alfred Rosenberg und den anderen nationalsozialistischen Führern auf dem diesjährigen Parteitag der NSDAP, in Nürnberg ergänzte der Reichspropagandaminister Dt. Goebbels, der sich die Vorgänge in Spanien zum Thema gewählt hat. Dr. Goebbels erklärte: In Spanien entscheidet sich auch die Stellung Europas zur Frage des internationalen Judentums. Der rote Aufstand in Spanien stellt nur einen Teil der von Moskau geplanten bolschewistischen Revolution dar. Der Jude wirkt sich im Bolschewismus als Inkarnation alles Bösen aus. An allen Greueln in Spanien seien die Juden schuld, diese Feinde der Welt, die Vernichter der Kultur, die Parasiten unter den Völkern, die Fermente der Dekomposition. Der Jude sei der plastische Dämon des Verfalles der Menschheit. Das grausame Mittel, mit dem sich der jüdische Bolschewismus an der Macht hält, heißt Terror. Er wird in einem so erschreckenden Umfange zur Anwendung gebracht, daß er jeden Widerstand schon im Keime lähmt und erstickt. Die ganze Menschheit hallt wider vom Wehgesohrei, wenn beispielsweise in Deutschland einem Juden verdientermaßen einmal eine Ohrfeige verabreicht wird. Was aber bedeutet das gegenüber einem Terror, der ganze Völker zerstört, martert, peinigt und ausrottet. In Hitler ist der RetteT erstanden, und wenn in 600 Jahren Geschichte geschrieben wird, dann werde sein Name unter den Großen des Abendlandes leuchten. In Hitlers Namen riet Goebbels alle europäischen Völker zum Kampf gegen den jüdischen Bolschewismus auf. In Deutschland sei der Kampf siegreich beendet, in Italien, Japan, Österreich, Ungarn, Polen, Brasilien, der Türkei und Portugal habe er schon eingesetzt. Italienische Faschisten bei Deutschem Antisemitenkongreß Rom, 12. September. (JTA.). Eine Abordnung italienischer Faschisten nimmt an dem in Erfurt stattfindenden Internationalen Antisemitenkongreß teil. Der Abordnung gehören General Namarra, Alberto Lupin vom Faschistischen Kulturinstitut und die Professoren Bottoli und Ebola, Verfasser antisemitischer Pamphlete, an. „Regime Fascista“ berichtet über einen Vortrag Professor Ebolas über die Ziele der antisemitischen Aktion, in dem er besonders die Tätigkeit des Herausgebers des „Regime Fascista“, Farinacod, rühmte. Nazi zerstören Werke eines jüdischen Malers Aussig, 12. September. (JTA.) Die Ausstellung von Werften des Aussiger Malers Ernest Neuschul, die in der Öffentlichkeit viel Beachtung fand — mit dieser Ausstellung wollte sich der Künstler den Weg nach Prag bahnen — wurde von Vandalen heimgesucht, die zwei große Gemälde, „Streik“ und „Die Masse“, durch Schnitte beschädigten und zwei andere, „Der Gefangene“ und „Demonstration“ mit Hakenkreuzen beschmierten. Nazi-Beweisführung Die Nationalsozialisten können die Abfuhr, die eie sieh beim Berner Gericht mit dem Urteil über die „Protokolle der Weisen von Zion“ geholt haben, begreiflicherweise nicht verschmerzen. Sie glauben, daß sie, wenn sie immer wieder trotzdem behaupten, die Protokolle seien echt, irgend einen vernünftigen Menschen von der Echtheit dieses plumpen Machwerkes überzeugen könnten. Kürzlich habeo sie neuerlich einen solchen untauglichen Versuch unternommen. Auf einer In Erfurt Anfang September stattgefundenen „internationalen“ Konferenz der der Vergiftung des Völkerlebens dienenden Nazi-Institution „Weltdienet“ wurde in der Frage der Echtheit der „Protokolle der Weisen von Zion“ eine Resolution beschlossen, in der selbstverständlich das Berner Gericht als für die Juden voreingenommen bezeichnet wird, weil es bloß die Gutachten der von jüdischer Seite empfohlenen Schweizer Experten Loosli und Baumgarten „fehlerhafterweiße zur Grundlage seiner Entscheidung nahm“. Daran knüpft die Resolution, die wie alle anderen Nazibeschuldigungen gegen Juden trefflich bewiesene Feststellung, „daß sich das Judentum in allen Den Verwandten, eilen Schülerinnen, Sdiölem und Freunden wünscht zum Vers&nnungstafe nsm iwm -mm Wien XIX., Gcbherdtgesse 1 Dr. Kurt Ofenberger I., Freyung 1 wünscht allen Verwandten, Freunden und Gesinnungsgenossen 31t 185 Zahnarzt Dr. I. Müller u. Frau VI., MsriehllferstreSe 115 wünschen eilen Bekennten, Verwandten und Patienten STB "103 Josef Blatt und Frau Wien, II., leopoldsgatse Nr. SS/8 wünschen eilen Verwandten, Bekennten und Freunden 31B 183 MAZZESFABRIK VORTREFFLICH bedenkt eich bei eilen Freunden und Bekennten für die enUSIIdi der hohen Feiertage erhaltenen Wünidie, erwidert dieselben eufs wärmste und wünscht ein herzlidies sm "iba ‘TW Aussthuß der Zion. Bezirks- Sektion Innere Stadt wünsdit allen Mitgliedern und Förderern SIED 1DJ Oslas Kupfermann und Frau wünsdten den Mitgliedern des Vereines „ Akai/ath Adiim“ sowie allen Freunden und Bekannten nSlD PlöTin "103 seinen Handlungen auf politischem, sozialem und religiösem Gebiete ganz nach den " Bestimmungen dieser Protokolle richtet“ und daß „die Protokolle der Weisen von Zion somit das echte Programm der jüdischen Weltpolitik“ seien. Sinkt, Streusand. Werfe jetzt noch nicht glaubt, ist eben kein Nazi. „Sudetenjuden raus!“ Dem „Prager III. Montag“ wird geschrieben: Es ist erstaunlich, wie präzis die Anhänger des Dritten Reiches auf Kundmachungen von jenseits der Grenze reagieren. Kürzlich erst hat Göring in Stuttgart erklärt: „Jüdische Vertreter der deutschen Wirtschaft darf es im Ausland nicht mehr geben. Sollten die Juden darauf mit einem neuen Boykott antworten, so können sie versichert sein: Jeden Schaden, den dadurch Deutsche im Ausland erleiden, wird der in Deutschland lebende Jude zu bezahlen haben!“ Und schon läuft das Schlagwort um: „Juden aus der deutschen Wirtschaft auch in der Tschechoslowakei!“ und „Sudetenj u d e n, t a u s!“ „Sudetenjude“ ist überhaupt ein neues Sehlagwort geworden. Die SdP-Leute zielen damit auf jene jüdischen Staatsbürger, die, wie sie sagen, „es verstanden haben, durch Mimikry sich der SdP anzupasse n“. Leider gibt es ja wirklich Juden, die geschmacklos genug gewesen sind, trotz der Gemeinsamkeit aller Ideen Henleins und Hitlers, sich der SdP ständig anzubiedem. Hutmlttlfstelffl 4.. Wr. Kin4ar>LI4o * JpOrttoFflill U 14-908 nu v. 8-9 Ohr «bd». ipiltfett In dorJugend wird der Charakter geformt! Richtige Erziehung, eis paeeendae Milieu kennen Ar du ganze epütere Leben Ihre« Kinde» von Bedeutung eein Flüsterparole der Henleln* Partei Komotau, 1& SepMmtoer. (JTA.) Die SdP-Anhänger hier haben sich eine neue Flüsterparole zugelegt. In ihren Zusammenkünften und auch auf der Gasse bedienen sie sich des geheimnisvollen Zurufs „Kein Tschaü“. Da* bedeutet: Kein Einkauf bei Tschechen, Aktivisten und Juden! JUDEN! Gedenket am Jom Kippur des Keren Kajemelli