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Die Stimme · 1937-09-14 · Heft 676 (14.9.1937) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 676 (14.9.1937)
Date
1937-09-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wien, Dienstag, 14. September 1037. — Nr. 676. Sehe f Seither bestand auch der Wunsch, den Juden zu helfen, aus Druck zur Freiheit zu gelangen. Ich persönlich, fuhr der Minister fort, bin durchaus überzeugt, daß den Juden, wenn man die Palästinafrage als eine mögliche Lösung der Weltjudenfrage betrachtet, die Teilung mehr Aussichten bietet, als die Fortsetzung dee Systems, das während der letzten Jahre bestand. Natura-Schule „Universum“ (Grlindungijahr 1931) IX., Oamlsongasse 3 (Telephon A 20-4-48) Beginn neuer Anfängerkurse Mitte September. Vormittags-, Abendu. Nachmittagskurse (ab 5 Uhr)- —- — Mittelschüler mit Vorkenntnissen können bereits am 1» September Sämtliche Lehrmittel I in die vorgeschrittenen Kurse eintreten. Mittelschüler aus der 4. Klasse leihweise! | mit ungünstigen Jahreszeugnissen werden für die Matura vorbereitet. In territorialer Hinsicht vertrat Ormeby- Gore den Standpunkt, daß der jüdische Staat eine jüdische Mehrheit haben müsse. Ee ißt zwecklos, sagte er, die Errichtung eines Judenstaat«; zu erwägen, wenn die Jnden nicht innerhalb der Grenzen dieses Staates von Anfang an in der Mehrheit sind. Die Laufbahn eines Judenstaates mit einer nichtjüdischen Mehrheit zu beginnen, BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien, 1, Freyung 1 Telephon: U 27-2-11 U 28-2-55 Durchführung sümtlichcr Banku. Börsetransaktionen würde, wie ich glaube,, von Anfang an Mißerfolg bedeuten. Wie Sie sehen werden, erkärt der Bericht der Königlichen Kommission, müssen Bemühungen unternommen werden, einen Bevölkerungs- Transfer zu bewirken, wie klein auch der jüdische Staat sein mag. Das aber wird Zeit erfordern. Die Überführung arabischer Familien aus irgend einem geplanten jüdischen Staat heraus muß ein langsamer, mühseliger Prozeß sein. Einer unserer erfahrensten landwirtschaftlichen Beamten erklärt, er sei überzeugt, daß in Transjordanien allein 1 0 0.0 0 0 Familien angesiedelt werden können, abgesehen von den Möglichkeiten im arabischen Palästina. Es ist richtig, daß die Furcht der Araber Trausjordaniens vor jüdischer Infiltration und Ansiediung dazu geführt hat, wirtschaftliche Entwicklungen großen Maßsstabes kl diesem Gebiete zu verhindern. Die Araber Transjordaniens haben es vorge-zogen, in ihrer alten Weise zu leben. Aber säe würden einen ganz anderen Standpunkt einnehmen, wenn Geld für die Erschließung Transjordaniens aus der Tasche jemandes anderen käme und wenn eie wüßten, daß die Erschließung zugunsten der Araber geschieht. Körperliche und geistige Frische die kostbarsten Güter des Lebens in der im Alter e Schätze durch DIANA- Franzbranntwein mit Menthol Der Negew Was den Negew betrifft, so sind die in unserem Besitz befindlichen Feststellungen notwendigerweise spärlich. Es wurden Brunnen gegraben, aber man hat gefunden, daß das Wasser salzig ist. Der Negew ist jetzt ein Gebiet, wo eine von den Wissenschaftlern als Symbiose von Mensch und Kamel bezeichneter Zustand besteht, das heißt, daß der Mensch auf das Kamel angewiesen ist. Es ist ein Beduinen! and, wo das Kamel leben und ziemlich zweifelhaftes Wasser trinken und für seinen Herrn Wasser tragen kann. Beide wandern umher, wo das Kamel weidet Es ist ein trockenes, wenn auch nicht durchaus wüstes Land mit geringem Regenfall. Ich glaube, wir können nicht damit rechnen, daß Süd-Palästina, südlich von Beersheba bis zum Golf von Akaba, jemals (wenn nicht Millionen Pfund für Wasserleitungen aus Mittel-Palästina aufgewendet werden) ein Gebiet wirklich intensiver odeT halbwegs intensiver landwirtschaftlicher Entwicklung werden kann. Wenn jemals, so war hier eine Gelegenheit zur Zusammenarbeit von Juden und Arabern. Jetzt ist der Negew ein vollständig arabisches Gebiet: wenn es in Zukunft Frieden geben wird könnte es dort eine Zusammenarbeit geben. Aber der Gedanke, dieses Gebiet einem abgetrennten jüdischen Staat anzuschließen, muß, wie ich glaube, auegeechaltet werden. Die Schwierigkeiten des Problems Jerusalem Zu dem Anschluß von Akko an den Judenstaat, führte der Minister aus: In der Stadt Akko leben 8550 Araber und nur 250 Juden. Unmittelbar nördlich von Akko gibt es einen geschlossenen arabischen Distrikt. Dieser Distrikt und das dicht bevölkerte Akko bilden einen wesentlichen Teil der sehr großen arabischen Minderheit, die in dem Judensta.at unter jüdische Herrschaft gestellt werden soll. Dagegen haben wir damit zu rechnen, daß die Juden bei der Beschränkung des Gebiets möglicher landwirtschaftlicher Siedlungen und unter dem Druck der Verhältnisse in Europa zu industrialisieren genötigt sein werden; der offenkundige Platz für diese Industrialisierung ist die Haifa-Akko-Bucht. Was Jerusalem betrifft, so würde es nicht leicht sein, den modernen jüdischen Teil der Stadt den Juden zu überlassen. Haifa ist jetzt eine große Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern; wenn es dort auch ein wenig mehr Juden gibt als Araber, ist die Überzahl sehT gering und die Bevölkerung sehr gemischt. Den Rest machen fremde Nationalitäten aus. Haifa ist die Handelshauptstadt Palästinas. Es hat den einzigen wirklich guten Hafen; es ist der Endpunkt der Ölleitung aus dem Irak, wo Schiffe nicht nur öl übernehmen, sondern in absehbarer Zeit zweifellos auch zur Aufnahme von Brennstoff anlaufen werden. Es ist also — wir müssen auch diese Tatsache in Betracht ziehen — der strategische Schlüssel zu Palästina. Es ist das Zentrum dee Eisenbahnwesens Palästinas; die Eisenbalmwerkstätten befinden sich dort. Es ist, der Hafen Transjordaniens. Der größte Teil des Verkehres nach und von Palästina geht über Haifa, wenn es auch einen Verkehr über Jaffa und einen kleinen über Gaza gibt. VersShnungstag In einer schweren, unheildrohenden Zeit begeht das jüdische Volk den Versöhnungstag. Es sind wahrhaft „furchtbare Tage“, die wir erleben. Das jüdische Volk erlebt Tage, die schwerer sind als die Tage Torquemadas. Aber trotz allem findet es die Kraft in all dieser Unrast und Verfolgung, einen Tag der Besinnlichkeit und Einkehr einzuschalten. Der Jude versöhnt sich mit seinem jüdischen Bruder, mit seinem Volk, und mit Gott-. Die Umwelt aber weiß nichts vom Frieden mit Gott und vom Frieden mit den Menschen. In zwei Ländern tobt* ein mörderischer Krieg. In Spanien zerfleischen sich selbstmörderisch die Spanier als Söldlinge fremder Mächte, fremder Ideologien. Niemand weiß, wer in Spanien Sieger bleiben wird. Sicher ist nur eines: Auf der Walstatt wird Spanien bleiben, verwüstet und entvölkert. Im Jahre 1492 feierte in Spanien der Judenhaß einen vermeintlichen Sieg über das Judentum, und Spanien glaubte, „befreit“ aufzuatmen. In Wirklichkeit fraß der Haß, den die Inquisition gesät hatte, weiter. Juden konnte er nicht mehr fressen, weil keine mehr da waren, und so fraß er das spanische Volk. Das ist der Fluch der bösen Tat, die Antisemitismus heißt und nicht, wie die gut bezahlten Agenten des Berliner Propagandaministeriums einer verdummten Welt glauben machen wollen, ein Werk der „Weisen von Zion“, die jetzt Rache nehmen für 1492. Und im Fernen Osten tobt der zweite Krieg. Japan und China zerfleischen sich, und im Hintergründe lauern die Mächte Europas. Niemand weiß, was der morgige Tag bringen wird, und ob die Kriegsfackel, die heute das alte Kulturland China frißt, morgen Europa fressen wird. Rassenhaß und Imperialismus haben so einen Feuerkreis um Europa gezogen. Wer von Frieden spricht, wird als Schwächling und Judenknecht verhöhnt, und der Völkerbund, neben dem Palästinamandat das einzige positive Ergebnis des Weltkrieges, wird überall verhöhnt. Die Völker sind sich selbst untreu geworden. Sie haben das Wort gebrochen, das sie den Besiegten des Weltkrieges und das sie Wilson gegeben haben. Sie setzten seit 1918 den Krieg mit anderen Mitteln fort, und so reift 1937 die böse Saat von 1918 und von Versailles. Nur ein Volk der Welt ist sich selbst und damit allen Völkern treu geblieben: das jüdische Volk. Gehaßt und verhöhnt, entrechtet und versklavt, verficht es die uralten Prinzipien von Frieden, Recht und Gerechtigkeit für alles, was Menschenantlitz trägt, Prinzipien, die es vor Jahrtausenden verkündet hat und auf denen diese Welt fest und sicher ruhte, solange sie eben diesen jüdischen Grundsätzen treu blieb. Von Berlin und Moskau aus geht jetzt ein neuer Baalkult aus. Moloch frißt Hekatomben unschuldiger Opfer und droht diese Welt in den Abgrund zu reißen. Nur das kleine jüdische Volk ist sich treu geblieben. Auch in seinen Reihen hat die Untreue gegen den jüdischen Geist, die Assimilation in allen ihren Formen, schwere Opfer gefordert. Aber, was abfällt, ist eben Abfall. Der jüdische Lebensbaum ist unversehrt geblieben. Nicht nur das. Unter dom Einfluß der zionistischen Bewegung gräbt er tiefer seine Wurzeln in die jüdische Erde, und so mancher verdorrte Ast grünt wieder und will neue Früchte tragen. Das ist das große Wunder unserer Tage, größer noch dadurch, daß es gegen den Willen derer geschah, die Macht haben im Judentum, die sieb so gerne als die „guten Juden“ bezeichnen und 'n den unseligen Zeiten des Ghetto über Hintertreppen in die Regierungsämter laufen und ihr abgestandenes Sprüchlein gegen die bösen Zionisten zischeln. Immer noch, wenn das jüdische Volk am Tor der Freiheit stand, wurden ihm Prügel vor die Füße geworfen. Einmal war es Amalek, einmal waren es die portugiesischen Juden von Bordeaux, die vor dem Nationalkonvent in Paris die Elsässer Juden als „Ostjuden“ denunzierten, und so geht diese Kette trauriger Gestalten bis in unsere Tage. In San Remo war es Silvain Levy, der uns um die Balfour-Deklaration bringen wollte und im Jahre 1937 schüttelt die Angst vor dem Judenstaat Herbert Samuel, Felix Warburg und den „Zionisten“ Magnes, und sie wüten gegen das eigene Volk. Sie mögen weiter gegen uns intrigieren. Der Schuß, den sie gegen uns abfeuern, geht ins Blaue. Wir wollen, kühl bis ans Herz hinan, unseren Weg fortsetzen. Sie mögen weiter mit den Arabern gegen uns konspirieren, an deren Händen das Blut jüdischer Väter und Mütter, jüdischer Arbeiter und jüdischer Krankenschwestern klebt, wir wollen uns nicht irre machen lassen und weiter unseren friedlichen Kampf für die Erlösung des jüdischen Landes führen. Weil wir eine gerechte Sache vertreten und weil wir das arabische Volk mit seinen Mördern und Hetzern nicht identifizieren, glauben wir auch daran, daß einmal der Versöhnungstag kommen wird, an dem die Streitaxt zwischen uns und dem arabischen Volk begraben wird, weil an diesem Tage die verhetzten arabischen Massen begreifen werden, daß es ir ihrem Interesse und im Interesse der arabischen Staaten liegt, uns Palästina zu lassen, diesen Splitter im großen arabischen Meer. Und weil wir eine gerechte Sache vertreten, glauben wir daran, daß einmal der Tag der Versöhnung kommen wird, wo Friede herrschen wird zwischen dem jüdischen Volk und den Mächten dieser Welt. Wir sind aber nicht so naiv, daß wir dieses beglückende Ereignis durch Abwehrpropaganda erzielen wollen, oder Die jüdische Schwimmerin Gerda Licktner, welche die Strommeisterschaft gewann. Für WEEKEND und REISE EISEN FEINWURST UND SELCHWAREN dadurch, daß wir die Hände in den Schoß legen und auf bessere Zeiten warten. Wir müssen nachholen, was unsere Väler und Großväter, irregeleitet von dem Danaergeschenk der Emanzipation, uns zu geben verabsäumt haben: Wissen vom Judentum und seinen unvergänglichen ethischen Werten, seiner Religion und Sprache, und Wissen von der waiiren jüdischen Situation des jüdischen Volkes und seiner Umwelt. Wir müssen fast hundert Jahre einer verfehlten Assimilationspolitik gutmachen, müssen das jüdische Volk umsehichten und es zurück' zum Judentum führen. Wir müssen in dieser stürmischen Zeit des Kampfes aller gegen alle Erez Israel aufbauen, weil das jüdische Volk in den friedlichen Jahren nach dem Ende des Weltkrieges ungeachtet aller zionistischen Mahnungen aus Hochmut oder Indolenz es nicht getan hat, obwohl uns damals niemand ernstliche Hindernisse in den Weg gelegt hätte. Volk und Religion sind nach der richtigen, in unserer Religion und Tradition verwurzelten Ansicht unzertrennliche Begriffe. Sünden gegen die Religion sind auch Sünden gegen das Volk und gegen das jüdische Land. Wer sich daher an diesem Versöhnungstage reuig beim Sündenbekenntnis an die Brust schlägt, muß auch seiner Sünden gegen sein Volk und das jüdische Land gedenken. Er muß reumütig bekennen: „Ich habe nur für mich gelebt. Ich hin dem bedrängten jüdischen Bruder nicht beigestanden. Ich habe mich als Sachwalter fremder nationaler und kultureller Interessen aufgespielt und wollte von jüdischen Dingen nichts wissen. Auch meine Schuld ist es, wenn der JLschuw in Erez Israel schwach ist, und wenn man es wagen darf, von der Teilung zu sprechen. Ich will Buße tun, denn ich habe gesündigt. Mein Platz ist bei denen, die seit vierzig Jahren für mich, für meine Kinder und für mein Volk kämpfen.“ Not lehrt beten, und ungezählte tausende Juden werden an diesem Versöhnungstage so beten. Das ist beglückend für diese .Juden und für das ganze jüdische Volk. Hier,!■: der Rückkehr zum Judentum, liegt iniM-re ewige Kraft, die uns auch hirn'iborhdfen wird über diese traurige Zeit, von diesem Versöhnungstag bis zu jenem großen Versöhnungstag. „da die Völker ihre Schwerter umschmieden werden in Pflugscharen“. Das wird dann die uns verheißene Zeit des wahren Friedens und der wahren Gerechtigkeit sein. Jedermann in Israel wird glücklich sitzen unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum — —. Professor Josef Zimbler übernimmt noch einige Schiller für Violinunterrieht und Kammermusik. IX., Hahngasse 31/7, Tel. A 12-8-28.

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