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Die Stimme · 1937-09-14 · Heft 676 (14.9.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
11 (1937-1938)
Issue
Heft 676 (14.9.1937)
Date
1937-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Salto 2 Wiea, Dienstag, 14. September 1987. — Nr. 676, I OPTIKER S (KARL SEIDNER1 II., HollandstraBe 7 §; | Fadimlnnlicher Rat 5 Reiche AutwehS % Beste Qualität Vor dem Völkerbundrat Der Völkerbundrat ist zusammengetreten. Er wird den Bericht der Mandatskommission über Palästina zu prüfen und einen Beschluß zu fassen haben, der aber voraussichtlich nichts Entgültiges festlegen wird, weil sich bekanntlich das englische Parlament seine endgültige Stellungnahme Vorbehalten hat. Die Prozedur in Genf wird die sein, daß ein Subkomitee den Bericht der Mandatskommission prüfen und dann dem Völkerbundrat Vorschläge machen wird. Inzwischen wird von Arabern und Juden alles getan, um für eine private Informierung der Mitglieder des Völkerbundrates zu sorgen. Da aber bis zu einer endgültigen Entscheidung Über die zukünftige Gestaltung Palästinas das Leben im Jischuw weitergehen muß, wäre es Sache aller ehrlichen Zionisten, ihr Hauptaugenmerk auf den Jischuw zu richten, der unter der ungeklärten Situation leidet. Zeiten wie sie der Jischuw jetzt mitmacht, ermutigen nicht gerade das private Kapital und die Folge davon ist eine wachsende Arbeitslosigkeit Anderseits aber verhindert die tatsächliche Sperre der Einwanderung von Handwerkern und Arbeitern den Ausbau und die Gründung von Werkstätten und Fabriken. Trotz der Unruhen und der politischen /gfSsä hat Mein aber die wirtschaftliche Bäsis des' Jischuw als gesund erwiesen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 1987 betrugen die Kapitalsinvestitionen 1,722.000 Pfund gegen 1,056.000 Pfund in der gleichen Periode des Vorjahres. Der Wert der importierten Waren betrug im ersten Halbjahr 1937 6,881.812 Pfund, was einer Steigerung von 1,141.870 Pfund entspricht. Der Export in dieser Periode betrug 3,624.000 Pfund, was einer Zunahme von 1,414.600 Pfund gegenüber der gleichen Periode des Jahres 1986 entspricht Seit 1. Juli 1937 ist aber infolge der politischen Unsicherheit eine Verschlechterung eingetreten. Zahlen hierüber sind einstweilen noch nicht erhältlich. Die Verschlechterung der Wirtschaftslage beeinflußt aber die politische Stellungnahme Restaurant Billet -m Bestrenommierte Küche u?: Reichhaltige Menüs i S Y90 u. 8*60 ll.,Hammerpurfstallgasse 3 (nächst Salztorbrücke) vieler Menschen im Jischuw. Es war daher sicher gut, das politische Schwergewicht von Jerusalem weg nach London zu verlegen. Die Nervosität, die aber trotzdem in den zionistischen Kreisen herrscht, ist darauf zurückzuführen, daß jeder Zionist gerne wissen möchte, was an jedem Tage hinter den Kulissen vorgeht und außerdem fürchtet, eines schönen Tages vor eine vollendete Tatsache gestellt zu werden. Bekanntlich hat der 20. Kongreß der Bildung einer Politischen Kommission zugestimmt, deren Aufgabe es ist, die Exekutive zu beraten. Die Exekutive selbst wieder ist durch die vom Kongreß angenommene Resolution verpflichtet worden, sich in ihren Verhandlungen über die zukünftige Gestaltung Palästinas nicht zu binden und der Kongreß hat sich die endgültige Entscheidung Vorbehalten Es ist nun kein unbilliges Verlangen und würde sicher zur Beruhigung der Öffentlichkeit beitragen, wenn die zionistische Exekutive für eine fallweise Informierung der Öffentlichkeit, insbesonders aber der Mitglieder des Aktionskomitees sorgen würde. Ebenso sollte mit der Einberufung des Aktionskomitees nicht bis zum Frühjahr gewartet werden. Anderseits hat die zionistische Exekutive darauf Anspruch, ein loyales Verhalten der zionistischen Öffentlichkeit ihr gegenüber zu verlangen. Das Geschrei von „Verrat" macht die Sache nicht besser, sondern schlechter, weil es Defaitismus erzeugt. Das ist die Situation an dem Tage, da der Völkerbundrat Zusammentritt, um einen vorläufigen, aber sicher wichtigen Beschluß über Palästina zu fassen. Bis zu einem endgültigen Beschluß werden noch Monate vergehen. In der Zwischenzeit muß die Exekutive alles tun, um eine Aufhebung der faktischen Einwanderungssperre und Änderung in der Palästinaverwalfcung herbeizuführen. Die Jagd onglischer Polizisten auf unschuldige jüdische Menschen gtatt auf arabische Mörder zeigt, wie notwendig eine gründliche Säuberung der englischen Beamtenschaft ist. Die erste Voraussetzung ist die Gewährleistung der Sicherheit. Wenn England sie nicht verbürgen kann, worden wir uns selbst Ordnung machen. Pie zweite, aber ebenso wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Beendigung unseres Kampfes um ein ungeteiltes Erez Israel ist die Geschlossenheit der Organisation in taktischer Hinsicht und die Opferwilligkeit jedes Zionisten. Es zeigt nicht von Verantwortungsbewußtsein, nur Programme zu verfeohten, ohne dem Jischuw zu geben, was er braucht, um durchzuhalten und sich zu stärken. Die Welt beurteilt uns nicht nach unseren Resolutionen, sondern nach unseren Leistungen in Erez Israel. Der Völkerbund würde, ohne mit der Wimper zu zucken, die zionistischen Forderungen begraben, wenn wir nicht 450.000 Menschen in Palästina hätten. Der Völkerbund muß wissen, daß wir diesen Jischuw wie unseren Augapfel hüten. Sechzehn Millionen Juden in der Welt, die ihren Willen auf Palästina konzentrieren, dae ist eine Macht, die auch die Mächte dieser Welt werden respektieren müssen, wenn sie über das Schicksal Erez Israels entscheiden. Schulschiff „Sara“ ln Palästina Jerusalem, 10. September. (JTA.) Das rste Schulschiff der jüdischen Marineschule l Civitaveechia, die „Sara I“, ist mit einer Besatzung von 44 Offizieren, Kadetten und Matrosen dieser Tage im Hafen von Haifa eingetroffen. Später lief das Schulschiff auch den Hafen von Tel-Aviv an, doch wurde der Besatzung nicht gestattet, dort an Land gehen. Das Schiff mußte nach Haifa zurückkehren; von dort begab sich die Besatzung it der Bahn nach Tel-Aviv. Im Tel-Aviver Rathaus wurden 25 Offiere und Matrosen des Schulschiffes von Bürgermeister Rokach empfangen, der sie Namen der Stadt begrüßte. Der Btirger- Allerlei au§ Erez Israel Kaufet SCHULBÜCHER neu und antiquarisch In der* BÜCHERSTUBE RATH & Co. Wien, II., Taborctraße SOa. Tel. R 45-305 h nkauf und Umtausch ant.BUchar || su höchsten Preisen. Modernn fl Leihbibliothek. Alle Neu* ■ ■ erschetnungen. Monatsgebühr H S 3*10. Keine BandgebUhr, täg- * * Hoher Umtausch oder MonatagebUhr S 1*60 und 10 g BandgebUhr. Modernes Sortiment und Antiquariat JUDAICA UND HEBRAICA Die schönsten Bsr Mlzwah-Qeschenke I meister wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung der jüdischen Schiff ah rtsunternehmungen und der Arbeit der jüdischen Matrosen hin. Er sprach sein Bedauern darüber aus, daß es diesmal nicht möglich gewesen sei, von der Regierung die Erlaubnis für das Anlegen der „Sara“ im Hafen von Tel-Aviv erlangen; er hoffe aber, daß dies beim nächsten Besuch des Schiffes in Palästina möglich sein werde. Das Schulschiff „Sara“, das vor drei Jahren für die Marineschule des Britb Trumpeldor erworben worden ist, hat jetzt zum ersten Male die palästinensischen Gewässer besucht. Es ist ein Viermaster von 750 t und mit zwei Diesel-Hilfsmotoren von je 100 Pferdekräften ausgestattet. Strategische Strafte in Nord* Palästina Einer Meldung der „El Liwa“ zufolge werden von der Palästinaregierung in Nordpalästina neue strategische Straßen gebaut, die durch das Hule-Gebiet hindurchführen sollen. Eine dieser Straßen soll von Metulla an der äußersten Nordgienze über da® Gebirge nach Safed führen. Bevölkerungsbewegung In Palästina Wie „Davar“ mitteilt, hat sich die jüdische Bevölkerung Palästinas im Jahre 5697 durch natürlichen Zuwachs und durch Einwanderung um 15.000 Seelen, die nichtjüdische dagegen um über 25.000 Seelen vermehrt. In der ersten Hälfte des abgelaufencn Jahre« betrug die Bevölkeningsvmnehrung bei den Juden durch natürlichen Zuwache und durch Einwanderung 12.604 Pensonen, dagegen stand der natürlichen Vermehrung und der Einwanderung in der zweiten Jahreshälfte eine fast ebenso starke Auswanderung gegenüber. Oer Geldumlauf in Palästina Jerusalem, 10. September. (JTA.) Der Geldumlauf in Palästina betrug Ende Juli 5,224.134 Pfund, um etwa 1000 Pfund mehr als Ende Mai. Am höchsten war der Geldumlauf im Oktober 1935 mit 7% Millionen Pfund. Er fiel dann allmählich auf 5 Millionen und steigt seit einiger Zeit wieder an. 100.000-Pftmd-Anleihe der Stadt Tel*Aviv TN-Aviv, 10. September. (JTA.) Der zwischen der Stadt Tel-Aviv und der Barclay‘s Bank geschlossene Vertrag über die Aufnahme einer Anleihe von 100.000 Pfund ist unterzeichnet worden. Die Anleihe ist Errichtung von neuen Gebäuden für Volksschulen in Tel-Aviv bestimmt. Brodetsky Aber die Vorfälle in Palästina London, 12. September. (JTA.) Der Leiter des politischen Departements der Jewish Agency in London, Prof. Selig Brodetsky, erklärte bei einem zionistischen Massenmeeting in London über die Ereignisse in Palästina: Es wird uns sehr schwer fallen, auch in Zukunft Selbstbeherrschung zu üben, wenn wir nicht die Sicherheit buben werden, daß die Regierung Jetzt — vielleicht Ist es gar schon zu spät — Schritte unternehmen wird, aus denen klar die Abeicht hervorgeht, wirklich zu regieren und nicht zu resignieren. Prof. Brodetsky gab dann eine persönliche Erklärung im Zusammenhang mit der Teilungsfrage ab. Ich möchte, sagte er, klarstellen, daß wir alle Gegner der Teilung sind. Wir alle sind überzeugt, daß jeder Versuch, das Gebiet des Jüdischen Nationalheim® zu beschneiden, einen Rückschritt gegenüber den Versprechungen bedeutet, die uns vor 15 und 20 Jahren von Großbritannien und von dem Völkerbund gemacht worden sind. Es gibt hier keine Meinungsverschiedenheit. Es ist die Frage, was man angesichts einer vollendeten politischen Situation zu tun hat. Man darf sich nicht mit der stereotypen Wiederholung von Sohlagworten begnügen. Tatsache ist, daß die Veröffentlichung des Berichtes der Königlichen Kommission, die Reden Lord Peels im Rundfunk und im Oberhaus, das Statement of Policy der Regierung, die Reden der Regierungsvertreter in beiden Häusern und die Erklärungen der Regierung vor der Permanenten Mandatskommission die Situation hinsichtlich Palästinas so gründlich geändert haben, daß wir nun vor ein» Lage stehen, der wir mit ganz neuen Methoden zu begegnen haben. Der Kongreß hat, indem er die bekannte Mehrheiteresolution annahm, nichts anderes getan, als der Exekutive gesagt: Gehe bin und stelle fest, was die britische Regierung mit der Teilung will. Wir haben da6 volle Recht und die Pflicht zu sagen: Sagt uns, was ihr plant: und wir haben weiter die Pflicht, England zu sagen, daß falls der endgültige Plan dem im Peel-Bericht enthaltenen gleichen sollte, wheine Antwort für überflüssig halten werden. Der Bericht der Mandatskommission Der vollständige Bericht, den die Permanente Mandatskommission dem am 10. September zusammentretenden Völkerbundrat über ihre letzte außerordentliche Palästinatagung vorlegt, ist nun veröffentlicht worden. Bel dar Erörterung der Unruhen weiet der Bericht der Mandatskommission darauf hin, daß die zahllosen Angriffe auf jüdische Siedlungen der Gesamtbevölkerung schweren Schaden zugefügt haben. Diese Revolte sei von Elementen außerhalb des Landes weitgehend unterstützt worden. Die Angriffe seien durchwegs von Arabern ausgeführt worden. Die Juden hätten Gewaltakte nur in Notwehr beg Leiters wird in dem Bericht betont, daß der Leitgedanke bei den arabischen Unruhen der war, die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims zu verhindern und die jüdische Einwanderung zum Stillstand zu bringen. Somit seiest die Unruhen hauptsächlich gegen das Palästinamandat gerichtet gewesen. Nach der Feststellung, daß schon Mitte Juni 1936 erhebliche militärische Verstärkungen aus Malta und Ägypten in Palästina eingetroffen sind, fragt die Mandatskommission, warum es nicht möglich gewesen sei, schon damals das Kriegsrecht zu verhängen, statt damit bis 30. September zu warten. Die Wehrfähigkeit der Juden Palästinas. Der Kommissionsbericht erwähnt auch das Lob, mit dem Kolonienminlster William Ormsby-Gore über die von den Juden bei den Unruhen bewiesene Zurückhaltung gesprochen hat. Der Minister habe dabei betont, daß die Juden im Falle der Durchführung des Teilungsplanes imstande sein würden, sich gegen einen etwaigen arabischen Angriff selbst zu weh- BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- Zünder) erhältlich bei; Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VH., Zollergasse 5. Tel. B 38-402. ren. Wir können nicht leugnen, sagte der Minister, und wir sehen keinen Anlaß, es zu leugnen, daß die Juden selbst bereits eine, wie ich glaube, nach europäischem Sprachgebrauch sogenannte „halbmilitärische Organisation“, die Hagana, geschaffen haben. Sie haben jetzt eine große Zahl ihrer jungen Leute organisiert. Außerdem haben viele von ihnen Waffen, die auf irgendeinem Wege in das Land gebracht wurden, und sobald die Juden ihren eigenen Staat haben werden, werden sie natürlich sehr gute Waffen haben. Gegen Einschränkung der Einwanderung. Zur Frage der jüdischen Einwanderung bemerkt der Bericht, daß fast alle Mitglieder der Mandatskommission sich gegen jede Einschränkung der jüdischen Einwanderung ausgesprochen haben. Die Kommission weist darauf hin, daß die geplante Begrenzung der jüdischen Einwanderung auf 8000 für die nächsten acht Monate eine Verletzung des Mandates darstellt, da sie im Widerspruch zu dem vom Völkerbundrat für die Regelung der Einwanderung angenommenen Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit steht. OraubyGores Standpunkt Dae Protokoll der Tagung der Mandatskommission enthält ferner die Erklärungen, die Kolonienminieter Ormsby-Gore im Verlaufe der Tagung zu Einzelheiten des TeUungsplanes der Königlichen Kommission abgegeben hat. Wir haben, so sagte er, ebensoviel Sympathie für die humanitäre Aufgabe, eine Lösung für die Judenfrage in Mitteleuropa zu finden, den Juden aus ihrer Not zu helfen, wie irgend ein anderes Land io der PENSION K^-M Welt. Zweifellos waren es andere Gründe, aus denen wir ursprünglich für den Zionismus eintraten. Er wurde nicht als ein Flttehtlingsprobiem, sondern als ein geistige« Problem aufgefaßt. Auch die Anhängerschaft Balfouns an den Zionismus entsprang dem Glauben, daß es einen echten konstruktiven Wert für die Welt haben würde, wenn es den Juden ermöglicht wird, ihre Kultur in Palästina < aufe neue aufzubauen, und daß die Juden in ihrer alten Heimat wieder, wie in der Vergangenheit, bedeutende geistige Kräfte hervorbringen und ausstrahlen würden. Das war es, was dae britische Volk aogezogen hat.

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