Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 2 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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gehen vor Gott werdet ihr gereinigt werden". Vergehen zwischen Mensch und Gott sühnt der JoM-hakippurim. Vergehen zwischen Mensch und Mensch sühnt der Jomhakippurim nicht, bis der Mensch verziehen hat. Sagt Rabbi Bkiba: „Heil euch Jisrael; vor wem werdet ihr gereinigt und wer reinigt euch? Euer Vater im Himmel; denn es steht geschrieben: „Und ich will auf euch sprengen reine Wasser und cnch reinigen von allen euren Unreinheiten und» von all euren Verfehlungen will ich euch reinigen". Und weiter steht: „Mikweh Jisrael ist Gott. Wie.die Quelle die Unreinen, so reinigt der Heilige, gepriesen fcu sein Name, Jisrael." IV Erzählt Nabbi Schimon ben Gamliel: ES . gab keine so schönen Tage für Jisrael wie der 15 Aw und der Jom-hakippurim, denn an diesen Tagen zogen die Töchter Jisraels auS Ln weißen, geborgten Kleidern, um nicht zu beschämen, wer keine besaß. Und die Töchter JiSrael ziehen heraus und tanzen in den Weinbergen. Und was sagte sie dabei? „Jüngling, erhebe doch deine Angen und sieh: Wen Mhlst du dir? Wende nicht dein Auge auf Schönheit, wende es nicht auf Familie; Lüge ist die Anmut und nichtig die Schönheit; die gottesfürchtige Frau, sie wird gepriesen." Lehren unsere Weisen: die Schönen unter ihnen, was sagte sie? „Wendet ener Auge auf die Schönheit, denn die Frau ist nur da, um schön zu sein!" Die Angesehenen unter ihnen, was sagten sie? „Wendet eure Augen auf die Familie, denn die Frau ist nur für die.Kinder da." Die Neichen unter ihnen, was sagten sie? „Wendet eure Augen ans die Wohlhabenden". Die Mittelmäßigen und Armen unter ihnen, was sagte,! sie? „Nehmt, was ihr nehmt nm des. Himmelswillen, nachhermögt ihr unser Ansehen vermehren". Uebersetzt von Isaak Broszyner, Karlsruhe Mio das Aid auf die Mett kam E i n T r a u m Des Abends, als ich durch die Stadt ging, sah »ich das Leid schreiten in den. Straßen. Soldaten zogen vorbei und es lachte müde der Reihe nach. Kinder, bleiche, hungernde .Kinder liefen von Hans zu Hans und es schlich hinter ihnen her. Das große Leid in den Straßen der Stadt steckte in allem und jedem, was ich an diesem Abend sah. Und in der Nacht kam c8 zu mir ins Zimmer, mit bleichen Lippen und grauem Haar. Und es trat an mein Bett und seine Finger berührten meine Stirne. Da stand ich auf und folgte ihm. Wir gingen lange durch die dunklen Gassen und begegneten keiner Menschenseele. Alle die Straßen kannte und liebte ich; doch heute waren sie mir fremd und kalt. Da8 Leid an meiner Seite führte mich zu jenem Berge, der sich hinter der Stadt erhebt, die schön und heiter zu seinen Füßen liegt. Da sagte das Leid: „Jetzt sollst Du wählen." Ich verstand nicht den Sinn dieser Worte, doch ging ich stumm weiter. Mit einem Male standen wir oben, auf des Berges schönster Stelle, wo man weit hineinblicken kann in daS Land, so daß die ganze, große Stadt zu sehen ist. Jetzt aber mochte ich nicht Hinblicken, denn alles dort unten war mir fremd geworden. Grau war alles, alles was ich sah. Grau der Himmel, grau die Wolken, gram