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Blau-Weiss-Blätter · 1918-09-01 · 2 (9.1918) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
2 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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waren, erforderten Verarbeitung und Verwertung in unserer Arbeit. So gingen wir auseinander in dem Gefühl, Großes erlebt, neue Kraft empfangen zu haben, in frischem Arbeitsmut und froher Begeisterung für unser Ziel. — Versteht jetzt vielleicht, wer nicht dabei war, auch das Besondere und Auszeichnende dieses Bundestages? Berlin WernerRosolio Nachtfahrt Rattatatt, rattatatt machen die Näder. Behaglich dehne ich mich auf der Bank, den weichen Rucksack unter dem Kopfe. Es geht auf Nachtfahrt. Trübe flimmert das Licht im Abteil. In Nikolassee steigen Leute ein. ich setze mich aufrecht hin und sehe zum Fenster hinaus Gespenstisch fliegt das Licht des Zuger über die Kiefernstämme, die am Bahndamm stehen. Endlich quietschen die Bremsen, der Zug hält in Nenbabelsberg. Schnell den Rucksack umgeworfen und auf den Bahnsteig hinaus. Ein scharfer Wind bläst, mich fröstelt nach der Fahrt im warmen Abteil. Frisch gehe ich drauf los; der Helle Bahnhof verschwindet im Dunkel der Nacht zwischen den Bäumen. Tiefe Stille umgibt mich. Meine Schritte sind unhörbar auf dem weichen, mit Nadeln bedeckten Boden. Ich komme an einen Bahndamm und laufe die Schienen .entlang. Der Nächtliche! nimmt zu. Leise rauscht der Wind in bcn Bäumen. Links verschwimmt ein Kornfeld im Dunst, vor mir schimmern die Lichter der Station Drewitz grün und rot. Ihnen strebe ich zu durch den Nebel, den grauen, dichten Nebel. Jetzt tauchen rote Dächer aus der Masse. Ich habe die Station erreicht und klettere von den Schienen auf die Landstraße. Der Bahnsteig ist menschenleer, nur die vorgeschriebencn Lichter brennen am Bahnhof. Meine Schritte knirschen auf dem Sande der Straße. Die Bäume zu Leiden Seiten stehen als schwarze Schatten auf dunklem Grund. Leise und eintönig rauschen die Blätter. Mir ist warm geworden vom schnellen Gehen. Ich bleibe stehen und lasse mir den kühlen Wind um die Stirn fächeln. Dann blicke ich um mich. Ueberall Nebel und wieder Nebel, hinter mir die Lichter der Fabrik. Rechts und links hinter einer Mauer von Dunst ragt hochstämmiger Wald. Ich gehe weiter. Plötzlich immer näher ein Schnaufen und Rasseln: Ein Zug. Das Geräusch wird schrvächcr und verliert sich ganz in der Ferne. — In tiefen Zügen atme ich die frische Nachtlnft. Weit ab heult ein Derfkötcr. Ein zweiter antwortet in langen, klagimdeu Tönen. Plötzlich wieder Stille. Mittlerweile taucht eine der Drewitzcr Windmühlen auf und streckt ihre Arme beschwörend gen Himmeü Unwillkürlich folge ich dieser Richtung mit den Augen. Weiße Wolkenfetzen jagen über das Firmament. Ab und zu blickt ein Stern hervor. Die erster: Häuser von Drewitz tauchen auf, wie Gespenster huschen sie an mir vorbei und verschwinden. Aus manchen Zimmern fällt Licht auf die Straße. Es dauert nicht lange, so bin ich am Heim. Friedlich urrd schlafend liegt es da. Leise trete ich ein. „ Schalom", seid ihr noch wach?" Mn gedämpftes „Ja" antwortet. Nun lege ich mich auch Nieder und es dauert nicht langeso schlafen wir alle dem Morgen entgegen. Berlin Walter Fraenkel

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