Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 2 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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zu uns gehören, übernommen hätten, gebiete nnS auch hier helfend und ratend ein» zugreifen.' Grete Eckstein behandelte die Frage der Heirat und der Uebersiedlung. nach Palästina. Für die Jungen werde altes getan, um ihnen die Bernfsvorbereitnng und die Uebersiedlung zu ermöglichen. Werm man aber bedenke, daß die Siedlung in Erez Israel fast daran gescheitert sei, daß die Kolonistenfran gefehlt habe oder nur ungenügend vorgebildct gewesen sei, so ergäbe sich unsere Aufgabe: von selbst, unsere Sorgfalt, unsere geistige wie materielle Unterstützung der Lösung dieser „Frauenfrage" zu widmen. Die weitere Beratung galt der alten Frage, die unfern Bund tief erschüttert^ jenem Gegensatz der jeden einzelnen berührt, — der Auseinandersetzung über Blau- Weiß und Orthodoxie. Ich übergehe Einzelheiten. Jeder, der etwas zu sagen hatte, bemühte sich feinen Standpunkt in aller Schärfe, mit der äußersten Konsequenz darzutun. Die Stimmung war die, aus der die Entscheidung geboren wird. Im Namen der Gesetzestreuen referierte Meta Moch-Mnnchen. Sie hatte zu tadeln und zu fordern. Weiller-Straßburg verlangte klare Stellungnahme der Bundesleitung, Festlegung des Bundes und der Einzelnen auf eine vorgelegte Entschließung. Walter Moses antwortete. Er legte dar, daß die jüdische Renaissance eine ueue Knlturepoche im Leben des Volkes bedeute. Alle sogenannten „vositiven" Strö-' mungen im Judentum seit der Enranzipation hätten nur' zu seiner immer weiteren Zersetzung geführt. An keilte von ihllen könne angekuüpft werden. Für uns stände über allem der nationale Glaube an unser Volk, lieber, ihn könne es kein Zuge-- ställdltis, kein Kompromiß geben. — In der Diskussion ftaubeu die Gegensätze gegeneinander auf und die Srannung stieg aufs höchste als die entscheidende Frage fiel, ob die gesetzestreuen Führer weiter führen sollten. Doch gerade an ihr entzündete sich der einheitliche Geist, der uns alle beseelt, um stark wie nie uns ins- Bewußtsein zu treten. Ferdinand Ostertag gab dem Ansdruck. lieber alle Streitfragen, sagte er, gehe uns das Ideal der gemeinsamen Arbeit, stärker als alles' sonst sei unser Blau-Weißgeist. Wir vermögen il)n nicht zu nennen, aber wir * tragen ihn alle im Herzen, er sei die einzige Nichtschnur unseres Handelns, er sei uns Gruttdlage und Rahmen nuferer Lebensanschauung. Dieser Geist in seiner Größe hat Raum für jede Auseiitandersetzung, für jeden Gegensatz, aber' seine sieghafte Kraft bezwingt jeden Widerstand. — Er hatte uns allen ans tiefstem Herzen gesprochen. Und als doch Weiller-Straßburg erklärte gehen zu müssen, erhob sich Anni Fränkel-München und sagte nichts als die Worte: „Wir bleiben." Da tönte der Jubel; es war wie eine Befreiung. Die Entscheidung war gefallen. Es war schorr spät, als wir unter dem Eindruck eines großen Erlebnisses den Saal verließen und niemand faßte besser, was wir empfanden, in Worte, als eine orthodoxe Führerin, die sagte: „Man muß Gott danken, Blau-Weiße sein zu dürfen." Und so schieden wir tu dem Gefühl unserer gemeinsamen Sache: Eine Arbeit, eine Gemeinschaft, ein Volk und wer nicht für uns, der ist wider uns! — Was konnte jetzt noch für UltS kommen'- Die Wettspiele wurden zu Ende geführt und ergaben nach scharfen Kämpfen, daß zum ersten Male, andere Bünde fähig gewesen waren, die Ueberlegenheit Berlins zunichte zu machen. Die Nacht am Feuer brachte uns ein Wettstngen mit vielen schönen Chor-- ultd Einzelleistungen, die rechte Stimmung aber fehlte. Genug des Erlebens, das feinen höchsten Ausdruck schon gefunden hatte. Die Gedanken, die m uns geweckt