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Blau-Weiss-Blätter · 1918-09-01 · 2 (9.1918) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
2 (9.1918)
Date
1918-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sein, die besseren Menschen zu sein oder ans Abscheu vor den anderen uns nun gänzlich abschließen und ein traumhaft-ideales Leben führen nnr mit Menschen unseres Kreises, sondern wir wollen uns überall uns selbst treu bleiben. Daun erst zeigt es sich, wessen Blau-Weißtmn fest verankert ist, wer ein Mann ist und wer eine Memme, wenn es gilt, in jener gemeinen, verlogenen Gesellschaft aufrecht dazustehen. In der Schule, im Beruf, im Dienst, überall mutz mall uns auch ohne die Nadel als Blau-Weiße empfinden, muß zn sagen gezwungen sein: d i e sind wahrer, stärker, echter als die anderen, das sind wohl Blau-Weiße! Ja, wenn unsere Straft schon gestählt ist, müssen wir bewußt Sturm laufen gegen alle Heuchelei, gegen alle Feigheit, gegen alle Knechtung, wo immer wir ihr begegnen. Wie Elias müssen wir die Baalspriester mit Stumpf und Stiel ausrotten. — . Innerhalb unserer engeren Gemeinschaft aber suchen wir Brüder, die uns helfen, alles Schlechte, das noch in uns selbst steckt, auszntilgen. Nlld wir haben erkannt: Es gibt eine köstliche Himmelsgabe, die es uns ermöglicht, wieder wir selbst zn werden. Das ist die Fähigkeit des Menschen zur Hingabe an Ueberpersönliches. Nicht w i r sind uns Ziel, sondern die Sache, wieimmer sie heißen möge. Ich meine hier nicht die Hingabe an die eigentlich großen Ideenvon der man soviel spricht und mit der so ohne weiteres noch herzlich wenig getan ist, sondern die Fähigkeit des Menschen, in jeder Sache ganz aufzugehen, sich ganz hinzugeben au ein Ding, etwa sich restlos in den kleinsten unscheinbarsten Lebensvorgang zu versenken, ganz in der Anschauung des Lebens im Wassertümpel oder der Kampfmethoden einer Ameise aufzugehen. Aber ich meine auch ebenso — und das wird zuerst vielleicht lächerlich erscheinen — den sachlichen Eifer, mit dem man einen Kochtopf reinigt.. Wendet mir nicht ein: das sei etwas sehr unwichtiges und man könne dabei nicht dasselbe Maß von sachlicher Hingabe verlangen, wie wenn einer auszöge, um ein Volk zu befreien oder ein Königreich zu erobern. Ich sage: Im Grunde genommen ist es genau so wichtig, daß der Kochtopf gereinigt wie daß das Königreich erobert wird. Vom Standpunkt des großen Weltlebens aus ist der Unterschied zwischen beiden Geschehnissen sehr gering, gleich Null. Von der Erde aus gesehen ist die ungeheure Sonne nicht größer als der kleine Mond. Und um dieser letzten, ewigen Gleichheit willen verlangt beides- Kochtopf und Königreich dieselbe Stärke der Hingabe. Geschähe eines von beiden nicht, eine Lücke wäre im großen Weltgeschehen. Restlose Hingabe an jedes Ding, das auf unserem Wege liegt, jene Liebe zum Kleinsten, zn Pflanze und Tier, zu Volkslied und Spiel, jene Dinglichkeit, die nichts unbeachtet läßt, was da ist und alles ganz tut, was getan werden muß. Du, o große heilige Sachlichkeit, Du bist die Macht, die uns Menschen wahrer ««& stärker macht, die uns erst befähigt am Bau der neuen Gemeinschaft mitzuschaffen. Wenn wir so unser ganzes Leben mit Sachlichkeit durchdringen, mit dem Bewußtsein der großen Bedeutung, die schließlich jedem Handgriff innewohrü, vom Rncksackpacken angefangen, dann werden wir echte Blau-Weiße sein. Dann werden wir aus Falschen Wahre, aus Knechten Freie, aus Schwachen Starke. Dann schaffen wir unser Werk. Glogau - Ferdinand Ostertag 36

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