Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 2 (9.1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Und entsprechend dem Kommen und Gehen in »mseren Reihe» und entsprechend dem Wandel, der sich mit jedem von unS vollzieht, wird um Sinn und Ziel des Blau-Weiß stets von neuem gerungen; um das Woher, das Wohin und den Weg. Das Woher: Wir tragen «S alle noch in uns: Es ist ein großes hartes Rein. Ein heiliges dreifaches Nein. Ein Nein, das wir der verlogenen bürgerlichen Gesellschaft »in uns entgcgenschleudern. Der Gesellschaft im Allgemeinen und der jüdischen Gesellschaft im Besonderen. Auf Schein, auf Kompromissen, auf Halbheiten, ja auf verbrecherischen Trieben ist ihr Leben aufgebant und nur wenige Einsame ragen hervor, Insel» im Meere. Man redet sich ein, sehr hoch zu stehen und ist doch so tief gesunken. Die Zivilisation ist ihnen zum Fallstrick geworden. Wir wissen es zwar, aber «s tut not, sich auf de» unüberbrückbaren Gegensatz, der uns von jenen trennt, von Zeit zu Zeit erneut zu besinnen. Was ist ihres Daseins Sinn und Ziel'i Ihr Maßstab ist die Zahl, das Meßbare, Wägbare, ihr Ziel das Geld und der erkaufte Genuß. Sie wolle» genießen statt zu schaffen. Ja, man hat sich nicht entblödet, die scheußliche Wortverbindung von «geistigen Genüssen" zu prägen, als ob Geist und Genuß je eine Einheit ringehen könnten. Ihre „Sitte" ist im Grunde genommen nichts weiter als ein Kompromiß, den man untereinander geschlossen hat, um sich Straffreiheit für die eigenen Verbrechen zu erkaufen. Sie fühlen da „Verpflichtungen", wo «S gar keine Pflichten gibt, aber wo es zu helfen gilt, wo einer beim anderen stehen müßte, da bekämpfen sie einander, da beten sie jenes Götzenbild, ieucu Baal au, den sie so heuchlerisch de» „Kampf umS Dasein" nennen. Diesen Kampf, den sie, Vorgänge innerhalb der Natur mißverstehend, zu einem Kampf zur Verklärung ihrer Brüder gemacht habe», den sie sich zur Anbetung auserwählt habe», um ihrer Menscheilpflicht untreu zu werden. Zu dieser ganzen Ordnung sagen wir: nein! Wir sind jung, das ist das Köstlichste, das wir ihr entgegenznhalte» haben. Unser Recht zum Neinsageu stammt ans unserem Gewissen und unsere Kraft, Widerstände zu brechen aus unserer Jugendlichkeit. Wir kehre» zurück zur Urmutter alles menschlichen Lebens, zur Natur. Schön äußerlich wollen wir uns von de» anderen unterscheiden uiib nicht nur ans ZweckmäßigkeitSgründen tragen wir unsere Wanderkluft, nein, auch die Freude die ander» vor den Kopf zu stoße», reizt uns. In uns lebt ein anderer Geist. Wir wollen eine neue Gemeinschaft. Wir wollen als Menschen und als Juden, und das ist uns ein und dasselbe, ein Leben führen, daS wir verantworte» können vor de» vergangene» Geschlechtern, vor uns selbst und den Kommenden. Nicht die Sitte ist unser Richter, sondern jeder trage seinen Richter in sich selbst. Wir wöllen Freie sein, innerlich und äußerlich Freie. Freie Mensche», freie Juden. Wir wollen eine neue Menschheit, aufgebaut auf Freiheit und Gewissen, und wir fange» damit an, sie bei uns zu schaffen, jeder, bei sich selbst, in seinem engsten Kreise, in unserer Mitte. Wir wollen ein« jüdische Welt, würdig der schöpferischen Vergangenheit unseres Volkes. Stark und voll sittlicher Größe. Darum sei fern von Uns jene bequeme Naturromantik, die man uns so gern andichten möchte. Wir wollen nicht Ideale im edlen Busen hegen, um diese an Sonn- und Feiertagen, auf Fahrten und bei Bundesfestrn hervorzuholen und liebevoll zu begrüßest, wir dürfen auch nicht im Bewußt-