Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 1 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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wöhulich die Farm bewachen mußten, beschlossen wir, eine paarweise Wacht aller Arbeiter einzurichten. Alle zwei Stunden ein neues Paar und so vom Anfang der Nacht bis zum Ausgang des Morgensterns. Wir lagen in den Kleidern in dem großen Getreidespeicher neben der Mühle das Gewehr neben uns, und jedes Paar ging zu seiner Zeit hinaus und legte sich auf die Lauer zwischen die dichten Kakteen und Felsenspalten, um die übrigen zu Hilfe zu rufen, wenn es nötig wäre. Es war Winter und ein schrecklicher Sturm, wie schon lange keiner gewesen war, brauste seit einer Woche über das ganze Land. In den Kolonien von Judäa schüttelte der Sturm fast alle Pomeranzen von den Bäumen und brachte den Pflanzungen sehr großen Schaden. Bei uns in Sedschera fiel noch dazu «in großer Regen. Es war so finster, daß man nicht erkennen konnte, was in der Umgebung vorgtng. Al» ich mit meinem Begleiter auf die Wacht ging, mußten wir uns bet den Händen halten, Bäume, Felsen, Häuser — alles war in der schwarzen nächtlichen Finsternis versunken, nicht einmal miteinander sprechen konnten wir, unsere Stimme ging im Sturm unter, der die ganze Nacht ununterbrochen hetilte. Es schien, als ob auch die Natur sich mit unseren Feinden verbündet hätte und uns auf die Probe stellen wollte . . . Das dauerte zwei Wochen, bis die Raubanfälle aushörten. Die Araber sahen ein, daß sie uns damit auf keine Weife schrecken und von der Wacht vertreiben könnten, und zogen sich zurück. Aus der ersten Probe waren wir siegreich hervorgegangen. Nachdem wir die Wacht in Farm und Kolonie „erobert" hatten, wurde es uns nicht sehr schwer, die stärkste und gefährlichste Festung zu nehmen: die „Rabije." Die „Rabije" beginnt in der zweiten Hälfte der Regenzeit, im Schwat oder Adar. Der „Joreh" (Sprühregen) hebt an und die Erde, die in den sieben heißen Sommermonaten so hart geworden ist, trinkt durstig den ersten Regen. Der Kolonist geht zur Arbeit hinaus, er ackert und sät in die aufgelockerte feuchte Erde. Die Felder kleiden sich in Grün, das Gras beginnt zu sprossen. Und vor dem „Melkosch" (Spätregen), wenn die Weidepl tze im Wald fest genug sind — was Mitte Schwat der Fall zu fein pflegt — beginnt die Nachtweide oder „Rabije." Man führt die Pferde und Maultiere nach der Arbeit nicht in den Stall, sondern nimmt die ganze Herde, Ochsen, Maultiere, Pferde und Esel zusammen auf die Scheune und bringt sie von dort auf die Weiden. Die Nachtweide