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Blau-Weiss-Blätter · 1918-06-01 · 1 (6.1918) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
1 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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kann mit der Tagweide nicht verglichen werden. Es genügt nicht, daß ein oder zwei Hirten die Herde bei Nacht hüten, hier in den Berge» darf man die Herde in der finsteren Nacht nicht sich selbst überlaffen. Eine Schar gut bewaffneter Reiter und Fußgänger begleitet sie. Sie verbreiten sich über da« Tal, horchen gut auf jedes noch so leise Geräusch in der Lust, bereit, ungerufeue Gäste jederzeit abzuwehren ... Viel schwieriger und gefährlicher als die Wacht in der Kolonie gestaltet sich die Bewachung der Herde im Wald. In der Kolonie hat der Wächter lauter treue Helfer: eiserne Schlösser in den Ställen und eine steinerne Mauer um die Häuser herum. Ein Fremder wagt nicht so bald nach Sonnenuntergang hereinzukommen. Alles ist verschlossen und verriegelt. Hört der Wächter auch nur ein leises Geräusch draußen, braucht er nur einmal zu schießen oder mit seiner Pfeife ein Signal zu geben — und Die ganze Kolonie ist bei ihm. Die Weide aber liegt weit vom Dorf. Der Weg ist offen, ohne Mauer und Schlöffer. Die Pferde laufen frei, ohne Zaum, herum, tief in den Wald hinein — für die Räuberbanden eine gute Gelegenheit, ihre Arbeit zu tun. Es gibt da viele Pfade, die weit weg nach irgend einem Versteck in den Bergen führen, und es ist eine Kleinigkeit, hier zu rauben und mit dem Raub zu entkommen, kein Mensch weiß, wohin. Auch die „Rabije" in die Hände zu bekommen — das war die dritte Arbeit jenes Winters. Und die „Rabije" brachte der jüdischen Wacht den ersten blutigen Zusammenstoß. * * * Unter den jüdischen Hirten befand sich auch Berl Schweiger, der ein paar Wochen vorher nach Sedschera gekommen war. Die Kameraden kannten ihn schon von Judäa her gut. Ja der kurzen Zeit, die er in Sedschera arbeitete, war er auch unter den Kolonisten schon seines Helden-» mutes und seiner Unerschrockenheit wegen bekannt geworden. Er gewann auch das Vertrauen des Administrators, der ihm das schwerste und verantwortungsvollste Amt übergab. Wie vorher in der Wacht, so waren bisher auch in der „Rabije" die Tscherkeffen die einzigen Herrscher gewesen, und es verdroß sie sehr, daß die Juden nun auch die „Rabije." an sich reißen wollten. Sie sahen darin eine Beleidigung — eine Beleidigung ihres Stolze» und ihrer Würde. Was, die „Kinder de» Todes" wollte« mit ihnen, den Tscherkeffenhelden zusammen auf die Nachtweide gehen? Vor allem kränkte den jungen Hassan, den Sohn des Tscherkeffen-Scheichs, 22 -

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