Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 1 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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dem Besitzer eine sehr große Geldsumme ab. Dabei geben Ile als Grund, weswegen sie Geld nehmen, an, sie müßten dem Dieb für das wiedergegebene Diebesgut einen Preis zahlen. Meistens veranlassen sie selbst die Diebstähle, um nachher daran zu verdienen. So benahm sich auch unser Tscherkeffe. Anstatt die ganze Nacht hinter der Mauer in der Dunkelheit umherzugehen, ging er lieber ins arabische Dorf Sedschera, die Nacht mit Zechgesellen zu verbringen. Wir machten den Verwalter darauf aufmerksam, wie untreu der Tscherkeffe und wie falsch und für uns schädlich dieses Wachtsystem wäre. Er hörte nicht auf uns. Darauf beschlossen wir, ihn durch Tatsachen zu überzeugen. In einer finsteren Nacht nahm man die besten Maultiere aus der Farm weg. Wir benachrichtigten sofort den Verwalter von dem Diebstahl. Er lief gleich nach dem Stall: kein Mauktier da. Er pfiff dem Wächter — ein Pfiff, ein zweiter, ein dritter, niemand kommt. Darauf er hinaus/ die Mauer entlang gegangen, viel» leicht ist der Tscherkeffe.eingeschlafen, aber niemand ist da. Sofort schickte er ins arabische Dorf ihn zu suchen, wo man ihn tatsächlich schlafend fand. Der Verwalter entließ ihn und übertrug die Wacht an seiner Stelle Z. B., einem unserer Kameraden. Die erste Festung war genommen. * * * Wir wußten, daß der Tscherkeffe da« nicht ruhig hinnehmen würde. Und wirklich: als der Verwalter nach ein paar Nächten morgens aufftand, entdeckte er, daß die Fensterscheiben in seinem Haus eingeschlagen waren und in der Wand seines Zimmer» ein paar Gewehrkugeln steckten, obwohl beide Wächter nicht« gehört hatten. Die Nacht war finster gewesen, draußen hatte ein großer Sturm getobt, heftiger Regen war gefallen und der Knall der Schüffe war in der stürmischen Nacht untergegangen. Die Ueberfallenden hatten die jüdischen Wächter erschrecken wollen. Bis damals pflegten die Araber die Juden mit dem Beinamen „W'lad il iE, „Kinder des Todes", zu nennen, das heißt: zitternde und weichherzige Angstmeier; und sie hatten damals recht. Die Juden, die die Araber kannten und vor sich sahen, verdienten in der Tat diesen Zunamen. Und so meinten die Banditen auch diesmal, sie hätten es mit „Kindern des Todes" zu tun und brauchten die neuen Wächter nur ein paarmal zu bedrohen, damit sie von selber die Wacht verließen. Diesmal aber irrten sie sich. Sofort nach dieser Nacht organisierten wir un« gut für die Wacht. Außer dem ständigen Wächter und dem Kameraden, den man ihm vorher zur Seite gegeben hatte, die wie ge- 20