Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 1 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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wir. Im Prinzip gab er uns recht, aber es fehlte ihm der Mut, das Prinzip im Leben anzuwenden. Die Wächter der Kolonie waren damals , Tfcherkessen, unsere Nachbarn au» Kfar Kana. Die Tfcherkessen nehmen einen besonderen Platz unter der palästinenssschen Bevölkerung ein. Die türkische Regierung, die sie eingeladen hat au» dem Kaukasus-und Bulgarien herzukonunen und hier im Lande sich niederzulaffen, steht in sehr freundlichen Beziehungen zu ihnen. Ihre Scheich» bekommen hohe militärische Stellen und besitzen in der Lokalverwaltung große Macht. Ihr Ansehen beruht aber nicht nur auf diesen Sympathien der Regierung, sondern auch auf ihren eigenen Vorzügen und Fähigkeiten. Die Tfcherkessen besitzen heldenhaften Mut und große Arbeitslust, außerdem ist ihre wirtschaftliche Lage gut und gesichert. Sie sind sehr kriegstüchtig und ihr Name klingt durchs ganze Land. Kein Fellache, kein Beduine hat den Mut, einen Tfcherkessen anzurühren. „Es gibt nichts Größeres als einen Tfcherkessen", sagt der Fellah. Ihre Hauptwohnorte sind das Ostjordanland, die Gegend um Konitra, und Untergaliläa. Zwischen Sedschera und Jemma besitzen sie ein großes Dorf Namen« Kfar-Kana. Mit den jüdischen Kolonien der Gegend leben sie in Frieden. Zu jener Zeit lag die ganze Wacht der galiläischen Kolonien in ihren Händen. Sie bewachten auch die Farm, den Wald und die Felder von Sedschera, und der Verwalter wagte nicht, sie zu entlassen und jüdische Wächter anzustellen. * * * Es war uns klar, daß wir die Festung der fremden Wacht nicht mit einem Male einnehmen würden. Man würde langsam Schritt für Schritt einen Kamps um jede einzelne Position führen müssen. Wir beschlossen, gerade aus der Farm anzufangen. Während einiger Nächte beobachteten wir, daß der Wächter nicht auf seinen Posten kam, er verließ sich auf seinen gefürchteten Namen allein. Das ist so die Gewohnheit der arabischen Wächter, die ihrer Kraft und Rauflust wegen berühmt sind, — als Wächter1 nimmt man immer die größten und berüchtigsten Räuber und Mörder, die die Gegend kennt. Dabet verläßt man sich darauf, daß schon allein die Nachricht, sie hätten die Wacht übernommen, von Diebereien abhallen würde. Und selbst wenn einmal etwas gestohlen wird, können sie es mit Leichtigkeit durch ihre ausgebreitete Bekanntschaft ausfindig machen und dem Eigentümer zurückerstatten, natürlich nicht ohne einen ansehnlichen Backschtsch seinerseits. Zwar sind die Wächter verantwortlich für alle Diebstähle, aber dennoch nehmen sie für die Zurückgabe