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Blau-Weiss-Blätter · 1918-06-01 · 1 (6.1918) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
1 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
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des Jordan gegen Osten, erblickt man, in hellblaue Wolken eingehüllt, die Berge von Gilead und Basan — brausende Meereswellen, die sich bis zum Himmel erhoben haben, plötzlich erstarrten und so stehengeblieben sind . . . Gegen Westen, an der Grenze der Kolonie, liegen die grünlichen Berge von Nazareth, im Norden erhebt sich hoch über alle der alte graue Hermon-Riese mit seinen, schneeweißen Locken und sieht stolz auf ganz Galiläa hinab, vom untersten Unter- bis zum obersten Ober-Galiläa, und im Süden erhebt sich der schöne, runde Tabor in seiner Einsamkeit, der ewige Hüter der Ebene Jesreel. Das Dorf selbst liegt auf einem Berg, rücken, die beiden Reihen eng beieinander stehender, Häuser, von Eukalyptus- und Pfefferbäumen umgeben, sehen von weitem aus wie Treppenstufen, die auf den Berg führen. Oben, auf dem Gipfel, liegt die Farm. Aber nicht nur durch seine Natur — auch durch seine Siedler zeichnete sich Sedschera aus. Seine ziemlich geringe Einwohnerzahl war vielfarbig und vielsprachig. Unter den 50 Kolonisten und Arbeitern befanden sich Juden aus Kurdistan, große, gesunde, breitschultrige Juden, verbauert wie ihre kurdischen Nachbarn, dürre, magere Jemeniten, im Hebräischsprechen und traditionellen „Lernen" hervorragend bewandert, russische junge Leute, an Haskala und Revolution herangewachsen, auch landesbürtige aschkenasische Jünglinge, die die Jeschiwoth von Safed und Tiberias verlassen hatten und hierher gekommen waren zu ackern und zu pflügen, sefärdische, in den Schulen der Alliance erzogene junge Leute, und „Gerim", russische Bauern von den Ufern des Kaspischen Meeres, die zum Judentum über» getreten und gekommen waren, um den Boden der Heimat ihres neuen Glaubens zu bearbeiten. Und diese vielfarbige Gesellschaft redete nun Hebräisch, Arabisch, Albanisch (die kurdischen Juden reden noch bis heute in der Sprache des Targum), Jidisch, Russisch, Französisch und Spanisch. Aber doch waren sie kein „Geschlecht der Verwirrung"; ein festes Band schloß sie vor allem zusammen: die Erde und die Arbeit. In ganz Sedschera herrschte damals die jüdische Arbeit — zu jener Zeit war es darin die einzige Kolonix im Landl Die Kolonisten mit ihren Kindern arbeiteten; selbst in der Farm, di« der Jea gehörte, arbeiteten nur jüdische Arbeiter. * * * Aber auch hier war die Reinheit unseres Ideals gefährdet. Ein neuer Makel offenbarte sich in unserem Leben. Die Dorfmark war bis dahin tatsächlich nur von Juden bearbeitet worden, die Wächter aber waren Fremde. In Judäa bemerkten wir die fremde Wacht fast gartticht, wir merkten dort überhaupt beinahe nichts davon. Die Kolonien in

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