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Blau-Weiss-Blätter · 1918-06-01 · 1 (6.1918) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
1 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Haben die Eltern die Erlaubnis zur Nachtfahrt entzogen, hat man gemorken, daß wir nicht ins Heim, sondern auf ein höchst mörderisches Nachtkriegsspiel gehen?" Der Zug kommt. Führer „Rot" pfeift; zwei — dreimal, vielleicht ist doch jemand darin. Reine Antwort. Der Zug pfeift seinerseits und fahrt. „Rot" wartet eine Stunde. Dann fahrt auch er. „Man kann Rlobe nicht versetzen", denkt er, „der Turm ist natürlich längst besetzt und mit Stricken, Draht und Reisig umzogen. Oben sind Hordentöpfe voll Wasser ausgestellt als Pech- und Schwefelersatz, die ihren Inhalt auf mein armes Haupt ergießen sollen. Aber ich kann doch nicht kneifen". Führer „Rot" malte es sich recht anschaulich aus, wie alles, was er den Blauen zugedacht hatte, nun über ihn hereinbrechen würde. Michendorf. An der Sperre fragt er, ob Wanderer im vorigen Zuge ge. wesen seien. Niemand hat sie gesehen. Er telephoniert nach Berlin. „Langst fort", ist die Antwort. Aber „Rot" kennt kein Zaudern. General und Armee in einer Person zieht er darauf los, Richtung Rapellenberg, entschlossen den Rampf trotz alledem zu führen und — kühner Gedanke — auch zu gewinnen. „Der Turm ist ja zu schmal, als daß alle zugleich auf mich stürzen können, und wenn es mir gelingt heimlich die Plattform zu erklettern, bringen sie mich schwerlich wieder herunter". Die Rilometer flogen, der nächste immer schneller als der eben erledigte. Aber jetzt hatte Rot die Rarte cjooooo überschritten und mußte sich mit einer Radfahrkarte behelfen, die freilich Lhausseen, Städte über 50000 Einwohner, Eisen, bahnen und Ströme annähernd richtig verzeichnete, die er aber ihres Maßstabes wegen die „Rarte von Europa" zu nennen pflegte. Lin weg durch den vor ihm liegenden Sumpf war nicht darauf festzustellen; nur lauter kleine, blaue Striche, ein paar dickere blaue Streifen und die tröstlichen Worte KÖNIGSGRABEN und SUMPF standen darauf. was tun? Ganz einfach: Rleider herunter, Sachen in Zeltbahn und Rucksack und durch. Es ging ganz gut; freilich kam bereits nach hundert Schritten der erste der dicken blauen Striche auf der Rarte, ein etwa ein Meter tiefer, nicht sehr sauberer Graben. Jetzt hieß es waten. Schlammig, naß und schilfumschlungen stieg Rot ans andere Ufer. Dort besorgte er sich zunächst einen Stock: „Da ist ja schon einer"; gleich riß er ihn aus dem feuchten Grund. Ls war ein pflock, der früher wohl einen Zaun getragen hatte oder ein Schild: „Betreten verboten". Jetzt diente er edlerem Zwecke; er sollte mehr Reule als Wanderstab, „Rot" stützen und durch sein drohendes Aussehen später im Rampfe schützen und war ferner dazu bestimmt, die weiteren Gräben auf Tiefe und Bodenbeschaffenheit zu untersuchen. Der weg dehnte sich; eine halbe Stunde verging unter waten und Laufen, Rlotzen und Stapfen, plötzlich steht „Rot" Männer vor sich, die mit Netzen und langen Stangen in einem Graben fischten „Rot" stutzt; soll er sich anziehen, soll er als nackter wilder die Leute erschrecken? „Ach was . . " und schon springt er etwa [QO Meter entfernt schnell in die Flut. Zugleich mit dem Aufklatschen fühlt er, daß seine Füße im Netze feststtzen. Geschrei, wahrhaft gräßliches Fluchen der Fischer, in das „Rot" einstimmt, obwohl er es im übrigen vorzieht sich loszumachen» wobei das Netz reißt, um im Laufschritt zu enteilen. Nach weiteren fünf Minuten war der Rönigsgraben erreicht. Hier hieß es

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