Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1918-06-01 · 1 (6.1918) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
6 (1918-1919)
Issue
1 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2425321-3181720-3181721--1018-3520011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Weiß-Blätter; sie zeigt recht hübsch, baß eine Anh nun eben kein ßfet& ist. Aber auch kein Pferd ist so wie das andere. Wer Tiere nach einem Schema drillen und behandeln wollte, mag schlecht reiten und schlecht fahren. — Weiß nicht ein jeder von sich selbst, wie sehr er von allerlei Zufälligkeiten in seiner Leistungsfähigkeit abgehängig ist? Und sollte es bei Tieren anders fein? Freilich, das bei ihnen zu bemerken ist schwerer als beim Menschen, wo man täglich Rücksicht üben lernt. Wohl zeigt auch das Gesicht des Tieres und fein Verhalten mancherlei. Um es jedoch zu sehen, muß man schon Augen, Dhren — Herzen offen halten. Und doch ist es so leicht auch Tieren gegenüber Mensch zu sein. Die Liebe zu den Dingen, zu jeder Areatur ist es, die dazu fähig macht, die uns mit der Natur vereint. Seitdem ich im August 1914 ins Feld gegangen bin, bante ich mir, wo irgend möglich, ein Stückchen Boden an, begann mit wenigen Radieschen und verflieg mich an Grien längeren Aufenthalts sogar zu den begehrten Tomaten. Was »nachte 'es, wenn ich sie stehen lassen mußte, wenn sie ein anderer weiter pflegen und ihre Früchte pflücken konnte. — Da könnte ich euch viel von meiner Arbeit sagen, bei der nrir niemand Rat und Hilfe gab. Ich habe manches dabei erreicht, weil ich die Augen offen hielt; bald merkte ich, daß diese Pflanze reichlich Wasser braucht, weil ihre großen Blätter viel verdunsten, daß jene weniger dicht stehen dürfen als die anderen, weil ihre Wurzeln kräftig werden sollen, daß diese Stauden Sonne nötig haben, weil sie aus Ländern des Südens zu uns kamen. Ich hätte wirklich Lust von all dem zu erzählen. Was ich aber auch sagen könnte, alles würde nur den einen Sinn haben, würde nur auf die eine Mahnung herauskommen: bemüht euch um ein inniges Verstehen der Dinge, habt Freude an dem Einzelnen, dem Großen und dem Meinen. Vor allem aber liebt das Wesen, das ihr pflegt, fei's Pflanze oder Tier, ob ihr's um seiner selbst willen haltet oder ob es euch dienen soll. Je mehr ihr seine Eigenart erkennt, je freundlicher .ihr Rechnung tragt, um so schöner wird es euch zur Freude heranwachsen und eure Bemühungen und eure pflege belohnen. Wir gehen einen Weg der Wirklichkeit. Wir arbeiten an unserer Wirklichkeit und wollen lernen die Dinge neben uns zu sehen und liebend zu gestalten. Das vermag niemand so wie wir Landwirte. Dereinst aber mag die Zeit kommen, da aus unserem neu geweckten Sinn« für die Wirklichkeit und unserer jüdischen Begabung „für die allgemeinen und offenbaren wie für die heimlichen und beto

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.