Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 6 (1918-1919)
- Issue
- 1 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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sieht, die er selbst und nur er zu lösen hat. Zuerst müssen diese Auf» gaben einfach sein und sich vornehmlich auf Handgeschicklichkeit er« strecken; erst wenn der junge Landwirt sich seines körperlichen AdnnensÄ voll bewußt ist, darf er allmählich vor schwierigere Aufgaben gestellt werden. Diese Schulung zur Entschlußfähigkeit ist für den angehenden Leiter einer Wirtschaft, mag sie groß oder klein sein, von ausschlaggebender Wichtigkeit. Der Lösung der meisten Aufgaben kann man wohl theoretisch, praktisch aber nur mehr oder weniger gerecht werden und auch dies nur dann, wenn man den Anoten irgendwo und nicht eben zaghaft -nrchzuhauen weiß. Wer für feine Feldarbeit stets auf das günstigste Wetter wartet, wird bald zum Narren. Mit allem Tun nicht zu früh und nicht zu spat anzufangen das ist die Ärmst, die den Landwirt ausmacht. In der überlegenen Erziehung znm Handeln, die der Ukensch auf dem Lande von klein an erfährt, ist allein die Erklärung dafür zu suchen, daß das Land im allgenreinen mehr hervorragende Persönlichkeiten hervorbringt, als die Stadt, trotzdem die Stadt tnehr Gelegenheit bietet viel zu sehen und kennen zu lernen. Aus alleni Gesagten geht wohl hervor, daß es bei der Wahl des Lehrgutes mehr ans die Person des tehrherrn, als auf die Eigenschaften des Gutes selbst ankonnrit. Leider sind tüchtige Lehrherren in der Landwirtschaft so feilen wie in keinem anderen Berufe und augenblicklich ist es ganz besonders schwer, eine geeignete Stelle zu finden. Der wohlhabende Gutsbesitzer legt sich nicht gern die Unannehmlichkeit auf, fremde Leute mit am Tische zu haben und unterzieht sich noch weniger gern dem Zwange, sie tagtäglich anzuleiten, wird aber wirklich um des gezahlten Lehrgeldes willen ein Lehrling ins Haus genommen, so ist er oftmals nur das fünfte Rad am Wageii, das überall im Wege steht. Es unterliegt keinenr Zweifel, daß in einem größeren landwirtschaftlichen Betriebe ein Anfänger ein arges Heminnis ist. Benutzt man ihn bereits als Beamten, so lernt er nichts und macht gewöhnlich ,nehr Schaden in der Wirtschaft, als fO Eleven an Lehrgeld bezahlen können; verwendet man ihn als Arbeiter, so setzt man ihn mancherlei Gefahren aus, die man ihm und den Eltern gegenüber nicht verantworten will. Das ist besonders dort der Lall, wo der soziale Abstand zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern ei» großer ist. Deshalb sind viel geeigneter znm Lehrherrn als die Gutsbesitzer selbst die leitenden Beamten nicht zu großer Landgüter. Zunächst