Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 1 (5.1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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gotischen Aathedrale, sehr schönen Plätzeli und den Lhamps Elysees, die sich überall sehen lassen könnten. R. und ich bekamen von dev Kommandantur ein sehr schönes Quartier bei Monsieur Moguet, Lue de Tambrai \7, angewiesen, zwei prächtige Zimmer. Wir legten schnell ab und gingen dann in die Synagoge, ein kleines Bethaus, Heiner, aber sonst ähnlich wie unsere Synagoge . . . Im ganzen waren wir etwa 80 Soldaten anwesend. Die französischen Juden scheinen die Synagoge seit ihrer Okkupation zu meiden. Es waren nur vier anwesend, darunter der Vorbeter und ein alter Weißbart, die aus j)olen stammen. Sie mußten alle mitten in der predigt gehen, denn Zivilisten dürfen nach acht Uhr die Straßen nicht betreten. Nach der Synagoge gingen wir alle zum Seder. Im Saale eines Kintopps, rue de Eambrai \6, gerade unserem Quartier gegenüber, waren lange Tafeln feierlich gedeckt, und da saßen sie alle; und Dr. Levy und ein Soldat, im Zivilberuf Thasan, lasen abwechselnd die hagadah vor, und es gab gut und reichlich zu essen. Ich glaube, sie freuten sich alle, daß sie im Krieg ihr Judentum feiern und als Juden Zusammenkommen durften, obschon ich gestehen muß, daß ich park empfand : der Seder ist ein Familienfest. Dr. tevy sprach dabei auf zwei jüdische Krankenschwestern, die ihm zur Seite saßen, und deren Verdienste um den Seder er pries. Ein anderer sprach auf Dr. tevy. Der Thasan redete selbstgefällig und zeigte sich dabei als . . ... — tout comme chez nous. . . . Auch daß der französische Thasan beleidigt war, weil man ihn während der Feiertage ausge» schaltet hatte, freute mich als ein Beweis für die Einheitlichkeit des Judentums: Welcher Thasan in Israel träte jemals freiwillig zurück??! Aber jeder empfand dankbar, daß er pessach würdig halte feiern können. Am nächsten Tage, dem 3\+ März, gingen wir wieder zur Synagoge, und ich wurde zur Thora aufgerufen, worüber sich Vater freuen wird. Ich bekam Schelischi. Und dann schwang ich mich bald auf ein Fliegerauto, das gerade meines Weges daherfuhr, und war schnell wieder in E. . . . heute nacht marschieren wir weiter, durch St. Q* hindurch bis <D., von wo wir wieder Quartiere beziehen. Was weiter mit uns werden wird, weiß noch niemand. herzlichen Gruß Euch allen Euer Felix.