Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 1 (5.1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Me tiefsten seelischen Momente aus dem Leben der jüdischen Volks- Massen, das leidensreichs Seelenleben des wandernden, polnischen Juden, das waren für ihn Schätze voll Schönheit und Erhabenheit. per*}’ Meisterhand verklärte das Bild. Der Verständnislosigkeit in der Betrachtung jüdischen Lebens machte er ein Ende, und schon sein erstes Auftreten war eine befreiende Tat. Es war vor etwa $0 fahren, zu einer Zeit, da es in Kreisen -er jüdischen Intelligenz als selbstverständlich, ja geradezu als Mode .galt, gegen die Unbildung, die „Dunkelheit" der jüdischen Volksmassen den Kampf zu führen. perez' Geburtsstadt Samosc in Polen wies den stärksten Kreis von Männern auf, die es als Gebot der Kultur ansahen, die „finsteren" und „unkultivierten" Sitten der sogenannten Ehassidim zu bekämpfen. Statt zu versuchen, die Maffe zu verstehen, fich in ihr Denken, Fühlen und Wollen hineinzuversetzen, mit ihr Fühlung zu nehmen und gemeinsam für eine bessere Zukunft zu arbeiten, begann man den Kampf mit Verachtung und Feindseligkeit und scheute fich auch vor Verleumdungen nicht. Die Thasfidim wurden als die rückständigsten, dunkelsten Elemente hingestellt, als halbwilde verschrieen, und manches Unheil wurde durch diese traurige, böswillige Verständnislosigkeit angerichtet. Andererseits begann in den Reihen 'jener jüdischen Intellektuellen ein planloses Jagen und Rennen nach fremden Göttern, nach fremden Kulturen, eine Erscheinung, die das charakteristische Merkmal jener „Aufklärungsepoche" (haskalah) bildet. Durch die Maffenflucht in die fremde Ideenwelt, durch die Berauschung mit fremder Kultur entstand allgemein die Ueberzeugnng von der seelischen Armseligkeit, von der ideellen Inhaltslosigkeit des natürlichen jüdischen Lebens. Ein Einziger war es, der damals schon, als Jüngling und Träumer, auf diesen schweren Irrtum hinwies, der das Unrecht erkannte und seinen eigenen Weg ging. Das war perez. Er entdeckte eine neue jüdische Welt so ganz Ln der Nähe, und wunderbare Märchen entstanden in den engen, licht- und lustlosen Gassen des jüdischen Ghetto. In diesen gedrückten, abgeschlossenen Seelen entdeckte er neue Welten. Neue Menschen fand große und schöne, und das waren alles dieselben geplagten, von den eignen Brüdern verkannten und verhöhnten polnischen Juden». Es waren perez „Volkstümliche Geschichten", die Licht und Leben in die jüdische Gasse brachten. Ucderrascht und beschämt stand die entfremdete jüdische Intelligenz vor diesen ungeahnt tiefen und ergreifen« den Typen, vor diesen großen und erhabenen Momenten aus dem