Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 1 (5.1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ziemlich schwierigen Felsenweg. Bald wurde es glatter, allmählich <iuch hell. Auf der höhe genoffen wir einen schönen Blick über die ganze Breite Palästinas, ooin Mittelländischen Meer bis zum Tiberiassee. Zuerst stand unter uns über dem Meere noch eine dicke Wolken- «rauer, die allmählich vor der Lonne verschwand und dem strahlenden Meere Platz machte. Als wir wieder unten ankamen, raste auf dem Hofe das Volk mach immer und hat wahrscheinlich die ganze Nacht gerast, mindestens die Lhassidim unter ihnen, — das dürften gegen lausend sein, die anderen find mehr Zuschauer. An diesem Morgen findet die hauxt- Zeremonie patt. Man bringt nämlich zum tag beomer vor allem die Kinder von drei Zähren hierher, schneidet ihnen die haare und läßt ihnen die pries, die Lchläfenlocken, stehen, die sie von da an immer tragen. Und jetzt spielen diese Kinder eine Hauptrolle, fie "tragen prächtige, zum Teil filberbestickte Uleider und ebensolche Mützen. 'Der Vater nimmt fie auf den Arm, geht in die Mitte eines tanzenden Kreises, und der Wirbel der Tanzenden, Lingenden, Klatschenden bewegt fich um sie herum. Der Uebermut hat allmählich auch die Frauen angesteckt. Zch sehe eine Gruppe von ihnen, jede trägt eine dicke Kerze, brennend, mit Rosen umwickelt, fie bilden einen Kreis, wie die Männer, und eine wiegt fich in in der Mitte in den Hüften, mit allen Zeichen der Ekstase. Alte Frauen stehen daneben, und kreischen ad und zu gellend in den Tumult hinein, ein wunderlicher -Anblick. Natürlich können wir nicht bloß Zuschauer bleiben, sondern diskutieren unter uns viel über das Gesehene. Einige waren empört, leugneten die Wahrheit dieser Empfindungen und lehnten das ganze als Humbug ab. Das war ungefähr die Vorstellung, mit der auch ich nach Merom gekommen war. Aber ich denke nicht mehr so. Mir scheint dieser Rausch mindestens so wahrhaftig wie der hebräische Rausch, den ich von Kairo bis Damaskus staunend erlebt habe, oder wie die nationale Begeisterung bei den großen Festspielen am pcßach. Ich glaube nicht, daß er ebenso wertvoll ist, aber ebenso echt ist er. Man sagte mir, Liese ganze Art der Begeisterung sei arabisch, orientalisch, ganz und gar auf unjüdischem Boden erwachsen, — gut, sei es so, ich weiß es nicht, aber ohne alle diese Unvernunft ist auch das Judentum ärmer. Zch wünsche nicht, daß dies« Art Thassidismus bleibt, aber was wir diesen Leuten dafür zu geben pflegen, ist armselig und kein Ersatz. Nie und nimmer hat es einen Wert,