Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- 1 (5.1915)
- Date
- 1915-05-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 1× ep/1046078
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dem mittleren Topf dispensiert find, denn ich sehe mit leisem Schauder, wie die Araber zunächst mit ihren Händen kräftig in den Reisbrei hineinfahren, ihn schön durcheinander rühren, ein Stückchen Hammelfleisch dazulegen und dann die Hand mit mehr oder weniger großer Eleganz zum Munde führen. Der Brotfladen fehlt natürlich auch nicht. Mittlerweile ist es Nacht geworden, und wir gehen zurück zum Grab des Rabbi Schimeon. Jetzt nämlich kommt die Hauptsache: Die große hadlakah! Als wir auf den Schulhof kommen, ist die Erregung schon ungeheuer groß. Die Gallerie ist von Frauen schon dicht besetzt, unten auf dem Hof wilde Gruppen von Tanzenden. Die Worte die fie dazu fingen, find zuweilen Kapitel aus den Psalmen, zum Beispiel: „Dies ist das Tor des Herrn, Gerechte ziehen hinein", oder Lieder mit festem Refrain; ich verstehe nur einige Worte, z. B.: Schim'on bar Iochai, Schim'on bar Iochai, das sich immer wiederholt. Ich steige auf die Gallerie, und von hier gibt es ein paar Stufen auf das Dach der Synagoge. Auch dies Dach ist besetzt, selbst auf der Kuppel über dem Grabe fitzt Mensch an Mensch, leicht genug kann hier wieder ein Unglück geschehen, gegen das die paar türkischen Polizisten, die -da find, auch machtlos wären. Dben auf dem Dach ist ein großes Becken aus Stein. Es ist vor allem umlagert, darum steige ich lieber -auch auf den Rand der Kuppel hinauf. Gegen */* JO erscheint der Rabbiner von Safed, dem seine Gemeinde um vieles Geld das Recht zur ersten hadlakah zu erkaufen pflegt. Alles wird still. Er nimmt ein großes Tuch, das wird ganz mit Del getränkt, und dann steckt -er es an, spricht laut den Segensspruch und wirst es in das Becken. Wie es auflodert, spricht er einen großen Mischeberach, einen Segenswunsch, für ganz Israel. Dann kommen andere an die Reihe, jeder nimmt ein Tuch, man sagt, daß zu diesem Zwecke die kostbarsten seidenen Stoffe geopfert werden, und macht es genau so wie der Rabbiner. Ich habe genug gesehen und gehe wieder auf den Hof hinab, um mich unter die Tänzer zu mischen, wie ich später höre, gab es oben noch rüde Zänkereien zwischen einzelnen Sekten. Die Erregung unten läßt nicht nach. Die Kinder zünden dazu bengalische Feuer an oder lassen Feuerfrösche springen, aber wir sechs gehen gegen Mitternacht zu unserem Araber. Nach kurzer durch Nngeziefer gestörter Ruhe brachen wir gegerr. vier auf. Noch strahlte ein wundervoller südlicher Sternhimmel, der Mond war kürz vor Mitternacht anfgegangen und beleuchtete den 4