Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1907)
- Date
- 1907-10-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nd. 40. Teile 12. Der Israelit. 3. Oktober 1907. Verstümmelung nicht mehr zu erkennen ist, ungefähr in dieselbe Zeit, aus welcher von ihm die Thora als Zeitgenoffen Abrahams berichtet. In den neuentdeckten Tafeln, für welche die Identität Amurabis sive Amarmuballit's mit Amrafel außer Zweifel gestellt ist, ergäbe sich, wenn die Zahl 1864 Jahre richtig wäre, eine Differenz von 463 Jahren, die auch der junge Delitzsch weidlich gegen die Thora ausnützen zu können vermeinte. Nun hat der ernste Forscher Hommel bereits die Vermutung ausgesprochen, daß die Chronologen Nabunaids entweder geirrt oder aus Patriotismus gefälscht haben. Von den 9 Tafeln ist nämlich die älteste auf zwei Seiten beschrieben, ohne daß man weiß, welche Seite die erste, welche die zweite Dynastie enthält. Die eine Dynastie sind Semiten, die zweite Kossäer mit verstümmelten akkadischen Namen. Ich laffe hier die Copie folgen: Seite 1 Koffäer. [6]1 Jahre Anma 55 „ Kian 36 „ Damkiil 45 „ Lshki 27 „ Shunshi 55 „ Gulki 50 „ Kirkal 28 „ Adarra 26 „ Akurul 6 „ Milam 9 „ Jagamil_. 368 Jahre 11 Könige von Uruku (Erech). Seite 2 Semiten: 15 Jahre Sumuabi 35 „ Sumuiailu 14 „ Zabu, sein Sohn, 122 18 „ Apilfin, sein Sohn, 30 „ Amarpal, sein Sohn, 55 „ ChamuragaS, sein Sohn, 7211QN 35 „ Samsuiluna, sein Sohn, 25 „ Jbishum, sein Sohn, D1WQK 25 „ Ammiditana, sein Sohn, ' JOTTTD37 21 „ Ammizaduga, sein Sohn, 31 „ Samsuditatam, sein Sohn, 304 Jahre 11 Könige von Habel. Die Chronologen Nabunaids haben die berühmte heimische Dynastie an die Spitze gestellt und die fremden Koffäer ihr Nachfolgen lassen. Eine bestimmte Zeit ist dabei nicht angegeben, aber da der Fall Babels aufs Jahr 539 vor der gew. Ztr. festgestellt ist 3222 jüdischer Zeitrechnung, sv würde die erste Dynastie 1864 Jahre früher, im Jahre 1359 beginnen und Amrafel als fünfter König von 1440—1470 regiert haben. Da aber nach Hommels Vermutung die Kossäer die Ersten und die Semiten erst die Zweiten waren, kommt Amrafel um 368 plus 82, also um 450 Jahre später in das Jahr 1808—1838, wodurch sich zwar noch eine Differenz von etwa 190 Jahren gegen das Datum der Thora ergibt, die aber der Verstümmelung der Listen zur Last gelegt werden kann, umsomehr als Hommels Berechnungen selbst, wie erwähnt, um diese Summe differieren (einmal 1947, einmal 1772). Die Vermutung Hommels ist nun durch die Entdeckungen der beiden Forscher King und Poebel glänzend bestätigt, noch mehr, dieselben weisen nach, daß beide Dynastien gleichzeitig, eine in Erech, eine in Babel regiert haben, so daß die 368 Jahre der Koffäerdynastie ganz äusfaüen und die babylonischen Dynastien zusammen anstatt 1864 Jahren nur 1496 Jahre regiert haben, also mit oem Jahre 1727 jüdischer Zeitrechnung beginnen, wonach Amrafel ebenso ln die Zeit von 1808—1838 gehörte. Nach Berosus Beginnt das babylonische Königstum 1401 vor der Zerstörung (3222) im Jahre 1822 jüdischer. Zeittechnung. Amrafel pegiert 82 Jahre später, von 1903—1933. Nach der Thora ist Abraham 1948 geboren und der ZuaKudurlagomars und Amrafels gegen Palästina fano etwa um das Jahr 2030 statt. Berosus Bericht steht aber der Bermutung Hommels Mäher als den Entdeckungen Kings. Denn er Berichtet, daß nach den fabelhaften Sintstutkönigeu die Meder das Land erobert hätten, ein Anachronismus, da die Meder erst 300 Jahre vor dem Falle Babels um 2900 jüdischer Zeitrechnung in der Geschichte auftauchen. Unter den Medern sind die ftemden Koffäer überhaupt gemeint, die also nach Berosus vor den Semiten geherrscht haben. Und das wird gerade durch die Thora bestätigt. Der erste Dynastiengründer überhaupt war Nimrod der Koffäer (Sohn des Kusch) und seine erste Herrschaft erstreckte sich über die 4 Länder Babel, Erech, Akkad, Kalneh. Daher der bisher unerklärte Titel aller altbabylonischen Herrscher: 8ar arbaat kibrati (IpK rroo) König der 4 Länder. Kings und Poebels Annahme wie auch Hommels Hypothese wären demnach dahin zu korrigieren, daß die Koffäerdynastie als erste teilweise etwa 100 Jahre auch über Babel regiert hat, dann befreite fich die Semitendynastie und regierte in Babel gleichzeitig mit jener in Uruku (Erech), Akkad und Kalneh. Durch die Wirren gerietdie spätereChronologie insSchwanken, doch gilt für die ganze Zeit, von Beginn der Koffäerherrschaft bis 3222, nur der Zeitraum von 1401 Jahren, wovon 100 auf die erste fremde fallen, sodaß die semitische (sogenannte Zabudynastie) erst etwa 100 Jahre später beginnt, wie es der genaue Bericht der Thora über die Zeit Amrafels unabweisbar macht. Es ergibt sich also Folgendes: Nabunaid hat aus tausendjährigen Quellen eine Chronologie anfertigen lassen,, deren Anfang vor die Sintflut fällt und Amrafel um viele Jahrhunderte vor Abraham setzt. Hommel hat eine Verwecbslung der Tafeln nachgewiesen, so daß sich ihm bei Amrafel zweierlei Berechnungen Herausstellen, die um 190 Jahre differieren, aber der Thora viel näher kommen. King und Poebel haben entdeckt, daß Nabunaid doppelt geirrt hat, denn die 2 ersten Tafeln sind gleichzeitige, fangen daher erst um 368 Jahre später an. Aber auch Kings Ausstellung ist, wie wir sahen, noch teilweise richtig zu stellen, ebenso die des Berosus, und unerschütterlich ist nur die Chronologie der Thora. Zu dem zweiten Teile von Kings Ausführungen über die angeblich im Pentateuch gefundenen 645 Jahre von Abrahams Berufung bis zum Auszüge unter Moses ist zu bemerken: Die Zahl'645 findet sich nicht vor, im Gegenteil, in der Offenbarung an Abraham ist von 400 Jahren Exil seiner Nachkommen die Rede, die nach unseren Exegeten schon mit Isaak beginnen. Die Zahl 430 Jahre des Aufenthaltes in Aegypten, die sich bei der Erzählung des Auszuges findet, ist erstens unverkennbar direkt durch die Aufzählung der Lebensjahre der Ahnen Mosis, Levi, Kehat, Amram, als eine, wie sogar der freie Forscher Lepsius sich ausdrückt, symbolische Zahl gekennzeichnet, wie sie nachweisbar in der Antike gebräuchlich seien,- zweitens darf man die Beziehungsnahme an Ort und Stelle nicht übersehen: „An ebendemselben Tage" fand der Auszug statt, „es ist ebendieselbe Nacht", das heißt, die Nacht des Datums von vor 430 Jahren, als Abraham das erste Mal Urkasdim verließ, die für die Erlösung des späteren Geschlechtes in Aussicht genommen war. Des weiteren führt King aus, der zumeist als der Pharao des Exodus angesehene Merneptah ist nach Ed. Meyer ungefähr 1234 v. d. g. Zeit auf den Thron gekommen, aber auch wenn man Ramses II. seinen Vater als Pharao des Exodus betrachtet, ergibt sich eine bisher angegweifelte Genauigkeit der Daten der heiligen Schrift. Dazu habe ich zu bemerken: Die Lesart Merenptah anstatt der von Lepsius und anderen angenommenen Menephtah muß gestrichen werden. Denn wir haben, wie Citri richtig herausgefunden hat, den Namen in Josua 15,9: mn£3 'v die Quelle Menephtahs bei Jerchalem. Bis zum Auszuge der Israeliten war Palästina, wie inschriftlich festgestellt'' ist, namentlich nach dem großen Siege des Ramses II. über die Hetiter bei Kades am Orontes und nach der Eroberung Askalons durch seinen Vater Ramses Sethi I. nach *28 jähriger Belagerung, eine ägypttsche Dependenz. Die Quelle konnte daher zu Ehren des wie gewöhnlich mitregierenden Kronprinzen Meuephtaquelle genannt worden sein. Aber nicht nach dem Auszuge der Israeliten aus Aegypten. Dieser fällt selbst nach den verworrenen Trugberichten der ägyptischen Priester mit dem Sturz der 19. Dynastie der Ramseffe und dem Sturze der ägyptischen Weltmacht, mit dem Beginne innerer Revolutionen, mit Tempelzerstörung und Bürgerkriegen (Prätendent Setnacht) zusammen, sodaß Asien nunmehr für Aegypten verloren war und keine ägyptischen Reminiscenzen in Palästina geschaffen wurden. Zweitens hat Lepsius nach astronomischen Daten (Eintritt der Sothisperiode unter Ramses), den Auszug ganz genau in Uebereinstimmung mit dem Datum des Seder Olam und des Patriarchen Hillel II. als ins 5. Lebensjahr des Menephtah fallend, feftgestellt. Drittens war Ramses II. unbedingt der Pharao der Frohnbauten, wie dies die mit seinem Siegel versehenen im Berliner Museum bewahrten Ziegel und die ausgegrabenen ungeheuren Magazine in Pithom bezeugen. Der Name Ramses selbst kommt ja außer im Pentateuch weder bei Manetho noch bei Herodot vor und ist erst durch die Ausgrabung der Ramsesbauten ans Tageslicht gelangt. Ramses hat 66 Jahre regiert und war in einem Alter mit Moses, der erst zurückkehrte, als er starb. Der Auszug fand also erst unter seinem Sohne statt. Unter den nach Berlin gebrachten Königsmumien, unter denen die seinige besonders wohl erhalten ist, fehlt gerade nur die Menephtas, was sich durch den Bibelvers II 36,15 rpD v'2 njns ^21, wonach er im Schilsmeere unterging, leicht erklärt. Selbst die angeblich ihn darstellende Kolossal statue im Louvre ist die eines früheren Pharao, dessen Name ausradiert und durch den des Menephtah ersetzt wurde, wie ähnliches der Katalog auch für andere Statuen konstatiert, ein Priesteroetrug in majorem deorum gloriam, der wohl des Pharao Unglück bemänteln sollte und ein Seitenstück zu den bei der Restauration Ludwigs XVIII. eingeführten Geschichtsbüchern findet, in welchen der französischen Revolution und des Kaiserreichs keine Erwähnung geschah und Bonaparte nur als General Ludwigs XVIII. erwähnt ward. Wir werden deshalb auf Auffindung eines Berichtes der Priester der heiligen Katzen über den Auszug vorläufig verzichten müssen. Llt. Sprechsaal. Cincinnati, O., 22, Cept. Geehrte Redaktion! In Nr. 35 Ihres geschätzten Blattes, S. 10, drucken Sie eine interesiante Entscheidung des damaligen NikolSburger Rabbiners und Mährischen LandesrabvinerS S. R. Hirsch über das Bedecken des Hauptes in der jüdischen Schule von Ungar. Brod ab. Der Rabbiner der letzteren Stadt, an welchen die Entscheidung gerichtet ist, hieß jedoch nicht „Nirscher", wie bei Ihnen angegeben ist, sondern Motses Nascher. Er war in Holleschau am 21. März 1811 geboren und starb als Rabbiner von Baja in Ungarn am 13. Februar 1">78. Sein Sohn Simon (Sinai), der die Biographie seines Vaters unter dem kuriosen Titel „MoiseS Nascher. Eine exegetische Monographie", Berlin, 1879, herausgab, war in Ungar. Brod 1843 geboren und starb 1901 in Baja. Er war ein excentrischec Charakter und mußte wegen wiederholter geistiger Erkrankung feine Stelle als Rabbiner der „Schochare Hatob"-Gemei«de in Berlin aufgeben. Der Name Nascher, welchen der Sohn auf seinen zahlreichen Publikationen mit einem Akzent auf dem „e" schreibt, hat übrigens nichts mit dem Verbum „naschen zu tun, sondern weist auf Nikolsburg hin, welches in jüdischen Schriften geschrieben wird. Ntkolsburg war offenbar der Stammsitz der Familie, und ich erinnere mich noch aus meiner Gymnafiastenzett Rabbi Moises Nascher in Ntkolsburg gesehen zu haben, wohin er von Zeit zu Zeit zum Besuche der Gräber seiner Vorfahren kam. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener G. Deutsch.