Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1907-10-03 · Heft 40 (3.10.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 40 (3.10.1907)
Date
1907-10-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2449244-2449285--63837-3519968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur GescDicDte der luden in Sedmallralden. In den ältesten Zeiten waren Juden im Fränkischen und in Henneberg ansäsig, was sich aus den Judenverfolgungen im Jahre 1298 und einige Jahrzehnte später schließen, läßt. Im 16. Jahrhundert waren sie zwar in Schmalkalden geduldet, aber einen gesetzlichen Sitz hatten sie hier noch nicht. Der Fürstgraf Wilhelm VII. von Henneberg ' gestattete 1562 den Juden auf ihr Ansuchen die Niederlassung in Schmalkalden auf fünf Jahre gegen Erlegung von 84 rhein. Goldgulden, 20 Talern und 250 Malter Hafer. In Brotterode, Herrenbreitungen und Näherstille ließen sich mehrere Familien nieder. Ernst Landgraf Moritz von Hessen gestattete ihnen 1611 die ständige Niederlassung in Schmalkalden gegen Zahlung von 35 Talern Einzugsgeld und jährlich einem Goldgulden mit der Verpflichtung, sich der bürgerlichen Handwerke zu enthalten und vom Taler einen Pfennig abzugeben. Er verwilligte ihnen einen Begräbnisplatz vor dem Stillertor, welcher heute noch mit einer fast 300 Jahre alten Eiche geziert ist. In Hennebergischer Zeit hatten die Juden in Schmalkalden weder Synagoge, noch Begräbnisstätte. Man darf wohl annehmen, daß ihnen die letztere am Judenrüin und in der Judenstelle am Röthberg vergönnt war. Auf die Erlaubnis des Landgrafen Moritz ließ sich im Jahre 1611 Jsack Schwul auf der Pfaffeygaffe, Salonw in der Auergasse und Meier uud Michel im Haindorfsloch nieder. 1666 wohnten dort bereits 11 Familien mit 53 Seelen (1885 waren es 20 Familien mit 109 Seelen). 1622 erbaute Jsack Schwul die erste Synagoge in der Judengassc an derselben Stelle, an welcher auch die jetzige steht,' nachdem er alle seine Kinder ausgestattet hatte, zog er nach Jerusalem und starb dort. Zu seinem Andenken stand über dem Eingänge zur Synagoge folgende Inschrift: pp üiüb lim rw VU« 'TO# «vor 'i Dann a-in p pns' (Die besonders bezeichneten Buchstaben ergeben die Jahreszahl 382—1622). Am 7. Juni 1717 brannte diese Synagoge mit vier Judenwohnungen nieder und wurde durch eine neue jetzt noch vorhandene ersetzt. Swel vemerkungen über gas n’a-iyo DOI! mxyn an ’j’bw S’V Bon Oderrabiner L. Wagenaar in Arnheim. (Holland.) Bekanntlich werden in dem rVQIJJD der □’q'ib d'D' die besonderen Feierlichkeiten, weiche ehemals an dem betreffenden Feste im HeiligMme zu Jerusalem stattfanden, poetisch beschrieben- und zwar, in Verbindung mit der Bitte um die Wiederaufrich ung der heiligen Stadt HDD DTID) unmittelbar vor der yav nbüD - So geschieht es am ersten Pesach-Abende mir dem Bringen des NvO ]fnp / am zweiten Abende dieses Festes mit den Omer-Feierlichkettenam zweiten Schabuoth-Abende mit dem Bringen der QYYoa/ am zweiten Sukkoth-Abende mit dem Bringen oder der Lösung des — Nun wurde das Schöpfen für die besondere Wafserspende (mDD "PD3) nach dem entscheidenden Urteile der meisten nJWDD 'DDfl an jedem Tage von b& lyiDD bin ryDD vollzogen, während die damit verbundene fröhliche Festesfeier im Tempelvorhofe (rDMHPn fVQ lINVV) schon am Abende vorher ihren Anfang nahm. Da nun in Jerusalem der zweite Festtag schon zu nyion ^IPI gehörte, so wurde also die Feier alljährlich am Ol' 't-LD 2N 'N zum ersten, und in der Nacht vor Nm MMIll zum letzten Male abgehalten. Wir hätten daher einen vl'O über naMvn rra nnoff im niao bw 'n b'bb rra-wo erwartet. In der Tat ist dieser Erwartung im berühmten Machsor Bitrh (§ 45S ^'^2 mDTiO, sowie auch im nuno des polnischen Ritus entsprochen. Sehr auffallender Weise wird dagegen in unserem hochdeutschen Ritus ein derartiger VI'O (Q'Q flTPie) am Vorabende des niäyn '3'DW eingefügt, und ist auch wirklich, wie es scheint, für diesen Abend bestimmt, da die übrigen Gedichte für denselben Abend vom selben Autor stammen. Warum ist für den Bortrag dieses Gedichtes ein Abend gewählt, an welchem nach der allgemein verbreiteten und vorherrschenden Auffassung die nurew - Feier schon vorüber war und ein neues, selbständiges Fest dDjfy ’orja jn) ewgetreten war? Eine zweite Bemerkung gilt einem einzelnen Paflus dieses Gedichtes. Bel der nächtlichen naMW" 8r*ict gaben sich sogar die frömmsten und gelehrtesten Männer Israels in ihrer festlichen Entzückung allerlei Spiel und fröhlicher Uebung von Kraft und Geschicklichkeit hin. Es war die kindliche Ausgelassenheit beS von göttlicher Freude durchstrahlten Gemütes. Der babylonische Talmud nennt bei der Erörterung dieses Themas (Lukka 532) noch andere Kunstverrtchtungen, die spätere Gelehrte in den Jahrhunderten nach der Zerstörung des Tempels aus geführt haben. So sollen der Gelehrte Levi e im Palaste des Patriarchen R.JubaHannast ein Kunstspiel mit acht Messern, Samuel vor König Sabur eines mit Gläsern Wein und Abaje vor Rabba ein Spiel mit einigen Eiern gezeigt haben. Unser Festdichter der rrpom UN '2'OV b'b nun gibt diesen Kunstverrtchtungen, welche erst Jahrhunderte nach der Zerstörung des Tempels au'geführt wurden, ihren Platz mitten in der N3Aw-Feier. (miBW N1O133 pNVV n?'a«D njiowa O21). Die mir zur Verfügung stehenden Ueberfetzungen und' Erklärungen gehen an beiden hier erwähnten Schwierigkeiten ohne Bemerkung vorüber. Znr biblischen Chronologie. Bon A. Maretts. La r4rit4 est en marche. Diese Erinnerung aus dem Dreyfusprozeffe Paßt sehr treffend zu dem Gange der modernen Bibelforschung, die sich aus den Schlingen und Fallstricken der alten Goettinger Schule undihrer Adepten herauswindet, deren atheistisch-pietisch-fetischistische Methode die Geschäfte der Mission besorgt, um die hartnäckige, unbesiegbare Judenheit des Westens auf dem Wege einer Pseudo-Wissenschaft, ihren, allen mittelalterlichen Mißhandlungen zum Trotz treu behüteten Ueberzeugungen abtrünnig zu machen. Die Münchener Allgemeine Zeitung bringt in ihrer wissenschaftlichen Beilage S. 327 einen Artikel: „Das genaue Datum der Regierungszeit Hammuravi's", welches durch den bekannten Affyriologen L. W. King vom British-Museum in seiner Chronologie altbabylonischer Könige neuerdings festgestellt worden ist in Uebereinstimmung mit dem Pentateuch, gegen Oppert, der diesen Zeitgenossen Abrahams von 2394—2339 vor der gew. Zeitr. uud auch gegen Hommel, der ihn einmal um 1947—1892, das andere Mal von 1772— 1717 regieren läßt. Eine Festsetzung der genauen Zeit Hammurabi's ist, so erklärt King, auch von großer Wichtigkeit für die Daten der biblischen Geschichte, sowohl für das Datum Abrahams als auch für das des Auszugs aus Aegypten, welches, wie King (irrtümlich) behauptet, der ebräische Text des Pentateuch auf 645 Jahre nach der Berufung (?) Abrahams angibt, während Septuaginta und Samaritanertext nur 430 Jahre dafür haben. King hat nun neue chronologische Keil- , schrifttafeln entdeckt, nach welchen die bisherige babylonische Dynastie II gleichzeitig mit der ersten regiert hat, dadurch wird die Königliste um 368 Jahre verkürzt und Hammurabi kommt ins 20. Jahrhundert. Dasselbe Resultat ergibtsich gleichzeitig mit King bei dem Forscher der Pennsylvania-Universität A. Poebel aus einer Tafel der amerikanischen Sammlung. Bleiben wir bei diesem ersten Teile der Entdeckung stehen. Zum besseren Verständnis diene Folgendes: Bis zu den neuen Ausgrabungen hatte man für die altbabylonische Geschichte nur den BerosuS (ein griechischer Belpriester der Seleuciden), dessen Chronologie eine historische Liste von 9 Dynastien mit zusammen 125 Königen bringt, die 1401 Jahre über Babel bis zur Eroberung durch Cyrus geherrscht haben. Die Ausgrabungen haben eine Bibliothek von Tontafeln in Keilschrift ans Tageslicht gefördert, welche der letzte König von Babel Nabunaid-Belsazar auf Grund alter Tafeln von seinen Gelehrten anfertigen ließ und die bei der Zerstörung teilweise verstümmelt wurden, aber doch so weit erhalten sind, daß die Summe der Jahre dieser 9 Dynastien anstatt 1401 wie bei Berosus ungefähr 1864 Jahre bei Nabunäid ausweist. Nach Berosus gehört Amrafel, dessen Name bei ihm wie alle Namen in griechischer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.