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Der Israelit · 1907-09-19 · Heft 39 (19.9.1907) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 39 (19.9.1907)
Date
1907-09-19
Page
– (sequence 19)
Language
German
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fett heidttifH-sadduzSischen Gottesbegriff polemisieren und oessen Auffassung von dem Zweck der Opfer. Sollte im heidnischen Sinne durch das Opfer der Wille der Gottheit bestimmt werden, s» sollte duxch vn ausgesprochen fein, daß 'Gottes Wesen über jedwede Beeinflussung erhaben P und Sein Walten von uns nicht bestimmt werden kann. Unser Opferdienst gibt nicht Ihm, Andern uns. Denn Gott ist 'JK, eine reine Individualität*) und ist im die dritte, über alles erhabene Person, zu der wir in gar keinem gleichgearteten Verhältnis stehen. vrr Zimchatd-cdora'üatt. sehr erfreuliche Erscheiuünc V Volk mit seiner Tauro! Es könnte eine ein, wenn sich das _v Ute. Es wäre eine Freude, für die der schöne idische Ausdruck Simchoh schel Mizwoh geprägt Mene, wenn wirklich die Freude der Tauroh Wen würde. Sicherlich sind diese Feiern in einer änderen Form — nicht als Ball — zu einer Zeit entstanden, in'denen man noch rechtes Verständnis für die Tauroh hatte. Man feierte den Beschluß und den Wiederbeginn des alljährlichen Cyklus der Tauroh-Vorlesung in der Synagoge in den Häusern des Chaffan Tauroh Md Chaffan Bereschiß. Man hatte zu diesen Würden oie gelehrtesten und biedersten Männer fer Gemeinde erwählt. Man freute sich, die Tuuroh beendet zu haben und sie wieder beginnen zu können - denn in ihr erblickte man tten Lebensinhalt. Die freudige Begehung eines solchen Anlasses, die frohe Heiterkeit im Dienste 'her ernstesten jüdischen Aufgabe ließ auch das Herz der Jugend höher schlagen für Israels reumstes Kleinod, und man gewann eine festesnereite Jugend für die „lieblichen Wege" der Tauroh. . . Was aber hat 'eine taurohvergessene Zett aus dieser innigen, frommen Veranstaltung gemacht! Die Freude mit der Tauroh ist verloren, der Ball ist geblieben, vielmehr an deren Stelle getreten. EÜre unjüdische Ausgelaffercheit whlt da, wo tränendurchzitterte Sttmmen der Andacht ihre Liebe zur Tauroh in ergreifenden Melodien gesungen. Die Tauroh ist verloren, der Ball wird arrangiert, und mit dem weihevollen Namen der Thorafreude schmückt sich vermessen eine Feier, die gctnz im Dienste der Verletzung der Thoragesetze steht. Am Festtag kÜbst fährt man zum Ort, an dem der Simchaß Thora-Ball gefeiert wird oder legt zu Fuß einen Weg zurück, der die Techumlängr (die Streckenweit^ die man am Schabbos oder Jontauf auf «nbebautem Wege gehen darf) überschreitet. Man M Geld aus und pflückt. Blumen. Die Musik ett noK am Festtag ünh Jung und Alt, *) Nur Gott kann von sich sagen (Jesajas 48 25). -Ich, Ich bin etz, der deine Frevel um Metnerwil en tilgt. Md. deiner-irrtümlichen Sünden werde ich nicht gedenken." ' Oder (Jesajas 43 „) „Ich, Ich bin Gott und außer Mir gtbteSkeinen Helfer". Am eine reine Individualität (JesajaS 44, „Ich bin der Erste und Ich. bin der Letzte"), die fich stets gleichbleibt, in t er keine Veränderungen Vorgehen, auf die kein Einstich verändernd fich geltend machen kann, (Jesajas 44,: „Auster Mir gibt es lei en GoU^) bleibt in ihrer Kraft, und diese' fich gleichbleibende 5kraft hat ein Recht, über schwache Veränderlichkeit zu richten, die im Urteil febst bü vermeintlicher Ob.ektivität befangen fein muß. Denn die in der Eigenart des Wesens begründete subjektve Anschauupa des Objekts bleibt fich nicht gleich, sondern entwickelt fich. Jede Entwickelung schließt aber die Möglichkeit der stetigen Bervolllommnung in fich und schließt mithin die absolute Vollkommenheit aus. Die individuelle Vollkommenheit GotleS schaut auf die unvollkommene Individualität des Menschen her- ' nieder und verzeiht im Hinblick auf die Mangelhaftigkeit der Individualität. Die Verzeihung geschieht aber wjdS mit dem Zweck, durch Anregung der Dankbarkeit und der Anerkennung der göttlichen Macht, die den EaufalnexuS aufzuheben vermag, die Anerkennung der Vollkommenheit der Individualität Gottes zu erreichen. Es ist ein Zweck, bei dem die Abficht, ihn zu erreichen, gewiß die irrtümlichen Vergehen außer Acht lassen darf - TOW »b- ' schwingen das Tanzbein dazu. Man trinkt verbotenen Wein, und die Versuchung ist oft groß, im Tanzlokal auch verbotene Speisen, zu genießen. Man läßt sich rasieren und frisieren, die Stiefel wichsen und die Kleider bürsten. Die jungen Damen waschen und bügeln ihr Ballkleid, nähen hier und schneiden dort, brennen die Locken, schminken die Wangen und schreiben in die Tanzkarte dem Um Tanz Erkorenen ihren Namen-und o was nennt sich Simchaß Thora-Ball! Wir sind überzeugt, hätte mancher auch nur eine Ahnung von der Bedeutung des Wortes „Simchaß- Taurvy", er besäße noch so' viel heilige Scheu vor dem Buche der göttlichen Offenbarung, vor dem Ehrfurcht gebietenden Wort der Weisen, daß er diese Veranstaltung der ungeschminkten Vergnügungssucht nicht wenigstens mit dem doch etwas heilige Scheu heischenden Namen der Thora belegen würde. Ja, fühlte er noch mehr für die Bedeutung des göttlichen Gesetzes und schien es ihm wert, ihm noch eine Zukunft und eine Zukunft ihm zu erhalten, dann würde er wohl solchem Simchaß Thora-Ball sernbleiben, der geeignet ist, auch noch den letzten Rest' von Verständnis für die jüdischen Pflichten dem Heranwachsenden Geschlecht zu benehmen. Feiert man man denn Tauroh-Feste, indem man die Taroh verletzt? Ist Ausgelassenheit wohl der- Tauroh Freude? Nur wer als Jude und Mensch desLebens Ernst und der Pflichten Strenge kennt, kann der Tauroh Feste feiern im Frohgefühl erfüllter Pflichten. Lorrerpondenre« ».Nachrichten. Neuenahr. Es war stets von Anverwandten hier verstorbener Kurgäste unangenehm empfunden worden, daß die Leichen bis zur Beerdigung in einer nicht nur für jüdische Leichen bestimmten Halle ruhen mußten. Es wurde daher angeregt, auf dem jüdischen Friedhof ein Leichenhaus zu errichten, woselbst auch die Taharoh stattfinden könnte. Der Aufgabe, die Gewer zusammenzubringen, unterzog sich in dankenswerter Weife eine Dame aus Amsterdam, die in wenigen Tagen bei jüdischen Kurgästen über 1000 Mark sammelte. Es trat sodann ein Komttee von fünf Herren zusammen, das einen Plan entwerfen ließ und die Verhandlungen mit dem Baumeister einleitete. Die Halle soll bis zum Beginn der nächsten Saison ferttggestellt und dann der Synagogengemeinde Neuenahr als Eigentum übergeben werden. O—n. Eine Tragikomik behaupteten gelegentlich einer Beerdigung hier einige Herren erlebt zu haben, die aus einer Großstadt sein wollen und nicht einmal die modernste Mode zu kennen scheinen. Wir Wilden auf dem Lande scheinen doch mit den Errungenschaften der Neuzeit viel bester vertraut zu sein. Wir sind immer auf der Höhe. Sehr bedauerlich, wenn man in der Großstadt noch so rückständig ist. Der Herr Lehrer unserer Nachbargemeinde S. begleitete nämlich eine Leiche in seiner Eigenschaft als Seelsorger. Er hielt am Grabe einen ergreifenden Nachruf. Als er damit geendet hatte, breitete er aar weihevoll seine Hänoe aus und erteilte dem Totenschrein feierlich den Priestersegen.' Wer lacht da? Anm. d. Red.: Wir möchten allerdings weinen über solche Farce. Dem Einzelnen, der in unserer Zeit der Veräußerlichung, die eine notwendige Folge des Materialismus ist, solchen umbug mitmacht, wenn er es eben nicht gelernt Förderungen des Judentums besser kennen, dörr diesen Floskeln fich^ nicht lossagen können, das ist das weitaus Traurigere. Die Angelegenheit hat aber noch eine andere Seite. Es ist kaum mit irgend einer Ein richtung der Tau roh soviel Unfug getrieben worden, als mit dem sogenannten Priest er se gen. Zunächst hatten ja die Priester gar nie zu segnen: „Sie sollen Meinen Namen auf die Kinder Israels legen und Ich werde sie segnen." UnsereDriester waren Menschen wie wir. Nur durch einen größeren Pflichtenkreis zeichneten sie sich aus. Ihr Familienleben sollte durch seine Reinheit vorbildlich für die Nation seiy. Ihre, persönliche sittliche Reinheit sollte sie immer würdiger zu ihrem Berufe machen, Diener am Altar Gottes zu sein und als Lehrer und Richter unter ihren Brüdern zu wirken. Bon jedem selbständigen Bodenbesitz waren sie ausgeschlossen. Sie sollten keine materiellen Sorgen kennen, sollten fähig sein, sich völlig zu abstrahieren, „Gott sollte ihr Erbteil sein." So standen sie da, als Abgesandte des Volkes an Gott, Beauftragte Gottes an das Volk. Sie durften nicht aus sich über das Volk den Segen sprechen. Das Volknicht' „der Geistliche" ist in Israel souverain. onV ivtt. Der Priester muß zum Segnen erst aüsgefordert werden, und die Worte ues Priestersegens werden ihm Wort für Wort vorgesagt. Aber nur der ist Priester, der von. Ahron, dem ersten Hohepriester in Israel abstammt. Wenn vermessene Reformhelden des Jahrhunderts sich angemaßt haben und anmaßen, sich Priester zu nennen und Priestersegen zu erteilen, dann hätten sie vor allem zunächst, wie der Ahronide, den Friedhof und das Sterbehaus zu meiden. Wir glauben aber, daß ihnen damit schwerlich gedient ist. Briefkasten der Redaktie». Hl in K. Auf Ihre Anfrage, ob es gestattet ist, die Tekioth, die am Rosch Haschonoh vor Müssaph geblasen werden, durch Lieder (Sie schreiben sogar durch deutsche Lieder) zu unterbrechen, müssen wir mit einem entschiedenen Nein beantworten. Der Segensspruch, der vor Beginn des- Schofarblasens gesprochen wird, gilt zugleich für die Tekioth in dem Mussaphgebet. Es ist ein ausdrücklicher Din, daß man erst nach den. letzten Tekioth, die im Mussaphgebet geblasen werden, sprechen darf.; Jede nicht zur herkömmlichen Liturgie gchörige Unterbrechung — und gewiß eine solche in deutscher Sprache -- ist verboten. * ■ ' S. in M Auf Ihre Anfrage, wie ein Esrog. beschaffen sein muß, verweisen wir Sie aus den Artikel „Vorbereitungen zum Sukkaußsest" in No. 10 des vorigen Jahrganges. Dort find alle einschlägigen Dinim zusammengestellt. Wir wiederholen hier nur nochmals, daß es nicht auf die Dicke und Größe des Esrog ankovunt — Esrog braucht nur so großzu fein wie ein Et — sondern auf die. Rein heit. Der Pittum, der Fruchtknoten, darf nicht abgebrochen sein find sonst von der Oberfläche des Esrog nichts fehlen- Seine Farbe muß gelb oder gelb grün,, darf nicht ganz grasgrün sein. ' Dr. H. in H. Mit der gewünschten Veröffentlichung wollen wir absichtlich noch warten» auf die Spitze getrieben wird, daß sie lächerlich wirkt, dann ist ja Hoffnung vorhanden, daß sie sich überlebt hat. Daß aber die in Betracht kommenden orthodoxen Streife, von denen man anzunehmen berechtigt sein sollte, daß sie die

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