Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 39 (19.9.1907)
- Date
- 1907-09-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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-brauchst ettte^ rMgiöS-sittttchen Anschauungsnterricht, her eme Mette, eine höhere Wirttichkit neben die alltägliche des Kindes setzt und das ganze bewußte und unbewußte Seelenleben des Kindes in seinen Bannkreis zieht. Keine Wahrheit ist ihm einleuchtend zu machen, außer, sie trete ihm in konkreter Gestatt leibhaftig nahe. „Eine Ueberteugung im Schüler hervorzurufeu ist unmöglich, außer man ziehe den ganzen Lebenskreis, die ganze Umwelt, welcher, jene Wechrheit entstammt, heran, sodaß alle unsichtbaren Fäden, welche immer und überall unser inneres Leben mit dem äußeren verknüpfen, auch zwischen dem Schüler und jener Anschauungswett herüber- und hinübergesponnen werden." <E. Linde:) Einen sittlich-religiösen Anschauungsunterricht verlangte schon Pestalozzi Er knüpfe die religiösen Belehrungen an Einzelfälle, Vorkommnisse im täglichen Leben der Kinder. Wir haben einen vorzüglichen Wegweiser zur Erteilung eines religiösen Anschauungsunterrichtes in der Bibel. Die biblischen Gebote verlangen in ihrer Erfüllung nirgends religionsphilosop.hische Erörterungen,' ein Leben nach dem Worte der Bibel ist ein Leben der religiösen Tat. Das religiöse Psiichtenleben des Juden bietet in seiner praktischen Betätigung über und über genug Gelegenheit, dem Kinde jedes Gebot in voller Anschaulichkeit vorzuführen, mit „der Wucht der Wirklichkeit ihm auf die Nerven fallen zu lassen." Während der sogenannte Gesinnungsunterricht Mit seinen methodischen Künsten immer auf das Herausschälen des Begrifflichen, Abstrakten hinziett, ist uns die Anschauung selbst 'das Wichtigste. Dort soll der Schüler möglichst frühe an das Abstrahieren gewöhnt werden- „man ist der Meinung, daß die . wahre Bildung eigentlich etwas dem Leben Entgegengesetztes sei, ein von der Wirklichkeil ganz abgetrenntes Gebiet, das sozusagen darüber in der Luft schwebt und sich aus dem Leben in der Weise bereichert, daß man von den Dingen dort den Begriff abzieht und ihn in dieser vom rohen Stoff gereinigten Form im Kopfe niederlegt, schön in Fächer geordnet. — Daher die Erscheinung, daß die Schüler, die am meisten im alten Sinne gute Schüler heißen, gewöhnlich zugleich altkluge Jungen sind, ohne Jugendfrische^ später eine leichte Beute verkehrter Theori en, die im Grunde immer eine falsche Abstraktion find, eine Leugnung gesunden Empfindens, und von denen in unserer Zeit die Luft wimmelt wie im Sommer von Mücken." (Hildebrand.) Die ganze wissenschaftlich aufgebaute Systematik im Religionsunterricht ist eine für Kinder verfrühte Abstraktion, das Ergebnis eines kaltlogischen Mit abgezogenen Begriffen arbeitenden Denkverfahrens wobei auf das gesunde lebendige Empfinden keine Rücksicht genommen ist. Begriffe sollen im UnteMchte nebMöei eitigeheimft werden, nämlich dann, wenn sie dem Schüler als reife Frucht in den Schoß fallen. Wer in unmittelbarem Verkehr mit seinen Schülern steht, — ohne die Scheidewand des Buches -7dem kann nicht verborgen bleiben, daß die Schüler mitten aus der lebendig nachempfundenen Einzelerscheinung heraus nach dem Allgemeingedanken schmachten und daß sie befreit aufatmen, wenn man ihnen den im rechten Augenblicke gibt, „weil sie ihndann wirklich einsehen, d. h. in Wirklichkeit drin sehen." Man rümpft heute in.jüdischen Lehrerkreisen gerne die Nase über den alten Chedermelamed in dem stolzen Bewußtsein, daß wir im Unterricht jetzt alles viel besser, psychologischer, — methMscher machen. Das eine aber hatte der alte MAamed unserer Methode gegenüber voraus: er ließ die Stoffe des Pentateuch ohne viel Künste cyif die Seele wirken, er trieb durch seinen UMrricht in Dinim bisweilen sehr zweckmäßigen prMischen Anschauungsunterricht und trug so unbewußt dem religiösen Empfinden und den §etstigm.r-.KächMMMeWOWGm deK Mischen -ebens mehr Rechnung als die heutige, allgemein ats wissenschaftttch und psychologisch bezeichnete Methode. Ein erfahrener Schulmann schreibt: „Wir müssen anspruchsloser und vertrauensvoller werden im Unterrichte". — Das Beste, was wir tun können, besieht darin, daß wir der Seele die Nahrung mit Auswahl bieten. Man scheint aber nicht zu wissen, daß die Seele von selber wächst, denn wir begnügen uns nicht damit, daß wir dem Geiste die Nahrung reichen: „Da muß noch in den Verdauungsprozeß eingegriffen werden - da muß alles verknüpft, aus allem eine Lehre gezogen, alles angewandt werden." Möchte man doch mehr Hildebrands Wort beachten: „Gott und Natur helfen, daß Geist und Gemüt zusammen wachsen und gedeihen, wenn man nur in ihr stilles Wirken nicht störend eingreift." (Fortsetzung folgt.) Die soziale Wirksamkeit des jiidiscbea Cebrers. In einer von sozialen Kämpfen so heftig bewegten Zeit geziemt es sich wohl, daß sich auch der jüdische Lehrer klar wird über die Aufgaben, die seiner auf sozialem Gebiete harren. Wohl muß daran festgehalten werden, daß seine Haupttätigkeit der Schale gilt. Aber man darf sich der Wahrnehmung nicht verschließen, daß das Leben auch Anforderungen an ihn stellt, die ihn aus den engen Räumen der Schulstube hinausführcn und ihn mitten in das Weltgetriebe versetzen. Seinem Berufe wird er durch eine soziale Wirksamkeit nicht entfremdet. Schon Diesterweg verlangt, daß der Lehrer „ergriffen sei von allen Angelegenheiten, die die Menschheit bewegen"- bei näherem Zusehen wird man aber auch bemerken, daß diese Fragen tief in das berufliche Leben des Lehrers einschneiden. Stellen wir vor allem den Umfang dieser Tätigkejt fest. Man kann ja die Definition Heigel's, daß der Sozialismus im Grunde genommen nichts anderes sei als das Streben nach Erreichung eines idealen Zustandes, für eine ziemlich vage ansehen und man muß ihm doch darin zustimmen, wenn er aus dieser Begriffsbestimmung heraus für die soziale Betätigung zwei Hauptrichtungen unterscheidet: die ethisch-soziale, die vorzugsweise eine Hebung der Sittlichkeit anstrebt und die ökonomisch-soziale, deren Ziel die wirtschaftliche Besserstellung der Menschheit ist. In letzteres Gebiet fallen auch die Armenpflege und die Wohlfahrtseinrichtungen. Nach beiden Richtungen hin kann und soll der jüdische Lehrer eine rege Tätigkeit entfalten. Die Frage, ob unsere Gemeinden der sittlichen Hebung bedürfen, ist scheinbar 'eine sehr einfache. Selbstverständlich ist eine solche notwendig, wird jeder erwidern. Biel schwieriger und heikler wird die Sache, wenn man daran geht, festzustellen, in welchen Dingen eine Besserung.anzustreben ist. Sie ist um so schwieriger, weil unsere Feinde uns tagtäglich unsere Fehler vorwerfen und neue hinzudichten, alles maßlos vergrößernd und vergröbernd, ja selbst anerkannte Tugenden unseres Volkes zu Fehlern stempelnd. Angesichts dieser ständigen Vorwürfe sind wir Juden reizbar geworden, sodaß es zuweilen schwer fällt, wirklich vorhandene sittliche Gebrechen und Mängel ungescheut besprechen zu können und der jüdische Lehrer als Prediger echter Sittlichkeit, als Schärfer des sittlichen Gewissens seiner Gemeinde, - als Mahner und Warner hat wahrlich keinen leichten Stand, besonders-da seine soziale Stellung keine derartige ist, daß er freimüttg alle Schäden klarlegen und auf ihre Beseittgung dringen könnte. Und doch muß er es tun um) er darf es getrost, wenn er darauf hinweist, welch hohe Anforderungen das jüdische Gesetz in dieser Beziehung an seine Bekenner stellt, daß wir dem biblischen Gebot: „heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich der Ewige, Euer Gott", bei weitem nicht gerecht geworden sind, und dich es uns schlecht ansteht, unsere Mängel verheimlichen zu wollen: orrn' aryi nnivi nw mb i'pNL hddo Schön das offene Bekenntnis vorhandener Mängel zeugt von sittlicher Kraft, die Selbstgerechttgkeit aber ist der schlimmste Feind jeder Besserung. Wichtiger freilich als die Aufdeckung der Fehler erscheint uns die Erhaltung der -alten jüdischen Tugenden und zwar deshalb, weil sie uns teilweise stark gefährdet erscheinen. Eduard von Hartmann in seiner Schrift „DaS Judentum in Gegenwart und Zutuns zählt als solche auf: Nüchternheit, Mäßigkeit, Geduld, Zähigkeit, Elastizität im Unglück, Arbeitsamkeit, Emsigkeit, Betriebsamkeit, Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit, Häuslichkeit, Familiensinn, Kinderliebe, Schätzung und Hochachtung der Frauen, Pietät vor den Eltern, Wissensdrang, B.ldungsstreben und Lerneifer, praktischer Realismus, religiöser Sinn, Abneigung gegen Krieg, Gewalttätigkeit und Verbrechen, Wohltätigkeit u. s.w. Wie man sieht, eine stattliche Reihe von Tugenden, die ein Gegner uns zugesteht. Aber bei manchen dersetben müssen wir jetzt ein großes Fragezeichen machen und es erscheint uns als eine Hauptaufgabe des jüdischen Lehrers, in seinen Schiurvorträgen und Predigten auf das Schwinden des religiösen Sinnes, auf Abnahme der Sparsam-- keit und Häuslichkett, auf das Nachlassen der echten Wohltätigkeit immer und immer wieder hinzuweisen. Das was man so häufig zu rügen und als besondere Fehler unserer Glaubensgenossen hervorzuheben pflegt, wie mangelhafte Sprache, ein Sichgehenlaffen, unbescheidenes Auftreten im Um- Für de« Reklameteil ist die Stetafttai nicht vernnt. wörtlich; taatefMkm ist eS anSfchliestttch Sache In Leser, die int Reklaweteil enthaltenen Empfehlungen rituelle* Waren oder sonstige Angaben religionsgefetzlichen «haratters ans ihre Zuverlässigkeit zu pritfen. Kaiser Friedrich Qualle 6846) Ottenbach a. 1. ,Oege 11 dicht a. Rheaanatiaiaas bewhhrt.4 4 Landeshuter | □ Leinen- und Gebild-Weberei F.V.Qrünfeld Königl., Grossherzogi. n. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W-, Aptzmlmn lll Grösste AnswaW aller Wäscheartikel flr in Bmöedarf. Hirni inztr ilisstittiiKi. Preisliste mit AblilMttnven sowie Kesten' anschlSge zu Diensten- (7959) ^Künstliche n. natürliche Mineralwasser^ Aepselwein (6777) ZU. ülsacnbaam, Frankfurt a. M., Ostendstr. 75. ———-Telephon 5441. liefert frei mS Klaschenbier Hau» V. J ES hat nicht jeder Gold in der Kehle, aber dennoch wird jeder verständige Mensch ebenso gut wie der größte Sänger darauf bedacht sein, sich vor Heiserkeit und vor Erkältungen der Luftwege und des Halses zu schützen und gegen vorhandene Erkältungen anzukämpfen. Kays ächte Sddener Mineral-Pastillen nützen, wo man nuc: Vorbeugen will, und sie tuir Wunder, wenn toiim einen Katarrh los sein möchte. Und eben, darum ist es klar, daß man in allen Erkältungsfällen in der nächsten Apotheke, Drogerie oder Mineralwasserhandlung für 85 Pfennig eine Schachtel Fays ächte Sodener kaust und nach Vorschrift verwendet.