Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1907-09-19 · Heft 39 (19.9.1907) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 39 (19.9.1907)
Date
1907-09-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449244-2449284--63818-3519948
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gange mit Andersgläubigen u. dgl. m. mag uns ja in den Augen unserer christlichen Mitbürger herabsetzend und in Schule und Synagoge muß dagegen geeisert werden, nur hüte man sich, die Meinung der Außenwelt für den alleinigen Maßstab der sittlichen Beurteilung anzusehen. Es «giebt andere, viel tiefer sitzende Nebel, die uns schwerer schädigen als alles, was uns sonst vorn wird und hier muß seitens des Lehrers lel angefetzt werden. Nur auf eines dersÄben möchte ich heute Hinweisen: es ist ein altes Erbübel unseres Volkes, der run nttit? und die daraus entspringende Zwietracht, Uneinigkeit und * Feindschaft in den Gemeinden, besonders in den ländlichen. Durch Din nw» wurde der Tempel zerstört und durch ihn werden noch heute unsere Gemeinden in ihren' tiefsten Tiefen aufgewühlt und die besten Kräfte lahmgelegt. Der Konkurrenz- und Brotneid ist es nicht allein, der den Haß und den Streit hervorruft, sondern es ist häufig eine gewisie Lust an Zank und Hader, die sich in unseren Gemeinden breit macht. Wenn wir als Ziel der gesamten Menschheit den allgemeinen Frieden, als die edelsten Tugenden des einzelnen Menschen die Sanftmut, Gelaffenheitund Friedensliebe ansehen, so müssen wir leider gestehen, daß wir noch sehr weit von diesem Ideal entfernt sind, denn unsere Gemeinden bieten durch kleinliche Zänkereien oft ein so widerwärtiges Bild, daß es zu einem wahren nvn TPn wird. Hier kann der Lehrer durch sein eigenes Beispiel, durch -Ermahnung, Belehrung und persönliche Einwirkung großen Segen stiften, hier kann er zu einem wahrhaften Schüler Aharons werden D1?V rpTi DW 2HK den Frieden nicht nur liebend ondern ihn auch befördernd Nicht minder bedenklich ist ein anderer Fehler, der bereits angedeutet wurde, nämlich der immer mehr überhand nchmende Materialismus und ein gewisser Epikuräismus, der Hang zum Wohlleben, zum Luxus in Wohnung, Kleidung und sonstiger Lebensführung. Wohl ist es wahr, daß die genannten Schäden unserer ganzen Zeit anhaften und nicht spezifisch jüdische sind. Das entbindet uns aber nicht von der Pflicht, sie energisch zu bekämpftn, denn wir werden durch sie schwerer geschädigt als die nichtjüdische Welt. Ob wir große Erfolge bei diesem Feldzuge gegen Genußsucht und Ueppigkeit erzielen werden, ist billig zu bezweifeln, eben weil ihre Verbreitung eine so ausgedehnte ist, aber je tiefer der Schaden sitzt, mit desto größerer Kraft muß ihm zu Leibe gegangen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die altjüdische Sparsamkeit und Einfachheit hingewiesen werden. Korrespondenzen >. Nachrichten. Aus Bayern. Es wird die Leser dieses Blattes vielleicht interessieren zu hören, daß das „Lehrerproletariat", von dem jüngst so viel die Rede war, in Bayern, glücklich beseitigt ist Eine Gemeinde, die ihre Stelle bisher mit 470 cJC. Gehalt ausgeschrieben, hat sich veranlaßt gesehen, „der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb", noch 50 Ji zuzusetzen. In Anbetracht dessen, daß der betreffende Lehrer auch den Unterricht in einer Filialgemeinde mitversehen muß, ohne dafür eine besondere Vergütung beanspruchen zu können, ist diese Gehaltserhöhung als das Zeichen zum Anbruch einer besseren Zeit mit großer Genugtuung zu begrüßen. Eine andere Gemeinde, die nur 500 Mark Fixum zahlt, geniert sich offenbar ihren Namen der öffentlichen Neugierde preiszugeben nnd erläßt die nachfolgende Annonce: „In einem schönen Marktflecken Unterftankens wird ein seminaristisch gebildeter Lehrer, Vorbeter und Schochet gesucht. Fixum 500 Mark nebst schöner Wohnung! Dieses Fixum erhöht sich durch einträgliches Schächten wie durch Gelegenheit zu Nebenverdiensten bis zu 1500 Mark. Offerte sub. N. N. an . . . ." Die Gelegenheit zu Nebenverdiensten besteht gewöhnlich darin, daß der Lehrer für kärgliches Entgelt die Bücher eines reichen Viehhändlers führen, oder Agenturen für Lebens- Feuer- Hagel- und Unfallversicherung übernehmen oder einigen Kindern recht schlecht bezahlten Privatunterricht erteilen kann u. s. w. Aber immerhin, es gefällt uns, daß die Gemeinde „in dem schönen Marktflecken" Bescheidenheit zu üben weiß und daß sie wenigsten andeutet, wie hoch das Einkommen des Lehrers steigen kann, wenn er sehr fleißig ist und sich beliebt zu machen weiß. Sie verfährt gerade umgekehrt wie die Gemeinde Offenbach, die vor nicht langer Zeit bei der Ausschreibung ihrer zweiten Lehrerstelle überhaupt kein Gehalt angegeben, sondern einfach Offerten mit Gehaltsan'sprüchen erbeten hat, als ob es sich um das Engagement eines Kommis handle. Wir ziehen das Verfahren der anonymen unterfränkischen Gemeinde entschieden vor und leiten daraus die Berechtigung zu unserer Behauptung ab, daß sich die Verhältnisse in Bayern gebessert haben. Doch Scherz beiseite. Es ist tieftraurig, daß solche Anonncen noch erscheinen können. Wir beabsichtigen nun keineswegs, bloß mit dem Finger darauf zu deuten und eine Jeremiade über die Lage der jüdischen Lehrer anzustimmen, sondern wir möchten der betreffenden Gemeinde einen guten Rat ereilen, der sie der Notwendigkeit enthebt, ihren Namen geheim zu halten. Eine uns bekannte kleine Gemeinde mit einer einträglichen Schechita garantierte dem Lehrer den Ertrag aus der Schechita auf vorläufig 3 Jahre, sodaß er ein gesichertes Einkommen von 1300 Mark besitzt. Ebenso wurden die früher bestandenen enn swo - Gelder fixiert und Lehrer und Gemeinde befinden sich wohl dabei; Der Erstere ist unbabhängig von der Laune und Willkür der Gemeindemitglieder und Letztere leiden ohne größere finanzielle Belastung nicht mehr wie früher am Lehrerwechselfieber. Eine Gemeinde kann auch eher als der Lehrer das Risiko der schwankenden Einnahmen aus der Schechita tragen. Wir hoffen, daß das angeführte Beispiel Nachahmung finden wird; es wird wenigstens einigermaßen zu einer Gesundung der Verhältnisse "beitragen. Fir den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere Ist es ansschllessllehSaChe der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen rltneHerWaren oder sonstlgeAngataen reUglonsgesetzllchenSharakters auflhreZererlässlgkellzn prüfen. Jsraelitisehe Stellenvermittlunp-Centrale, Frankfurt a. Main. In folgenden Branchen sind bei uns z. Z. eine größere Anzahl offener Stellen von am Sabbath geschloffen haltenden Geschäften gemeldet: Wei,»Handlungen, difflwwt*«, Getreide «nd Kandesprodnkte, Mannfaktnrivaren. Geeignete Bewerber wollen sich sofort melden. Die Vermittlung erfolgt kostenlos. , (8733 J*r. Stellenvermittlungs-Centrale (Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit) Frankfurt a. M.y Schutzen st passe 14. Nr a IMkOn les laien wird ein jüngerer Reöacfeur von streng religiöser Gesinnung mit gründlicher jüdischwissenschaftlicher und allgemeiner Bildung und gewandtem Stil gesucht. Kenntnisse im Französischen und Englischen erwünscht. Ausführliche Angebote sind an die . zu richten. - fnnUirt a. Mali. Intibin Hirsch Jeschurun-Heste, complett oder einzeln, sowie hebräische Bücher zu kaufen gesucht. Augebote unter genauer Angabe des Titels und der Nummern nnter B. Z. 1000 an Haasenstei« Lt Bögler A.-G.. Frankfurt a. M. Alte, jüdische jgtittraitot j | in Silber etc. zu 1 Angebote unter 300" ] I an Haasenstei« 3 Bog- ' >lerA.-G.Srankf.a.Mk lHaudarbeiten von künstlerischem Wert) Mptf# Neulösung r« Gunsten guter Zwecke Ml Frankfurt a. 91., Am Tiergarten No. 8. ^^8015191514

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.