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Der Israelit · 1907-09-19 · Heft 39 (19.9.1907) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 39 (19.9.1907)
Date
1907-09-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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19. September 1907. ^>er JSraeltt. Seite U. 9b. 8t: bet Herrn David Hamburger, Grünestraße 29 aufzugeben. He»litt, 18. Sept. Der Verband der Sabbathfreunbe hat feine Propagandatätigkeit sofort nach Beendigung der Ferienzeit wieder ausgenommen. So fanden am vergangenen Sonntag Versammlungen in Hersfelb und Rhina statt, die in beiden Orten zur Bildung von Ortsgruppen führten. In Hersfeld erfolgten über 60, in Rhina gegen 50 Anmeldungen als Mitglied. Das einleitende Referat in beiden Versammlungen hielt der Vorsitzende der Frankfurter Ortgruppe, Herr Moritz A. Loeb. An gleichem Tage wurde durch Herrn Prov.-Rabb. Dr. B a moerger-Hanau in Sterbfritz eine Ortsgruppe inS Leben gerufen. Der Gesamtverband umfaßt jetzt über 80 Oitsgruppen mit mehr als 4000 Mitgliedern. Berti«, 15. September. Das Herannahen des Winterhalbjahrs, das stets zahlreiche jüdische junge Leme nach Berlin zieht, bietet Gelegenheit, von neuem auf den Israelitischen Fortbildungverein „Montefiore" und auf seine Bestrebungen hinzuweisen. Seit mehr als 20 Jahren ist der Verein bemüht, der jüdischen Jugend Berlins einen Mittelpunkt und ein Heim zu bieten. Und wiederum hat er nach dieser Richtung einen bedeutsamen Schritt vorwärts getan. Die bedeutend vergrößerte«, aus einem Vortrags, aal und zwei geräumigen Btbliotheks- und Lesezimmern bestehenden neuen Vereinsräume werden am 10. Oktober im Hause Gipsstraße 12a eröffnet. Damit hat der Verein eines seiner vornehmsten Ziele, seinen Mitgliedern ein in jeder Beziehung gemütliches Heim zum Lernen und für die Geselligkeit zu bieten, erreicht. Die bedeutendsten jüdischen Gelehrten Berlins haben sich dem Verein in hochherzigster Weise für seine Schiuriw zur Verfügung gestellt. Und so war es denn möglich, den Lehrplan für das Wintersemester bedeutend zu erweitern und einem Jeden, der lernen will, Gelegenheit zu bieten, sein Wtsien auf dem Gebiet des jüdischen Schrifttums zu ergänzen und zu vertiefen. Durch die neue Einrichtung eines wöchentlichen Bereinsabends und dadurch, daß die Vereinsräume jeden Abend in der Woche und am Sabbath den ganzen Tag geöffnet sind, erhält die Geselligkeit und der Zusammenschluß unter den Mitgliedern die weitgehendste Förderung Jedem alleinstehenden jungen Mann wird hier der denkbar beste Ersatz des heimatlichen Hauses geboten. Die Erfolge, die der Verein in den letzten Jahren unter beschränkten räumlichen Berhältniffen, dank der lebhaften Teilnahme seiner Mitglieder am VeremsKben, hat verzeichnen können, laffen erhoffen, daß er mit seinen neuen Einrichtungen einer von segenreicher Wirksamkeit erfüllten Zukunft entgegen geht. Es ist zu wünschen, baß fich der Verein immer der ausgiebigen ideelen und materiellen Unterstützung der Berliner Gesinnungsgenossen zu erfreuen haben möge. Berlin, 15. Sept. Gestern fand eine Mitgliedergliederversammlung der hiesigen M i s r a ch i - Gruppe statt, in der der Borfitzende, Herr Hermann Struck, über oen Kongreß berichtete. Herr Struck stellte am Schluffe seiner Ausführungen fest, daß der Misrachi mit seinen Erfolgen auf dem Kongreß doll und ganz zufrieden sein kann. Bor allen sei der Beschluß der misrachistischen Delegierten, in Palästina eine Mittelschule zu gründen, überall mit Beifall ausgenommen worden. Es schloß fich hieran eine lebhafte Aussprache über die vorbereitenden Schritte zur Gründung dieser Schule an. Eingehende Behandlung fand auch die Frage der Neuorganisation des Misrachi, dem nach dem Kongreßbeschluß die Möglichkeit geboten wurde/ eine eigene Föderation zu bildenwenn er über 3000 Schekelzahler in allen Ländern verfüge. Es wurde beschloffen, überall Vertrauensmänner zu ernennen und sich an die Oeffentlichkeit mit einem Aufruf zu wenden, alle Schekelzahlungen nur an die Vertrauensmänner abzuführen, um so festzustellen, wie groß die Zahl der mistachistischen Zionisten ist. Zu diesem Zwecke werden alle misrachistischen Gesinnungsgenossen in Deutschland gebeten, ihre Adresse einzufenbm. Schließlich wurde bestimmt, daß nach den Feiertagen eine öffentliche Versammlung stattfinöen soll, zu der Herr Lazarus Barth das Referat übernahm. Berlin, 12. September. Am 19.. August hat im taag die konstituierende Versammlung der literarischen esellschaft „Sinai" zur Förderung des hebräischen Schrifttums stattgefunden. Es wurde mitgeteilt, daß Herr S. H urw itz, Mitglied des Zentralkomitees in Berlin, dem eisernen Fond eine Spende von 10,000 Mk. zugewtesen hataußerdem find noch andere ansehnliche Beiträge eingelaufen, sodaß die Gesellschaft, die in Berlin ihren Sitz hat, in den Stand gesetzt ist, vom 1. Oktober ab eine hebräische Quartalschrift Heatid", als ihr Organ herauszugeben. Die Gesellschaft gedenkt tn der nächsten Zeit ihr Programm zu veröffentlichen. Die Mitgliedschaft wird durch einen Jahresbeitrag von 10 Mk. erlangt, wofür sämtliche Publikationen der Gesellschaft mit einer Ermäßigung von 25 °l0 geliefert werden. * Personalien. ’ jt Eschwege, 16. Sept. Unter allgemeiner Beteiligung der jüdychen wie nichtjüdischen Bevölkerung höben wir heute den langjährigen Vorsteher unserer Gemeinde, Herrn Levi Brinkmann, zu seiner letzten Ruhestätte auf Erden geleitet. Weit über die Grenzen unserer Stadt und unserer Provinz hinaus ist der Name Levi Brinkmanns gedrungen. Hatte er es doch verstanden als sellmsäe man seine Firma aus kleinen Anfängen heraus zu einer der ersten der ganzen Branche innerhalb Deutschlands zu entwickeln, so den Beweis liefernd, daß man auch als gesetzestreuer Jude auf Erringung be- «>nder. Etschäftlicher Erfolge nicht zu verdickten braucht. Trotz feiner umfassenden beruflichen Tätigkeit fand Herr Brinkmann stets Zeit auch den Anforderungen der Allgemeinheit gerecht zu werden und fich insbesondere allen jüdtich.n Angelegenheiten mit Hingebung und Eifer zu widmen. Sem Haus stand nach alter guter jüdischer Litte den Armen und Bedrängten jederzeit offen und gr.ß ist die Zahl derer, die bei ihm und seiner edlen Gattin Rat und Beistand gefunden haben. Wie sehr ihm seine Herzensgüte, sein gerader gerechter Sinn die Herzen aller gewannen, davon legte die allgemeine Teilnahme Zeugnis ab, der auch Herr Rabbiner Dr. Cohn in seiner Grabrede ergreifenden Ausdruck verlieh. . S5 C »-4. inderecke. „Der da lernt, um es wieder ju lehren, dem gelingt es“ etc. 6 ,t:h plD Von N N. Ein rat? Nachmittag ist es. Im gemütlichen Lesewinkel der Sukko geschützt von den sengenden Sonnenstrahlen, sitzt ein junges Mädchen. Die '•pio liegen aufgeschlagen auf dem Tische. Mit sichtlichem Interesse gibt sie sich der Lektüre hin. Jetzt stützt sie nachdenklich das Kinn in die Hand. Halblaut flüstert sie Hillels Spruch vor sich hin: „Ein Ungebildeter scheut die Sünde nichtein Unwiflender kann nicht fromm seinder Schüchterne kann nichts lernen und der Allzustrenge taugt zum Lehrer nicht." — Eifrig nickt sie mit dem Kopfe, als wollte sie die Richtigkeit dieser Worte bekräftigen. „Ein Ungebildeter scheut die Sünd nichtein Unwissender kann nicht fromm sein", zitiert sie wieder, um die Sätze recht fest ihrem Gedächtnisse einzuprägen. Da schreckt sie plötzlich empor. Lautes, stoßweißes Schluchzen ertönt von kläglichem Hundegebell begleitet. Dazwischen erschallt in Absätzen der Hilferuf „Tante! Tante Rahel!" Besorgt erhebt sich Rahel. Da ist aber schon ihr Liebling, das 5jährige Töchterchen ihres Bruders. Stürmisch schlingt der Wildfang die Arme um die Knie der jungen Tante, die beruhigend den braunen Lockenkopf streichelt. Endlich rieseln die Tränen sachter. „Was ist geschehen, Lea?" Erneutes Schluchzen. „Tante, Fri— Fri— Fritz hat Bella geschlagen!" Empört wird die Freveltat des 6 jährigen Spielgefährten herausgeschrieen. Ehe noch Rahel die Ursache der grausamen Handlung erforschen kann, stürzt der Missetäter in den Garten, einen niedlichen Terrier im Arme haltend. Atemlos langt er» bei der Gruppe an, erkennt die Sachlage und fällt gleich mit der Türe ins Haus: „Weißt du auch, Tante, daß Lea gestern unfern Flick mit einer Rute gehauen hat?" „Warum hast du mich nicht bauen lassen!" fällt das Nichtchen kriegerisch ein. „Du bist viel zu dumm dazu!" schreit Fritz eroost. Zornig blitzen die Augen der beiden Kampfhähne. Aengstlich hütet jedes Kind seinen vierffüßigen Liebling. Gerade will Klein-Lea den Mund öffnen zu einer schmetternden Erwiderung auf die grobe Beleidigung, als die Richterin, von einem Gedanken ergriffen, den die vorherige Lektüre ihr eingibt, rasch die Kleinen fragt, ob sie ein Geschichtchen hören wollen. „Ja, Tantchen, aber lang muß es sein", ruft Lea. Fritz nickt eifrig. Vergessen ist der Hader. — In der Sukko wird Platz genommen. Rasch klettert das flinke Mädel auf Tantes Schoß. Bello, nicht minder schnell, springt auf den der kleinen Herrin. Fritz und Flick sitzen auf dem Fußbänkchen. Die Er- I zählstimmung ist da. Und Rahel beginnt: Es lebte einst eine Hundefamilie in Holzschuppen unseres Hauses. Sie bestand der Großmutter, dem Vater, der Mutter 7 Hundekindern. Letztere waren so hübsch drollig, daß auch die Menschenkinder in Nachbarschaft ihre Freude an ihnen hatten. Bald aber mußten die kleinen Hunde ihr Heim dem aus und und der | verlassensie kamen in den Dienst. Nur einmal ' in der Woche, an ihrem Ausgehtage, versammelten sie sich um die alte Großmutter, die meist im weichen Lehnstuhle saß. Sie hatte ihre Enkelchen lieb und erzählte ihnen gern Geschichten von braven Hündelein. Auch hatte sie oft etwas Gutes für die Leckermäulchen, bald ein Endchen Wurst, bald ein Stückchen Speck. Wieder war der Tag herangekommen, an dem die 7 Geschwister für ein paar Stunden zu Hause sein durften. Nach der Begrüßung wurden die Erlebnisse der Woche berichtet. Wer brav und gelehrig sich gezeigt hatte, erhielt ein Lob und eine Leckerei, die anderen aber bekamen nichts und noch Schelte dazu. Bis jetzt hatte die Großmutter nur zu loben. Nun kam der schwarzhaarige Flick an die Reihe zu erzählen. Aber er hatte mit eingezogenem Schwänze fich in die Ecke geschlichen. Dicht neben ihm kauerte sein Zwillingsbrüderchen Flock. „Was geht mit euch beiden vor?" fragte die Großmutter in strengem Tone. „Wau! Wau!" heulten die Hündchen, „wir haben alle Tage Schläge bekommen." „Warum?" — Flick und Flock sahen einander verlegen an und schwiegen. „Wart ihr faul? Habt chr in der Sonne gelegen, anstatt das Haus zu bewachen oder Ratten und Mäuse zu fangen?" — „Nein! Wau! Wau!"— „Weshalb sonst?" fragte die zärtliche Mutter, indem sie die weinenden Hundekinder tröstend leckte. „Wir wissen es nicht. Wauwau!" — Ausführlich mußten sie erzählen, und es kam heraus, daß die beiden Nachbarskinder, bei deren Eltern Flick und Flock dienten, gegenseittg die Hunde schlugen, wenn sie sich gezankt hatten. So rächten sie sich aneinander. Da bellte der mutwillige Terry zornig: „Kommt, ihr. Brüder und Schwestern, wir wollen die bösen Kinder tüchtig beißen!" Schon liefen alle der Türe zu. ,Zalt!" rief da die Großmutter. Verwundert kehrten sie zurück. „Wie!" sagte sie vorwurfsvoll, „ihr Sieben wollt zwei kleine Kinder überfallen, die sich gegen so viele nicht wehren können! Schämt euch! Sie wissen nicht, daß man Böses nicht mit Bösem vergelten darf. Auch haben sie noch nicht gelernt, daß es eine Sünde ist, unschuldige Geschöpfe zu quälen. Gebt ihnen ein Beispiel an Edelmut und tut ihnen nichts zu leide." Gern versprachen dies die guten Hunde. — Atemlos lauschen die Kinder. Ein ttefer Seufzer Leas bekundet ihr Verständnis an der Erzählung. Scheu sieht sie ihren Spielkameraden an. Plötzlich springt sie auf ihn zu, reißt Flick aus seinem Arm und will das venmtzte Tier fast erdrücken vor lauter Liebe. — Fritz nimmt Bello mit zarter Hand vom Boden auf, streichelt ihn und flüstert ihm ins Ohr: „Nie wieder werd' ich dich schlagen, kannst mir's glauben." Hand in Hand gehen die versöhnten Kleinen auf den Spielplatz und einträchtig folgen ihnen die beiden Hündchen. TamiliennacDri^ren. Geburten: Ein Sohn: Emil Isaak, Frankfurt a. M. — I. Landau, Fürth i.B. Versterben: Johanna Süß, 8'i« I., Mainz. — Regina Rothschild, 79 I., Frankfurt a. M. Bei der Redaktion eingegangene Kalender für 5668: Illustrierter Jüdischeramilienkalender. Berlin-Leipzig. Modernes Berlagsbureäu Kurt Wigand. Israelitischer Kalender in München. München. Max Guggenheim. Jüdischer Portemonnaiekalender. Berlin. M. Poppelauer. Sabbat-Anfang u. Ausgang. ORT: Anfang Datma Ausgang UhrlMin. 1907 5667 UhrlMin. Sl.Sep. 13. Tischri Frankfurt a M 5 55 7 15 Berlin .... — — « 51 München . . . 5 4f> 6 53 Stratzbnrg . 6 00 7 10 Posen .... — — v 37 Nürnberg . . — — 6 58 Hamburg. . . 7 05

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