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Der Israelit · 1907-09-19 · Heft 39 (19.9.1907) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 39 (19.9.1907)
Date
1907-09-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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19. September 1907. Der Israelit Seite 10 l ‘t: K- V - k - eine zugewanderte Frau mit ihrem kleinen Kinde ungerechterweise zurückgewiesen wurde. Es ist das ein besonders kraffer Falldeshalb verdient er aus der großen Zahl der nicht gerechtfertigten Zurückweisungen hervorgehoben zu werden. Die Frau besaß die vorgeschriebenen 7 Pfund. Sie erklärte, ihr Gatte, der in Newyork sei, habe ihr geschrieben, sie solle zu ihm herüberkommen, und sie zeigte einen jüdisch geschriebenen Brief des Mannes vor, um ihre Behauptung zu beweisen. Der Dolmetscher sagte jedoch vor dem Board of Immigration, aus dem Brief gehe hervor, daß der Gatte die Scheidung von der Frau wünsche. Die Frau wurde demzufolge nach Rußland zurückgeschkckt. Nachdem der Board seine Entscheidung hatte ergehen lassen, war der Brief von einer Privatperson gelesen worden, die feftftellte, daß von einer Scheidung darin mit keinem Wort die Rede sei, vielmehr richtig stehe, was die Frau vorgebracht babe. Das Home Office, an das sich diese Person mit ihrer Erklärung wandte, änderte aber merkwürdigerweise die Entscheidung nicht ab. London, 6. September. Dieser Tage kamen hier 200 rumänische Juden an, die von ihren Wohnsitzen auf den Dörfern vertrieben worden waren. Dieselben waren auf der Ueberfahrt Nach Amerika begriffen. Bulgarien« Sofia, 13. Sept. An den Feierlichkeiten, die das bulgarische Volk anläßlich des zwanzigjährigen Negierungsjubiläums des Fürsten Ferdinand veranstaltete, haben auch die jüdischen Bürger eifrigen Anteil genommen. In allen Synagogen wurde Festgottesdienst abgehalten. Eine Deputation, die aus den hervorragendsten Mitgliedern der spaniolischen Gemeinde bestand, überreichte dem Fürsten im Namen der bulgarischen Judenheit eine kostbar ausgestattete Adresse. Der Fürst dankte gerührt für die herzlichen Wünsche der jüdischen Bevölkerung und bat die Deputation, ihre Glaubensgenossen der Sympathie und der freundlichen Gesinnung zu versichern, die der Fürst für sie hege. Es sei sein heißester Wunsch, daß die Judenheit Bulgariens materiell und geistig sich entwicklen und fortschreiten möge. - Nrrrnänierr. Bukarest, 11. September. Aus Rußland in Jassy eingetroffene Reisende bestätigen die Meldungen von Ausschreitungen gegen die Juden in Kischenew. Die Exzesse begannen Sonntag nachts und wurden von aus Odessa eingetroffenen Rowdies, denen sich der Mob anschloß, begangen. Die Reisenden erzählen schreckliche Einzelheiten. In einer Vorstadt zündete der Mob ein Holzlager an und trieb die aus dem Schlaf geweckten Juden der Umgegend gegen die Brandstätte. Die Polizei verhält sich vollständig passiv. — Aus dem Städtchen Kalarasch, welches gelegentlich des Pogroms vor zwei Jahren zur Hälfte eingeäschert worden war entflohen fast alle Juden. Die Juden wandten sich an den Gouverneur um Schutz. Dieser beobachtet aber unter dem Eindruck der Vorgänge in Odessa und den Drohungen Kruschewans eine unentschlossene Haltung. — In dem Kellerraume eines jüdischen Wirtshauses in Kischinew entstand in der Nacht eine Explosion durch wahrscheinlich vom Gesindel hineingelegtes Pulverdie einzige Tochter des Wirts, welcheIzuerst erwachte und flüchten wollte, wurde von den Mordgesellen auf offener Straße ereilt und niedergemacht. Rußland Petersburg, 13. September. (Sine bewaffnete Bande überfiel das Städtchen Perlitz, mißhandelte die Juden und warf mehrere jüdische Kinder in einen Brunnen, wo sie ertranken. Auch aus anderen Orten Bessarabiens sind derartige Judenverfolgungen gemeldet. Odessa, 16. September. Während der Beerdigung des ermordeten Polizei-Offiziers Chartschenko ertönten vielfach Revolverschüsse; viele Personen wurden verwundet. Die jüdische Bevölkerung des Stadtteils Moldawanka ist in größter Aufregung. Es wurden , massenhaft Haussuchungen vorgenommen, wobei 30 Juden verhaftet wurden. Der Stadthauptmann beruhigt die Bevölkerung. Odessa, 13. September. Gestern besuchte der neue Stadthauptmann von Odessa,» General Nowicki, das jüdische Hospital, wo er mit dem auf der Moldawanka verwundeten Juden Komaschtschenko eine kurze Unterhaltung hatte. Hierauf inspizierte der General das Hospital. Seit Nowickis Ankunft herrscht in der Stadt Ruhe. Die Polizeiwachen sind an vielen Stellen verdoppelt worden. Türkei. Konstantinopel, 13. Sept. Wir haben jüngst mitgeteilt, daß die Gemeinde Salonichi beim Großvezier vorstellig geworden sei, daß die Regierung ihre ursprüngliche Entscheidung in Sachen R. Jakob Meirs rückgängig machen und ihm die Genehmigung zur Uebernahme des Rabbinats von Salonichi erteilen möge. Die Regierung hat jedoch dem Gesuch nicht stattgegeben.MR.'Jakob Mett erhielt den Befehl, die türkische Hauptstadt, in der er sich aufhielt, sofort zu verlassen und nach Palästina zurückzukechren. Er ist daraufhin mit einem französischen Dampfer nach dem heil. Lande abgereist. Australien. Sydney, 9. August. Die jüdische Bevölkerung von Australien verteilt sich hauptsächlich' auf die Städte. In den größeren Städten gibt es jüdische Gemeinden. Aus dem Land dagegen sind der jüdischen Bewohner nur verhältnismäßig wenige. Nach der Zählung von 1901 hatte Sydney 5137 jüdische Einwohner bei einer Gesamtzahl von 6447 in Neusüdwales, Melbourne 5907 für ganz Viktoria: Brisbane 488 bei 733 in ganz Queensland; Adelaide 452 bei einer Gesamtzahl von 786 in Südaustralien; Perth 632 bei im ganzen 1259 in Westaustralien. Die jüdische Bevölkerung Australiens ist seit dieser letzten Zählung nicht wesentlich tzewachsen. — In Neuseeland sind kürzlich die Ergebnisse der letzten Volkszählung von 1906 veröffentlich werden. Danach hat die Kolonie 982 männliche und 885 weibliche jüdische Bewohner; das sind nur 0,21 vom Hundert der Gesamtbevölkerung. Während der vorhergehenden fünf Jahre hat die jüdische Bevölkerung Neuseelands um 286 Personen zugenommen; diese Zunahme entspricht der der Gesamtbevölkerung. Die Hauptgemeinden sind Auckland mit 344, Wellington mit 521, Christchurach mit 152 und Dunedin mit 251 Seelen. Palästina. Jerusalem, 6. Septbr. Aus Pethach Tikwah wird gemeldet, daß die Traubenernte in diesem Jahre nicht gut ausgefallen ist. Sie ist nicht halb so groß wie die der letzten Jahre. Es scheint, daß auch die diesjährige Orangenernte hinter der des vorigen Jahres Zurückbleiben wird. — Baron Edmund v. Rothschild wird, wie es heißt, in Safed auf seinem dortigen Bodenbesitz, ein großes Krankenhaus erbauen lassen;, die Arbeiten'sollen in Kürze in Angriff genommen werden. - Wie „Habazeleth" äüs Ja'sflr berichtet, steht die dortige ^Volksküche in Gefahr, aufgehoben zu werden. 'Die Volksküche ist eine Gründung des Philanthropen S. Goldberg, der sich von seinen Geschäften zurückgezogen und seine ganze Kraft dieser segenstiftenden Institution zugewandt hat. Die armen Einwanderer, deren ja jeden Tag eine Anzahl in Jaffa ankommt, bekommen in der Volksküche für einen ganz geringen Betrag ein Mittagessen. Da die Leute niemanden haben, an den sie sich wenden könnten, ist dies während der Tage ihres Aufenthalts in Jaffa für sie eine große Wohltat. Durchschnittlich besuchen täglich 30 —40 Einwanderer die Volksküche. An manchen Tagen beträgt die Zahl der Besucher bis zu 60. In dem vor kurzem beendeten ersten Jahr ihres Bestehens hat die Anstalt, nicht weniger als 11,000 Mahlzeiten verabreicht. Die Gefahr, die der Volksküche droht, besteht darin, daß Dr. Chisin dem Odessaer Palästina-Komitee empfohlen hat, den monatlichen Beitrag, den es zu den Unterhaltungskosten bisher leistete, einzustellen. Herr Goldberg wäre, wenn das Komitee diesem Rat folgte, nicht imstande, die Institution länger zu halten. * vermischtes. Frankfurt a. M., 19. September. Herr H. Brauer aus Paris, ftüher Rabbiner tn Tours, veranstaltet in einem Raum der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft eine Ausstellung künstlerischer Handstickereien für Kultus- und häusliche Zwecke. Die Schönheit der Stickereien verspricht dem Besucher der Ausstellung einen hohen künstlerischen Genuß. . _ Hamburg, 31. August. Die ausgedehnten Erweiterungsbauten der Hamburger A u s w a n - dererhallen find nunmehr so weit gefördert, baß man dieses für den Ueberseeverkehr des Elbehafens so bedeutsame Werk als demnächst abgeschloffen bezeichnen darf. Die Auswandererhallen find durch die Neubauten, die bereits bis auf einige wenige dem Betriebe übergeben worden find, um mehr als das Doppelte vergrößert. Auf dem etwa 55,000 Quadratmeter umsaffenden, vom Hamburgischen Staate der Hamburg-Amerika-Linie teils un entgeltlich, teils gegen einen Mterzins zur Verfügung gestellten Gelände erheben fich statt der bisherigen 11 Pavillons nunmehr deren 31, die insgesamt ungefähr 4000—5000 Auswanderern gleichzeitig Unterkunst bieten. Für den Fall, daß bei ewem plötzlichen starken Zusammenströmen von Auswanderern sogar diese Zahl Überschritten wird, find außerdem eine Anzahl der früheren provisorischen Baracken in Stand geblieben. Wer die Auswandererhallen durch das stattliche, mit einem Turm geschmückte, neue Empfangsgebäude betritt, gelangt zunächst in das geräumige Aufnahmeburcau, in dem die ankommenden Auswanderer ihre Personalien anzugeben haben und die für ihre Unterkunft und Verpflegung nötigen Ausweise erhalten. Die für die Dauer des Aufenthaltes in den Hallen strenge durchgeführte Trennung nach Geschlechtern beginnt bereits hier. Zu beiden Seiten des Aufnahmebüreaus liegen, mit diesem zusammenhängend, die Warteräume, in denen die ärztliche Untersucht! g der Angekommenen stattfindet, ferner vier Pavillons mit zusammen etwa 300 Betten für die Unterbringung etwaiger noch nicht ärztlich untersuchter Auswanderer und endlich die mit heizbaren An- und Auskleidezimmern versehenen Baderäume nebst den Desinfektionsanstalten. Sind die angekommenen Auswanderer ärztlich untersucht und, soweit der untersuchende Arzt dies anort net, gebadet worden, so führt man fie in die Unterkunftpavillons über. Insgesamt können in den 27 Pavillons bei doppelter Belegung etwa 3700 Personen untergebracht werben. Getrennt von den Unterkunft'spavillons liegen die Wtrtschaftspavillons mit ihren gewaltigen Speisesälen und den geräumigen Küchen. Für die jüdischen Auswanderer find besondere Küchen vorgesehen. Dem religiösen Bedürfniffe der Emigranten dienen eine evangelische und eine katholische Kirche, sowie ein j ü d i s ch e s Bet h a u s. An allen drei Andachtsstätten die bereits in der alten Anlage vorhanden waren, fin.et täglich Gottesdienst statt, sobald die Zahl der anwesenden eine genügende Beteiligung vermuten läßt. Außer den erwähnten Gebäuden enthalten die Auswandererhallen noch die Wärme und Licht spendende Maschinonzentrale mit' dem Kesselhaus, ferner das Verwaltungsgebäude, die Wohnungen der Beamten der Hamburg-Amerika-Linie sowie des polizeilichen Aufsichts- Personals, die Gepäck- und Lagerräume, Remisen, Ställe usw. Sowohl in der alten wie tn der neuen Anlage befindet' sich' je ein Musikpavillon, in dem die in den Hallen stationierte Musikkapelle ihre Konzerte veranstaltet. Der neue Musikpavillon ist mit einer Kantine verbunden, die den Auswanderern den Einkauf von Nahrungsmitteln und kleinen Bedarfsgegenständen ermöglicht. Da die gesamten Gebäude trotz ihrer Geräumigkeit nur ungefähr ekn Drittel der zur Verfügung steh.nden Fläche bedecken, so ist für breite Straßen und Wege, für gärtnerische Anlagen und stete Plätze noch sehr viel Terrain übrw geblieben. Die Straßenbeleuchtung dieser kleinen Stabt wird durch eine große Anzahl elektrischer Bogenlampen besorgt. Besondere Sorgfalt ist auf einen allen sanitären Anforderungen entsprechenden Ausbau der Sielanlagen verwendet worden. Wien, 12. September. Ein ungarischer Staatsbürger jüdischer Konfeffion, der in Wien wohnhaft ist, hat vor 10 Jahren mit einer österreichischen Christin beim Standesamt in Preßburg eine Zivilehe geschloffen. Jetzt ist die Frau ihres Gatten übertrüffig geworden und hat beim Wiener Landesgericht die Ungültigkeitserklärung der Ehe nachgesucht. Das Gericht hat diesem Gesuch auch stattgegeben. In der Begründung heißt es, daß die beiden Ehegatten, da daS Ehehindernis der Reltgtonsverschiedenheit vorliegt, eme in Oesterreich gültige Ehe nicht eingehen konnten. Daran ändere auch die Tatsache nichts, baß die stagliche Eheschließung außerhalb Oesterreichs vorgenommen wurde. Frankfurt a. M., 19. September.. Es wird die Gründung eines jüdischen Turnvereins in Frankfurt a. M.) beabsichtigt. Alle, die dafür Interesse haben, werden gebeten, ihre Abreffe möglichst bald schriftlich

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