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Der Israelit · 1907-09-19 · Heft 39 (19.9.1907) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 39 (19.9.1907)
Date
1907-09-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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19. September 1907. Der Jsraektt. M^M^8WW^»WWWWMWW^VWWMW«UW^S!?WWWMff»M»W?WW?WWW Nr. SV Seite 7 Anmerkung S. 93 f. hervorgeht) auch damit zufrieden, wenn unsere Juden sich nur nicht taufen lassen. Daß wir, wenn wir unsere Kinder, oder die Kinder unserer Gesinnungsgenossen von der Gefahr bedroht sehen, dem überlieferten Judentum untreu.zu werden, den größten Schmerz unseres Lebens erfahren, daß die Erhaltung unserer Religion uns teurer ist als Gut und Blut, daß wir darum nicht aus Herrschsucht und nicht aus Rechthaberei, nicht aus Eigendünkel und nicht aus verbohrtem Fanatismus heraus kämpfen, das will er nickt einsehen, das kann auch vielleicht ein echter und rechter Reformrabbiner nicht mehr begreifen. Dieser Gefahr sehen wir uns gegenüber, sehen sich die Gesetzestreuen in Bähen gegenüber, wenn der Entwurf in den Gemeinden angenommen wird. Aber was geht uns denn das an, wenn „von der für den Bereich der Landessynagoge nach dem Staatsgesetze ausschließlich maßgebenden Behörde, der Religionskonferenz des Oberrats etwas als religionsgesetzlich zulässig erklärt wird?" Und warum erhoben wir nicht unsere Stimme, wenn in anderen Großgemeinden Gebetbücher nach ähnlichen Prinzipien eingeführt wurden?**) Darauf ist die Antwort sehr leicht. Es ist uns schmerzlich, wenn wir durch ein neues Gebetbuch den Abfall vom überlieferten Judentum wiederum für einen großen Kreis sanktioniert sehen. Doch in den Großgemeinden sind die Gesetzestreuen fast immer in so genügender Zahl vertreten, daß sie — wenn auch unter schweren Opfern — einen gesonderten Gottesdienst einrichten und zu erhalten vermögen. Dann aher, und das sei in Ruhe, aber in Entschiedenheit dem Oberrat und all seinen Gesinnungsgenossen gesagt: rvh nt O'my Ww bs wir stehen alle für einen! Die großen Heroen und Kämpfer einer früheren Periode: Die Bamberger und Lehmann, die Hildesheimer und Hirsch, sind dahingegangen. Aber es ist ein neues Geschlecht herangewachsen. Und können wir in unserer Zeit nicht Männer von dieser Wirksamkeit aufweisen, so soll die größere Zahl der Mitarbeiter, die gemeinsam sich in den Dienst der heiligen Sache stellt, an die Stelle der Alten treten. Und wenn wir nur NN8 retten, wenn wir nur einem Einzigen in einer Stadt die Augen öffnen, daß er mit dem Gutachten in der Hand das Attentat, das in der Synagoge gegen ihn und in der Schule gegen seine Kinder verübt wird, als eine Gefahr erkennt, die dem überlieferten Judentum droht, dann haben wir genug getan. **) Gegen das Bogelsteinsche Gebetbuch für Westfalen hat bekanntlich Herr Prof. Berliner eine Schrift veröffentlicht, abgesehen von den zahlreichen dagegen erschienenen Gutachten. kNänteningen und Gedanken. €it iiiHlttbM ScbatzktUtkiH Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. (Fortsetzung.) 44. Hie beigen. Unsere Weisen sagen: „Wenn der Mensch sieht, daß Leiden über ihn kommen, so soll er seine Werke prüfen) denn so steht geschrieben (Klagel. 3. 40.): „Lastet uns unsere Werke prüfen und erforschen und zu Gott zurückkehren" (Berachoth 5 a). In diesem Ausspruche ist das Wort „über ihn" wohl zu beachten. So lieblos es wäre, vom Leiden anderer auf eine Schuld, für die das Leiden eine Strafe sei, zu schließen, so läuternd ist es, die eigenen Leiden und Heimsuchungen als göttliche Strafe aufzufaffen und gut zu machen und zu sühnen, was man versäumte und was man verschuldete. Fremdes Leid als Prüfung, aber eigenes als Strafe ansehen, das macht liebevoll gegen Menschen und demütig gegerr Gott. * * * 45. Die Schechifa Manche glauben, das Amt der Schechitah dadurch diskreditieren zu können, daß sie es ein „blutiges Handwerk" nennen. Nun es teilt diese Eigenschaft mit der Chirurgie, die gewiß nicht dadurch minderwertig wird, daß sie ein „blutiges Handwerk" ist. * * * 46. Das Gebet für die JTTärfyrer. In O'ömn 28, dem Gebete für die jüdischen Märtyrer, beten wir : „Es gedenke ihrer Gott zum Guten mit den anderen Gerechten der Welt." Wer sind die „anderen Gerechten der Welt?" Das sind wohl die „Gerechten der anderen Völker, die Anteil an der ewigen Seligkeit haben" (Maimonides. Hilchot Tschuba 3. 5.). Für die Märtyrer Israels, die ihre Treue mit dem Tode besiegelten, betend, gedenken wir auch der nichtjüdischen Gerechten, die im Dienste des Edlen sich opferten und der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit, gleich den Frommen Israels, nahe stehen. * * 4- 47. Ein fdieinbarer IDiöerfpruch. Der Widerspruch, der in den Sätzen T DS8 p'28 *p n\T ttb „Jedoch, es wird keine Armen unter dir geben" (5. B. M. 15. 4.) und Tpan 2-ipo?1'28 Virv 87 '2 „denn niemals wird es im Lande an Armen fehlen" (5. B. M. 15. 11.), zu liegen scheint, wird von unseren Weisen (vgl. Sifre z. St.) durch die Bemerkung beseitigt, daß B. 4 von dem Falle spreche, daß das göttliche Gebot beachtet, und V. 11, daß es nicht beachtet werde. Der eine Vers spricht also von der Welt des Idealen und der andere von der Welt des Realen. Die Welt des Idealen ist die sittliche Welt, die des Realen die natürliche Welt. Demgemäß ist auch Vers 4 zu übersetzen: „Nur daß bei dir kein Armer sein soll." Das göttliche Gebot will die Härten und Ungleichheiten des natürlichen Geschehens mildern und aufheben. Es stellt die sittliche Verpflichtung auf, dafür zu sorgen, daß es keine Armen gebe, wenn auch nach dem natürlichen Verlauf der Dinge „der Arme im Lande nicht aufhören wird." (Bergl. hierzu auch den Pentateuchkommentar von Hirsch z. St.) 4- * * 48. Ulla. Nach Babel zog Ulla, der Weise, hinauf, Am Markte bot Datteln man dort zum Verkauf, Drei Scheffel um einen Groschen erstand Der Weise in diesem gesegneten Land. Und er aß und sprach mit staunendem Ton: „O, welch ein Land ist Babylon, „Wo man süße Datteln kann scheffelweis' „Erstehen um eines Groschens Preis, „Und dennoch so Wenige aus Israels Reih'n „Ihr Leben dem Thorastudium weih'n!" Er aß von den Datteln zu unbedacht Und wurde krank davon in der Nacht, Die Schmerzen machten ihm große Not, Sodaß er sich nahe fast fühlte dem Tod. Da sprach der Weise mit staunendem Ton: „O, welch ein Land ist Babylon, „Wo man süße Datteln kann scheffelweis' „Erstehen um eines Groschens Preis, „Und dennoch so Biele aus Israels Reih'n „Ihr Leben dem Thorastudium weih'n." (Nach Peßachim 88 a.) 4° * * 49. Die Zerstreuung Israels. In Anlehnung an den Vers: „Denn wie in die vier Winde des Himmels habe ich euch zerstreut, ist der Spruch des Herrn", (Secharja 2. 10.), sagt Rabbi Josua ben Lewi: „So wenig die Welt ohne Winde, so wenig kann sie ohne Israel bestehen" (Thaanit3b). Das kann folgendermaßen ausgelegt werden: Wie erst durch den Wind die Besamung der Pstanzen erfolgt, so sind auch durch die Zerstreuung Israels die geistigen Samenkörner des Judentums überallhin gedrungen und haben die Welt befruchtet. 4- 4- 4- 1 r.j 4 > .4 i 'i n lohnender dürfte es sein, die Schäden zu heilen, noch besser, ihnen vorzubeugen. Auf diesem Gebiete bleibt der Jndenheit noch unendlich viel zu tun. Einen geradezu rührenden und zugleich erhebenden Eindruck machten in dem großen, mehrere Stunden währenden Festzug der katholischen Arbeitervereine die Abteilungen der Lehrlinge und Gesellen, wie sie im Vollgefühl ihrer Bewertung als Träger der Zukunft dahermarschierten, und Anerkennung und Bewunderung mußte man denen zollen, die derartige Organisationen ins Leben gerufen haben, denn ma weiß, daß die jungen Leute nicht als Paradepferde hier vorgesührt wurden, daß die Führer der Vereine vielmehr in intensiver Weise bemüht sind, die hoffnungsvolle Jugend vor Abwegen zu bewahren und sie durch Gewährung erlaubter Genüsse von unerlaubten und schädigenden fern zu halten. Wie bitter not täten solche Bemühungen im Interesse unserer jüdischen Jugend! Wie blutet dem wahren Jehudi das Herz, wenn er sieht, wie die jüdischen jungen Leute vielfach ihre freien Tage und Stunden verwenden! Ich möchte meine auf diesem Gebiet gemachten Beobachtungen nicht aufzählen, halte es auch gar nicht für notwendig, denn wer hätte derartiges nicht schon selbst gesehen.' Wohl ist an manchen Orten in dieser Hinsicht schon etwas geschehen, aber es fehlt noch der rechte Zug, die rechte Organisation. Auch in Würzburg wurde vor Jahren ein Versuch gemacht, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, aber leider nicht energisch fruktifiziert wurde. Eltern, Lehrer, Prinzipale sollten Hand in Hand arbeiten und wenn eine Gesamtorganisation nützlich sein kann, so wäre der Verband der Sabbathfreunde wohl der geeignetste, um hier einzutreten. Bei der praktischen Tendenz des Verbandes wäre auch nicht zu befürchten, daß die Haupteinwirkung mtf die jungen Leute durch „Abhaltung von Vorträgen" geschehen würde. Jnbezug auf „Vorträge" aller Art ist wirklich des Guten zu viel geschehen und man fängt nachgerade an, etwas „vortragsmüde" zu werden. Es stellt sich allmählich ein Zustand chronischen Zuhörermangels ein und wegen dieses schwer heilbaren Leidens mußte erst vor kurzer Zeit ein hiesiger Verein seine Vorträge auf „unbestimmte Zeit" aussetzen. Für die jungen Leute wäre wirkliches „Lernen" viel wertvoller. Besonderer Fürsorge bedürfte auch die Lektüre der Jugend, besonders in unseren Tagen, da die Zehnpfennighefte der Nick Carter, Duval, Florian Geier, Buffalo Bill, Sherlok Holmes rc. alle Buchläden verunzieren und von der Jugend verschlungen werden. Doch nicht nur die Jugend in gewerblicher Lehre, auch jene in den Mittelschulen bedarf gar sehr der Aufsicht, Belehrung und Führung, um in ihr jüdische»: Geist wach zu halten, damit auch dereinst die studierende jüdische Jugend an den Hochschulen ..jüdisch" zu denken und zu fühlen verstehe. In den katholischen Studentenverbindungen liegt eine Hauptstütze der katholischen Macht. Welche Anfeindungen diese katholischen Verbindungen zu erleiden hatten, ist ja genugsam bekannt. Doch unbeirrt gingen sie ihres Weges, ihre Tendenz offen betonend und vor allem bewundernswert als prinzipielle Gegner des Duell-Unfugs? Wie steht es bei uns? Wir haben mancherlei jüdische Studentenverbindungen, deren Mitglieder aber leider — einige Ausnahmen und besonders die B. I. A. von vornherein rühmlichst ausgeschieden — außer der jüdischen Geburt ihrer Mitglieder nichts Jüdisches an sich haben, sich vielmehr in belächelnswerter Nach--—ahmung des Wesens oder Unwesens der Corpsstudenten gefallen, sich gegenseitig die Gesichter verhauen, am Sabbath mrt Spazierstock, brennender Zigarre und obligatem Bereinshund durch die Straßen flanieren, stolz die Couleur dabei tragend, deren Anlegung sie aber nicht. zum Besuche eines jüdischen S eisehauses und der — Synagoge gestatten. Wer lacht da? Setzen wir unsere vollen Kräfte ein zur Weckung, Hebung, Erhaltung und Betätigung jüdischer Gesinnung Die ernsten Tage des Tischrimondes haben auch die das Jahr hindurch abseits Stehenden wieder für kurze Zeit in die jüdischen Reihen geführt. Bemühen wir uns, daß sie nicht mit dieser Mgabe der jüdischen Visitenkarte sich begnügen, sondern mit uns eine geschlossene Phalanx bilden, daß so Israel in Wahrheit sei ein in# t'jji jeder Einzelne ein ganzer Jude! Dies wünscht fürs neue Jahr sehnsüchtig Der „nicht ganz" Daheimgebliebcne. (Joseph Laufs über den Antisemitismus.) In einer Studie über Joseph Laufs, den bekannten Dichter vaterländischer Dramen, wird nachstehender interessante Briefwechsel »nitgeteilt: —m— 2. Mai 1902. An die Löbl. Direktion des Stadttheaters, hier. Sehr geehrte Direktion! Die Ankündigung. der Premiere von I o s e p h Laufs „Der Heerohme" mit der eigentümlichen Rollenbezeichnung „Meher Moses Spier als Beschneider und Schächter" veranlaßte mich, gestern abend Ihr Institut zu besuchen. Ich war zu- »nächst geradezu neugierig, wie der Dichter seinen Spier als Beschneider und Schächter dargestellt hätte und war enttäuscht, nur eine ganz gewöhnliche Karikatur eines Juden, der ebensogut Viehhändler, ■i 4

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