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Der Israelit · 1900-05-23 · Heft 42 (23.5.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 42 (23.5.1900)
Date
1900-05-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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859 tiefen, die Schwachen aufrichten und die Starken und Glaubensfesten zu ausdauernder kraftvoller Thätigkeit anspornen. In den Kreisen der Gesinnungsgenoffen wird sich der Einzelne wieder erholen, den Ruhepunkt finden, den intolerante Brüder ihm zu versagen drohen. Wohlan denn, schließt die Reihen! Einer muß die Fahne vorantragen, er rufe, die Getreuen werden folgen. (Anmerkung der Redaction. Vielleicht fühlen sich einige Herren nunmehr veranlaßt, als ein provisorisches Eomit6 zusammenzutreten. Die Adressen hierzu bereiter Herren können bei uns behufs späterer Einberufung einer Sitzung niedergelegt werden.) Mülhaufen i. E, 20. Mai. Zum Schluffe der Saison, hielt Herrn Dr. Schüler aus Hegenheim am letzten Mittwoch im „Verein für Mische Geschichte und Literatur" einen Vortrag über die „Hebräische Sprache." Redner gab uns, nachdem er mit ferner Einleitung den Unterschied zwischen dem Hebräischen und den beiden ihm verwandten Sprachen, dem Aramäischen und Arabischen, durch einige charakteristische Merkmale festgeftellt, eine Geschichte der hebnüschen Sprache von den Zeiten der Stammväter bis auf die heutigen Tage und bewies uns, daß die heilige Sprache niemals lobt gewesen, sondern in unsterblicher Jugendfrische fortlebt. Wohl war seit der Zerstörung der ersten Tempels, im Laufe lnr Zeiten das Hebräische nicht nur als Volkssprache, sondern auch als Gelehrtensprache, theils durch das Aramäische, theils diuch das Arabische und späterhin beinahe in allen Ländern durch die jeweilige Landessprache, in den Hintergrund, gedrängt worden, aber trotzdem war dasür gesorgt, daß das Hebräische dem Volke nie ganz verloren ging. Im Mitelalter waren es unsere großen L hrer, die durch ihre Poesie, ihre Erklärungen resp. Kommentare zum Heiligsten der Bücher, wie Raschi, MaimonideS, Rabbi Jehuda Halevi rc. der heiligen Sprache den ihr gebührenden Stand angewiesen. Sogar heute widmet man sich, dank den Bestrebungen des Antisemitismus wieder mehr dem Studium des Hebräischen zu, und wenn wir unsere Erwartungen auch nicht so hoch spannen wollen, so ist doch dafür gesorgt, daß die Bestrebungen unserer Reformhelden die heilige Sprache dem Volke zu entreißen, zu Nichten werden. Redner schloß mit einem warmen Appell an die Zuhörer, darauf hinzuarbeiten, daß die jüdische Jugend wieder die Li-be zur hebräischen Sprache und mit ihr die Liebe zu Geschichte und Literatur des jüdischen Volkes und vor allem die Liebe zu unserer heiligen Religion bewahre, da sie dann und nur dann nicht urehr dem Gespürte der andern dienen werde und mit Gottes Hilfe heranwrchse zur Ehre Gottes, zur Zierde Israels und zum Segen und zur Freude der Menschheit. Oesterr.-Un gar. Monarchie. Budapest. (Munkäcsy und der jüdische Augenarzt.) Die allgemeine Trauer über den Heimgang des großen Künstlers, der sich einen Ehrenplatz im Ruhmestempel der Menschheit erworben, bringt folgende Episode wieder ins Gedächtniß und erinnert daran, daß es blos der Kunst des jüdischen Arztes zu verdanken sei, daß Munkncsy durch Rettung seines Augenlichtes der Kunst erhalten blieb, um seine imsterblichen Werke zu schaffen. Der verstorbene Budapester Augenarzt Dr. Hirschler spielte nämlich im Leben Michael Munkncsy eine hervorragende Rolle. Munkäcsv weilte Anfangs 1886 bei seinem Oheim in Vökös-Esaba und von hier aus meldete man dem Maler Anton Ligeti, daß Munkäcsv Gefahr laufe, sein Augenlicht zil verlieren. Ligeti ließ Munkncsy sofort nach Pest kommen. Munkäcsy traf spät Abends ein, auf Ligeti's Betreiben suchte Moriz Than noch in der Nacht Dr. Ignaz Hirschler auf, welcher sich bereit erklärte, Alles zu thun, um den jungen Künstler zu retten, doch müsse man den Patienten auf sei«: (Hirschler's) Abtheilung im Rochusspital bringen, da er ihm nur dort die gehörige Pflege angedeihen lassen könnte. Nächsten Morgen ließ sich Munkäcsv ins Spital ausnehmen. Der Zustand seiner Augen war ein bedenklicher; Dr. Hirschler erklärte, das rechte Auge hoffe er retten zu können, bezüglich des linken zweifle er an der Möglichkeit einer Rettung. Nach fünf bis sechs Tagen indeß überraschte Hirschler Ligeti mit der erfreulichen Meldung, daß er nun schon die Rettung beider Augen hoffe; zugleich erklärte er, daß eine vierundzwanzigstündige Verspätung jede ärztliche HUfe unmöglich gemacht hätte. Nach sechswöchentlichem Aufenthalt im Spital konnte Munkäcsv dasselbe als geheilt verlassen, doch mußte er seine Augen noch lange schonen. Es wurde beschlossen, daß Munkäcsp das erste Bild, das er nach seiner Genesung vollende, zum Zeichen seines Dankes Dr. Hirschler zum Präsent machen werde, was er denn auch später ihat. Auch übersendete der Kunstverein Dr. Hirschler fl. 100, die dieser jedoch der Gesellschaft zurücksandte, mit der Bitte, damit die Zwecke derselben zu fördern. Lemberg, 14. Mai. Man hat dem zweiten Tagen der galizischen Cultusgemeinden, das hier am 1. und 2. Mai abgehalten wurde, mit lebhafter Spannung entgegengesehen. Die Lage der Judenschaft in Galizien ist traurig genug, um einem solchen Gemeindetag genügenden Stoff für seine Berathungen zu bieten. Ueberdies sind volle 22 Jahre seit dem ersten Gemeindetage verflossen, eine — wie man zugeben wird — ziemlich weitgedehnte Vorbereitungsfrist. Nun, da die Berathungen abgeschlossen sind, muß man sehen, daß sie die großen Erwartungen nur in bescheidenem Maße erfüllt haben. Die Betheiligung der Gemeinden selbst ließ Vieles

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