Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 30-31 (12.4.1900)
- Date
- 1900-04-12
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
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7 Man schenk den^zweilen Becher ein, und der Jüngste von der Tischgesellschaft fragt: runtW HP. Warum ist diese Nacht unterschieden von allen andern Nächten? An jeder andern Nacht können wir sowohl Gesäuertes wie Ungesäuertes essen, und diese Nacht nur Ungesäuertes? An jeder andern Nacht dürfen wir alle >tränterarten genießen, und diese Nacht besonders bittere Kräuter? An jeder andern Nacht brauchten wir auch nicht ein einziges Mal einzutauchen, und diese Nacht müssen wir es sogar zweimal? Petersilie in Salzwasser, und bittere Kräuter in süßen Larwerge (ronn)? An jeder andern Nacht speisen wir sowohl aufrecht sitzend als hingelehnt, und diese Nacht speisen wir alle hingelehnt? . riv'^71 ppp rnn rr,l?n njnpTrnp :r—ispi ]*pn p>M'u« niVVi P2M us nr’pn 'ppp*' .nso r2 n?n nb'.pn nrio n*n rp’Pn -nipT bsp?’ p?2i«?7'2YQ US PSniP’Pri ^222' P222f :n;pys '5)2' brn rr’pn ♦rpns ♦ papp rpi >'2P'i' i'2 rbp'is us mp'pn ' :p2pp u|? rri np’pn zu bringen, während die Lewiten mit feierlichem, herrlichen Gesänge die Opferhandlung begleiten. Wieder öffneten sich die Pforten und, nachdem die erste Abtheilung den Vorhof verlaffen, trat die zweite herein und nach dieser die dritte. Dann zogen sie in ihre Quartiere, um das Peßachlamm zu braten; am Sabbat aber warteten sie am Tempelberge, bis die Nacht angebrochen war. Das war ein wahrhaftes Freudenfest, da ganz Israel speisen durfte gleichsam vom Tische Gottes, verzehrend das gottgeweihte Opfer. Nicht durfte davon effen der Heide, auch nicht der Israelit, welcher seinem Vater im Himmel entfremdet war durch sündiges Thun, auch nicht Derjenige, der unbeschnitten war, selbst wenn die Beschneidung hatte unterlaffen werden müssen. Nur in Reinheit und Heiligkeit durfte das Peßachopfer genossen werden. In Liebe, Freundschaft und Brüderlichkeit mußte es verzehrt werden. Da kamen sie zusammen aus allen Gauen des heiligen Landes, ein Volk von Briidern. Von allen diesen Herrlichkeiten ist uns nur noch die Erinnerung geblieben; aber auch die Fähigkeit, sie wieder zu erlangen, wenn wir die heilige Lehre unsres Gottes uns bewahren, sie erforschen und nach ihren Vorschriften unser Leben einrichten. Dann können wir mit Zuversicht der Zukunft entgegenschauen. „Dieses Jahr hier, zum künftigen Jahre im Lande Israel; dieses Jahr Knechte; im künftigen Jahre freie Männer." Nachdem der zweite Becher, entsprechend dem Erlösungsworte crrrsyo b=jis 'jftxm „und Ich werde euch erretten von ihrer Knechtung," eingeschenkt ist worden, beginnt das Kind zu fragen; ist kein Kind da, so fragt ein Erwachsener; ist man allein beim Seder, so fragt man sich selbst. Die Frage lautet: „Wie unterscheidet sich die Nacht von allen Nächten? In allen Nächten essen wir Gesäuertes und Ungesäuertes, in dieser Nacht nur Ungesäuertes. In allen Nächten essen wir allerlei Kräuter, in dieser Nacht nur Bitterkraut. In allen Nächten tunken wir auch nicht einmal ein, in dieser Nacht zweimal. In allen Nächten essen wir sowohl sitzend wie angelehnt, in dieser Nacht nur angelehnt." Warum gerade diese vier Unterschiede der Sedernacht, die sie von den übrigen Nächten des Jahres unterscheiden, hervorgehoben werden — diese Frage hat die Erklärer der Hagadah vielfach beschäftigt, da es ja noch andere Unterschiede g'bt — die hier nicht erwähnt werden. Don Jizchak Abarbanel erklärt es folgendermaßen. Es muß dem Kinde auffallen, daß wir an diesem Abende wiedersprechende Dinge vornehmen, Dinge, die zum Theil Knechtschaft und Niedrigkeit, zum Theil Freiheit und vornehmes Wrsen bekunden. Für beides werden je zwei Zeugen gewählt. Das ungesäuerte Brod ist ein Zeichen der Knechtschaft; es ist ja das Brod des Elends, das unsere Väter gemessen haben in Mizraijm, und die bittern Kräuter erinnern an die Leiden, die wir dort erduldet haben. Dagegen ist es Sitte der vornehmen Leute, die Speisen durch Eintunken in Saucen und dergleichen zu würzen und in Lehnsesseln bequem sich anzulehnen. Wie vereinen sich nun die Gegensätze? llnd darauf paßt dann die Antwort: Sklaven sind wir gewesen, und durch die Gnade Gottes sind wir freie Männer geworden. Rabbi Ephraijm Lintschütz findet in dieser Frage eine Symbolik. Das Galuth gleicht der Nacht. Wodurch unterscheidet sich das gegenwärtige Galuth von den andern Nächten der Verbannung, vom Galuth Mizraijm, welches nur 210 Jahre währte, vom Galuth Babel, das nur 70 Jahre dauerte? Die andern Nächte fanden bald ihren Abschluß, und es leuchtete wieder der Freiheit goldnes Morgenroth, während die Nacht des gegenwärtigen Galuth nun schon so lange, lange währt? Ach, wir selbst tragen die Schuld.