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Der Israelit · 1900-04-12 · Heft 30-31 (12.4.1900) · page 48

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 30-31 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 48)
Language
German
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8 Wohl finden wir, daß auch in Mizraljm und in Babel die Israeliten nicht immer einig waren. In Mizrajim kam Moscheh dazu, als ein Israelit den andern schlagen wollte. Vom Galuth Babel wird uns erzählt, daß Mordechai beliebt war bei den Meisten seiner Brüder, daß es also eine Minderzahl gab, welche die hohen Verd enste des großen Mannes nicht genugsam würdigte. Das aber waren nur Ausnahmsfälle, während in diesem langen und bittern Galuth unter den Israeliten fortwährend Streit und Hader vorherrschen mto bz nn n^n (mtö, Zank, Streit). Während der vielen Jahrhunderte des gegenwärtigen Galuth hat es in Israel an großen, edlen, frommen und heiligen Männern und Frauen nicht gefehlt; aber die Erlösung konnte nicht eintreten, weil zahllose Streitigkeiten die Gemüther von einander trennten. Secten und Parteien zerrütteten fortwährend den Frieden der Verbannten. Sadducäer, Beothofianer, Minäer, Karäer, Sabbatianer?c. >c. brachten Unheil und Verwirrung über die in allen Ländern zerstreute Gemeinde Jakobs. Aber nicht allein, wo es sich um große principielle Gegensätze handelte, sondern nur zu oft brachen um der geringfügigsten Dinge willen Zwistigkeiten au§, die sich zu Haß und Feindschaft gestalteten, die manchmal einen großen Theil der Judenheit ergriffen, am häufigsten aber innerhalb der einzelnen Gemeinden die traurigste Zerrüttung hervorbrachten. Ach, es ist heute noch nicht besser geworden. Der Haß und die Zwietracht lodern in hellen Flammen empor. Nicht genug, daß wir Feinde ringsum haben, befeinden wir uns selbst untereinander und verbittern uns gegenseitig das Leben vielfach um der geringfügigsten Ursache willen! Vor etwa hundert Jahren blühte das Talmudftudium unter den deutschen Juden wie vielleicht nie zuvor. E«ne tiefe, aufrichtige Frömmigkeit zeichnete die großen und kleinen Gemeinden Deutschlands aus. In allen Stäoten, in denen Juden wohnten, befanden sich Jeschiboth, wohin die lernbegierigen Jünglinge aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes strömten: in Prag, in Fürth, in Frankfurt a. M>, in Mainz, in Worms, in Mannheim, in Carlsruhe, in Berlin, in Breslau, in Frankfurt a. d. Oder, in Halberstadt, und in unzähligen kleinern Orten. Da brach unheilvoller Streit aus, dessen Spitze sich gegen den großen Rabbi Jonathan Eibeschütz richtete. Die Vertreter der Gotteslehre befehdeten und bekämpften einander und setzten sich gegenseitig herunter. Was dieser Streit geschadet hat, wie er dazu beigetragen, die Jugend dem Thorastudium zu entziehen, die Bande der Gottesfurcht zu lockern, das läßt sich gar nicht beschreiben. Wir hatten noch Gelegenheit von Zeitgenossen, die jene Zwistigkelten mit erlebt, darüber sprechen zu hören. Wir wollen von den Streitigkeiten nicht reden, welche durch die sogenannte Reformbestrebung hervorgcrufen worden. Daß aber auch unter den frommen, gläubigen Jsraelitten vielfach Streit und Hader vorherrschen, das ist tief zn beklagen nxv tfns dth rMn das verlängert die Nacht des Galuth. Eine andere Ursache, welche die Erlösung verhindert, ist die Habsucht. Unsere Väter in Aegypten hielten sich frei von dieser bösen Leidenschaft; selbst die ihnen zukommende Beute wollten sie anfangs verschmähen, so daß Moscheh auf Gottes Befehl das Volk erst darum bitten mußte ">n lteen o*n otxi xj *im rwpz ymb »b» xj px (2. B. M. C. 11. V. 2.) Auch von unfern Voreltern in der babylonischen Gefangenschaft bezeugt die heilige Schrift et ns :nbv sb mz% daß sie ihnen zukommende Beute verschmähten (Esther C. 9. V. 3 0. 15. u. 16). Die Habsucht ist nur dazu geeignet, das Leben des Menschen zu verbittern. Sie raubt ihm den Schlaf, verscheucht jede Freude und hat tausend Unannehmlichkeiten und Gefahren in ihrem Gefolge. Sie läßt die Grenze zwischen Recht und Unrecht verkennen und führt auf die abschüssige Bahn der Unredlichkeit. Sie verstockt den Sinn und verbittert das Herz. Niemand erregt so sehr den Haß und die Verachtung der Mitmenschen wie der Habsüchtige. nno 1^3 mn n^n ,mpT ixtr ptex i:x mWa bzzv Eine dritte Ursache, welche die Erlösung zurückhält, ist die Genußsucht. Von unsren Voreltern in Mizrajim bezeugt uns die heilige Schrift, daß sie vom Pfade der Tugend und Sittlichkeit nicht abgewichen. Unter allen Frauen und Töchter Israels gab es nur eine, die ein außereheliches Kind geboren hatte. Gott selbst bezeugt die Reinheit des jüdischen Familienlebens. (Vergleiche Raschi zu 4. B. M. C. 26. V. 5.) Von den nach Babel Vertriebenen erfahren wir, daß selbst die an den Hof des Königs berufenen jüdischen Jünglinge sich nicht an den Speisen der königlichen Tafel verunreinigten, sondern sich mit der einfachsten Kost begnügten, um die jüdischen Speisegesetze nicht zu verletzen. Wie traurig sind im Vergleiche damit die Zustände der Geg nwart! Schon die Kinder werden zur Genußsucht erzogen, durch den Besuch von Theater, Circus, Bällen und dergleichen werden die Sinne gereizt. Was soll aus diesen Kindern werden, wenn sie erwachsen sind? Immer neue Reizmittel werden von ihnen aufgesucht, um von Genuß zu Genuß zu taummeln. So sucht der Satte den Appetit dadurch neu zu beleben, daß er die Speisen in piquante Saucen tunkt, cto tup nn nWn r,nx ds?b £'bx p^sco ox px nWa b33L>. Ein vierter Fehler unsres Zeitalters, ist die Bequemlichkeit. Die strengsten Gesetze des Judenthums sind oft unbequem. Es ist ja viel leichter, das himmlische Joch abzuschütteln, als es rüstig durch's Leben

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