Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 30-31 (12.4.1900)
- Date
- 1900-04-12
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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5 f“,fVber 'ommi.Tb *«* boä P-b-ch-: «jnta n«an ♦KaiKnen.nnEn fest. Sei es in dielem Jahre hier, im kunfü- > +■? --. t t - t - \ t t t - t : -: gen, im Lande Israel. Wer in diesem dienstt|Hin\j2niO~njZ^ -H3V bar war, der im künftigem Jahre frei. ' T T ~ T T " T ~ T ** T : : widerwillig, zugestehen. Und daß dem so ist, verdanken wir zum großen Theile diesen Worten der Hagadah. Die Kinder wachsen heran und haben Gelegenheit, menschliches Elend in gar verschiedenen Gestaltungen zu schauen. Aber sie verschließen nicht die Augen vor demselben, verhärten nicht die Herzen. Es ertönt stets im Gemüthe die erhabene Aufforderung: Jeder, der hungrig ist, der komme und esse! Daher sucht der Jude, daher sucht die Jüdin den Mitmenschen hilfreich zu sein, wo sie nur können. Jeder, der hungrig ist, komme und esse! Nicht nur der Verwandle, der Freund, der Glaubensgenosse, sondern Jeder, selbst der Gegner, der Feind! Die bloße Thatsache, daß es einen Menschen hungert, gibt ihm ein Anrecht auf meine Hilfe, mag er es verdienen oder nicht, mag er dessen würdig sein oder nicht. O, der Hunger thut gar weh, und das Sprüchwort sagt: der Satte weiß nicht, wie dem Hungrigen zu Muthe ist. Unsere W isen lehren: urp-ix WMwri tf-os „der Lohn eines Fasttages ist die Wohlthätigkeit". Die gewöhnliche Erklärung ist, daß man Dasjenige, was man durch den Fasttag erspart, an die Armen vertheilt. Wir haben einmal eine andere, geistvolle Erklärung gehört, die wir hier wicdergeben wollen. Es gibt viele Menschen, die in Reichthum geboren und erzogen werden und denen es bis an ihr Lebensende an nichts mangelt. Diese sind ganz glücklich, wenn sie Hunger haben, denn dann wird ihnen das Essen sehr gut schmecken. Aber von dem quälenden Hunger, dem die Befriedigung versagt ist, würden sie keine Vorstellung haben, wenn die Fasttage nicht wären. Dadurch allein haben sie die Gelegenheit, rn sich selbst zu erfahren, daß der Hunger wehe thut, und werden Mitleid empfinden mit den armen, darbenden Nebenmenschen. Daher sagen unsere Weisen: Auch das ist ein guter Erfolg eines Fasttages, daß er uns zur Wohlthätigkeit anspornt. Jeder, der hungrig ist, komme und esse! Wie reich ist doch der Mensch, der also spricht und diesen Spruch im Leben bethätigt! Nicht der ist reich, der Schätze auf Schätze häuft und dieselben stets zu vermehren trachtet, sie höchstens für den eigenen Genuß verwendend. Ein solcher Mensch ist in der That sehr arm. Gegen die Genüsse, mögen sie noch so süß mw kostspielig sein, wird er im Laufe der Zeit abgestumpft, sie werden ihm schal und langweilig, so daß er ihrer bald überdrüssig wird. Alle Leidenschaften hören allmählich auf und mit ihnen die Freude am Genüsse; nur die Leidenschaft der Habgier bleibt, und diese wird ihrem Eigenthümer zum Fluche. Der Besitz ist ihm Alles, und der Gedanke, daß der Tag kommt, an welchem er ihn verlassen muß, vergällt ihm jede Lebensfreude. — Wie reich ist dagegen Derjenige, welcher die Gaben, die ihm der Allgütige verlieben Hai, zum Nutzen und zum Heile seinen Mitmenschen verwendet! Ihm blühen bis an seines Lebens Ende unermeßliche Freuden, die niemals schal und langweilig werden, gegen deren reine und himmliche Wonnegefühle man niemals abgestumpft wird. O, ihr modernen Stammesgenoffen, die ihr euch nicht mehr'mit euren Kindern zum Seder nieder setzt und ihnen die Worte der Hagadah nicht vorsagt, ihr wißt nicht, welche unendlichen Schätze ihr euch und euren Kindern dadurch entzieht. Aller Reichthum, alle Bildung, alle Ehre, die ihr euren Kind rn zu verschaffen euch bestrebt, all das reicht lange nicht an den Werth der einen Aufforderr ng, die am Sedertische ertönt: Jeder, der hungrig ist, der komme und esse! Und ihr, ihr Feinde und Gegner unseres Volkes, die ihr euch Antisemiten nennt, solltet ihr nicht im höchsten Grade Achtung haben vor einem Volke, das in die Herzen der Jugend solche Grundsätze pflanzt? Und diese Grundsätze werden im Leben bethätigt bei tausend und aber tausend Gelegenheiten. Ein jeder Anlaß, mag er ein freudiger oder trauriger sein, spornt den Juden zur Wohlthätigkeit. Feiert der Jude seine Feste, so läßt er die Armen daran Theil nehmen; verbringt er einen Tag fastend, so reicht er den Hungrigen zu essen; wird ihm ein Kind geboren, so theilt er an Arme Gaben aus und ebenso, wenn der Knabe die religiöse Mündigkeit erlangt. Sind die Kinder herangewachsen, und es kommt der frohe Tag der Vemählung, so wird von der gemeinsamen Habe des jungen Ehepaares der zehnte Theil genommen, um ihn zu wohlthätigen Zwecken zu verwenden. Aehnliches geschieht bei einem Todesfälle. Aber cs bedarf der besondern Anlässe nicht einmal. Von Allem, was der Jude erwirbt, sondert er den zehnten Theil ab, um damck den Nothleidenden zu helfen. Wenn alle Menschen so dächten, und demgemäß handelten, dann gäbe es keine soziale Frage, keine soziale Gefahr, welche gegenwärtig die menschliche Gesellschaft mit Vernichtung bedroht. Wenn jeder Mensch, der zu essen Hai, zu seinen darbenden Mitmenschen sprechen würdet Jeder, der hungrig ist, komme und effe! dann würden die Anarchisten keinen^Boden finden für ihre verderblichen Lehren. Wenn wir dem Geheimnisse unserer Existenz und unserer Erhaltung nachforschen, so werden wir finden,