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Der Israelit · 1900-04-12 · Heft 30-31 (12.4.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 30-31 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41* Jahrgang. ftlie üptlagp jtt M 30 & 31 des „Israelit". Leitende Artikel. 23er!iiK'r Brief. ii. Berlin, 10. April. Zehn Jahre find jetzt verstrichen, seitdem die „E h e w r a h ft adis ch a" der Israelitischen Synagogen-Gemeinde «Adas; Jisroel), nachdem sie etwa fünfzehn Jahre hindurch nur einen lockeren, zwanglosen Verband gebildet, sich förmlich constituirte und in sorgsam ausgearbeiteten Satzungen sich ein Grundgesetz gab, das fast unverändert bis heute seine Giltigkeit bewahrt bat. Sie sind Jahre strengen, schweren Dienstes imb langsamen Fortschreitens gewesen, diese ersten zehn Lebensjahre. Erst galt es — in der Riesengroßstadt wahrlich keine kleine Ausgabe! — den Dienst des Gemiluth Ehesed schel eures bei der BestattnngVerstorbener so zu organisiren, daß er unbeschadet dein treuen Festhalten an den überkommenen Minhagim, den Anforderungen modernen Empfindens, soweit berechtigt, auch seinerseits Rechnung trug. Dann, als es die Mitte! gestatteten, wurde der Hebung von Zedokoh in Forni von Unterstützungen namentlich kranker und erholungsbedürftiger Armen in einem Maße und Umfange Raum gewährt, von der nur die Eingeweihten eine richtige Vorstellung besitzen. Später kam noch der Limud thanroh hinzu, welchem wöchentlich zwei Schiurstunden gewidmet wurden, und der aus kleinen Anfängen sich nun Mittelkunkt aller, auf das „Lernen" gerichteten Reigungen innerhalb der Gemeinde entwickelt hat. ch'iinmehr zur Jahresfeier ihres zehnjährigen Bestehens, bat die Cbewrah ein Werk unternommen, welches mit Recht wohl als die Krönung ihrer Bestrebungen, als das schönste Geburtstagsgeschenk, sich und der Gemeinde dargebracht, gelten darf: die Gründung eines zunächst in ffeinem, bescheidenen Umfange gehaltenen ft r a n l e n h a u s e s, das, wie es selbstverständlich, den peinlichsten Anforderungen des Religionsgesetzes genügt, so auch alle Errungenschaften und Fortschritte der Hngiene für seine Bewohner nutzbar zu machen unwenimmt. Der Gedanke, der jetzt in die Thal umgesetzt Herben soll, ist nicht von gestern: weiß doch jeder nur balbwegs mit den hiesigen siidischen Berhältnissen Ber- Uante, wie bitter nothwendig die Errichtung einer 'olchen Anstalt, namentlich auch von den zahlreichen Fremden, empfunden wird, tvelche zu allen Jahreszeiten I hierher kommen, um die medizinischen Autoritäten der hiesigen Universität zu Rathe zu ziehen, und vergebens eine" Anstalt suchten, welche den Bedürfnisien ihrer strengen, religiösen Auffaffung Rechnung trägt. Aber wie groß und lebhaft empfunden auch das Bedürfnis;, so ivaren andererseits die Bedenken materieller Natur doch zu stark, um ohne genügende Vorbereitung an die Ausführung des Planes denken zu lassen. Was jetzt den letzten Anstoß zur Verwirklichung desselben gegeben hat, soll an dieser Stelle unerörtert bleiben, die amtliche Verschwiegenheit legt gerade auf diesem Gebiete den mit allen Vorkommnissen Vertrauten erhöhte Reserve auf. Genug, der Zeitpunkt ist gekommen, wo die Berufenen, an ihrer Spitze der unermüdliche Gabbe der Chewra, Herr Adolf G o l d s ch m i d t, ein längeres Zögern nickt mehr verantworten zu können glaubten, und so wurde denn, im Vertrauen auf die Gnade dessen, zu dessen Ehre das Werk vollbracht werden soll, vor etwa zwei Monaten beschlossen, mit Beginn des Sommers in Miethräumen ein kleines Krankenheim zu errichten. Der alle Erwartungen übersteigende Enthusiasmus, mit dem die Aeußerung dieses Planes in der Gemeinde und nieit darüber hinaus begrüßt wurde, hat inzwischen die Gewißheit geliefert, daß das Unternehmen einem wahren Bedürfnis; entgegen komme, und somit die Hoffnung auf eine tbatkräftige Unterstützung des Unternehmens in weiten Kreisen sich nicht als trügerisch erweisen werde. Und dieser Unterstützung bedarf es wahrlich gar sehr, soll das Werk, das G. s. D. bis jetzt unter glückverheißenden Vorbedinaungen unternommen wurde, zu einein gliicklichen Abschlüsse gelangen. Wie durch eine Fügung bot ssch Gelegenheit, ein in der Prenzlauer Allee 86 trefflich gelegenes, auf's Beste eingerichtetes Sanatorium miethweise zu übernehmen, welches nur renovirt zu werden braucht, um sofort nach dem Pesackfeste in Gebrauch genommen zu werden. Diesen Vorzügen entsprechen aber natürlich auch die dafür aufzuwendenden Erfordernisse, und es bedurfte bei den zu Gebote stehenden überaus bescheidenen Mitteln, der aanzen Hoffnungsfreudigkeit, die den von der Güte (einer Sache Ueberzeugten erfüllt, um die Männer, welche an der Spitze des Unternehmens stehen, zu dem aroßen Wagniß der bindenden Uebernahme jener Anstalt zu ermutbigen. In wenigen Tagen werden sie der Generalversammlung der Chewrah-Kadischa Rechenschaft über das bisher Gethane ablegen und ihre Mitwirkung bei der größeren noch zu leistenden Aufgabe ourrufen. So mögen denn diese vorbereitenden Mittbeiln.ngen dazu beitragen, Interesse für dieses edle Werl reinster Menschenliebe schon jetzt in weiten Kreisen zu erivecken und ihm thatkräftige Gönner und Gönnerinnen überall da zu werben, wo solches Streben noch Verständniß findet und das Herz fremdes Leid mitempfindet unb in dem Wunsche höher schlägt, Schmerzen zu lindern und Thronen zu trocknen!

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