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Der Israelit · 1900-04-12 · Heft 30-31 (12.4.1900) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 30-31 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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626 Euch umsehen. Also wie geht's? Fühlt sich Hugo heute wohler?" Die Baronin streckte der Freundin beide Hände entgegen, zu antworten vermochte sie nicht, der Hals war ihr wie zugeschnürt. „Um's Himmelswillen, Emma! — Wie siehst Du aus! Es ist doch hoffentlich keine Gefahr?" Die Baronin zuckte die Achseln, dann schluchzte sie plötzlich laut auf, warf sich in ein Fauteuil und barg das thränenüberfluthete Antlitz in den Händen. Die Gräfin schlang den Arm um sie und suchte die nahezu Verzweifelnde zu beruhigen. „Du siehst zu schwarz, Emma, ich bin überzeugt, Du siehst zu schwarz. Was sagt denn der Arzt?" Die Baronin machte eine wegwerfende Geberde. „Er will ja keinen ordentlichen Arzt," schluchzte sie händeringend, „das ist es, was mich zur Verzweiflung bringt! — Wie habe ich ihn gebeten —" „Aber Doktor Kühn ist doch mit ihm nach Hause gefahren, warum hast Du denn dem nicht die Behandlung Deines Sohnes übergeben?" „Doktor Kühn — nun ja, der behandelt ihn." „Dann kannst Du unbesorgt sein, die Behandlung, die Doktor Kühn übernimmt, die ist in den besten Händen." „Ja, ja, ich erinnere mich, Du schwärmst ja auch für den Judendoktor." „Weil er sich bei mir bewährt hat, glänzend bewährt hat. — Sage mir nur um's Himmelswillen, was hast Du gegen ihn?" „Was ich gegen ihn habe? — Du warst doch gestern dabei, wie er sich verbürgt hat, Hugo werde sich heute wieder ganz wohl befinden, und nun—" sie rang verzweiflungsvoll die Hände, „der Scharlach ist bei ihm ausgebrochen! — Und einem solchen Ignoranten muß ich mein Kind anvertrauen!" „Das kannst Du unbedenklich thun, liebe Emma, Doktor Kühn ist kein Ignorant, denn wenn er auch, wie das seine Pflicht war, sein Möglichstes gethan hat, Deinen leidenden Sohn zu beruhigen, so hat er doch gleichzeitig mir gesagt, er fürchte, daß der gestrige Anfall der Vorbote einer ernsten Krankheit sei." „Das hat er Dir gesagt!" rief die Baronin erglühend, „und nun denke Dir diese Gewissenlosigkeit, ich habe seinen beruhigenden Worten ja auch nicht vollen Glauben geschenkt und war es deßhalb meine Absicht, die Nacht am Bette meines Sohnes zu verbringen. Aber Hugo wollte nicht zugeben, daß ich ihm meine Nachtruhe opfere. Ein gewissenhafter Arzt hätte doch sicherlich meine Absicht unterstützt, und wenn Doktor Kühn dafür eingetreten wäre, hätte Hugo auch schließlich nachgegeben. Statt dessen unterstützt der gewissenhafte Arzt Hugo's Krankenschrullen, meint, es könnte den Patienten irritiren, wenn ich an seinem Bette wachen würde und es wäre das allerbeste, wenn der alte Jean meine Stelle in dieser Beziehung einnehmen würde. — Wie gefällt Dir das?" „Liebe gute Emma, ich weiß, Du bist die treueste, die zärtlichste Mutter, ich kann es mir daher sehr wohl denken, daß Du am liebsten keinen Augenblick vom Krankenbette Deines Sohnes weichen möchtest. Ob Du ihm aber dadurch wohl thun würdest?" — sie zuckte die Achseln. „Dein Temperament taugt zu allem eher, als zur Krankenpflege, die geringste Kleinigkeit regt Dich auf und Du bist nicht im Stande, Deine Aufregung zu verbergen. Das könnte unter Umständen dem Patienten schaden. Ich kann die Anordnungen des Doktors nur gutheißen." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, montags and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehrt durch D. Zf. Slrinarker, Leipzig, Noßplatz jb. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., fiir's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuscripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Eopie zurückzubehalten Stellensuchende erhallen ans Wunsch die Inseraten Beilage vier Woche« lang gratis nnd franco zngesandt. Ebenso stunden wir aus Wunsch die Zahlung des JnscrtionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt). Leitender Artikel: Zum Pesach-Feste. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutsch land: Mainz. Köln. Berlin. Karlsruhe i. B. Oesterr.-Ung. Monarchie: Budapest. Prag. — Feuilleton: Elsa. <Fortsetzung). Ankalt der erste« Beilage: Leitender Artikel: Berliner Brief. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Worms. Stuttgart. Frankreich: Carpentras. — Ponsonalien. — Letzte Nachrichten: Wien. Inhalt der -weiten Beilage: Tie Nahrung des gesunden und kranken Magens. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. Broinberg. Köln. Lobsens. — Rußland: Petersburg. vell-tr Beilage r Das jüdische Kurhospital, Beth Rephua im Sool- und Seebade Kolberg' — Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Blätter für jüdische Geschichte nnd Litteratur. Extra Beilage r Hagada Schel-Pesach. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu fünf Beilage«.

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