Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 30-31 (12.4.1900)
- Date
- 1900-04-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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624 Spenten in Renten: Zum Fonds 200 ft, an Interessen 6774 fl. 35 kr., Darlehensruckzahlungen 609 fl. Die Gesammteinnahmen betragen 18.283 fl. 82 kr. Verausgabt wurden an Unterstützungen 12.900 fl. 10 kr., für religiöse Functionen 706 fl. 48 kr., für Gehalte und Remunerationen 790 fl., für unverzinsliche Darlehen 630 fl. etc. Das Vereinsvermögen, welches am 1. Jan. 1899 sich auf 166.486 fl. 85 kr. belief, betrug am Jahresschlüsse 166.200 fl. 5 kr., also um 286 fl. 53 kr. weniger. Im Geschäftsberichte heißt es weiter: Der Vereinsvorstand huldigt der Ansicht, daß es nicht die Aufgabe des Vereins ist, Vermögen zu sammeln, sondern die Armen und Nothleidenden der Gegenwart zu unterstützen. Doch muß constatirt werden, daß die Zahl der verschämten Armen und nothleidenden Familien in unserer Gemeinde in stetem Wachsen begriffen ist, weil die antisemitische Strömung einerseits, die Assanirung der Josephstadt andererseits die Erwerbsverhältnisse vieler Glaubensgenossen ungünstig beeinflußt. Mögen sich doch alle Diejenigen, welche ein warmfühlendes Herz für die Roth ihrer Mitmenschen haben, vor Augen halten, daß unser Verein aus der breitesten Grundlage Wohlthätigkeit übt, daß alle Hilfsbedürftigen ohne Unterschied, Wittwen, Waisen, Greise, Kranke und ganze Familien, in gleicher Weise unterstützt werden, und daß der Verein einen der wichtigsten Factoren in der Armenversorgung unserer Gemeinde bildet! Den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Sigmund Knina und Emanuel Podebrad wird der wärmste Dan! ausgesprochen. Ueber Antrag des Herrn Dr. Sigmund Schneider wurde nach längerer Debatte beschlossen, den bisherigen Mitgliedsbeitrag von 2 fl. 10 kr. auf jährlich 3 fl. 6 kr. zu erhöhen. Bei den hierauf vorgenommenen Neuwahlen wurden einstimmig die Herren Simon Dewidels, Leopold Kühe, Sigmund Plohn, Marcus Popper, Gottlieb Schmelkes, Gottfried Welsch wieder, Herr Ernst Busch neugewählt und zu Revisoren die Herren Adolph Hahn, S. Kolin und Heinrich Schulhof wiedergewählt. Ueber Antrag des Herrn Samuel Lieben wurde dem Vorstände für seine verdienstvolle Thätigkeit der Dank ausgesprochen. Feuilleton. Wcrcb einer wahren Wegeb en Heil. 17] Von Friedrich Rott Der Arzt entgegnete, „das wird das Beste sein," indem er zu dem alten Jean trat und ihn zum andern Ende des Tisches ziehend, im Flüstertöne seine In struktionen ectheilte. „Wenn eine Verschliinmerung eintreten sollte, müssen Sie mich sofort benachrichtigen lassen," schrieb er aus einen Zettel, den er dem Diener vor die Augen hielt. Dieser las und winkte mit den Augen, daß er verstanden habe. Der Arzt empfahl sich, auch die Baronin zog sich bald zurück, denn sie glaubte zu bemerken, daß der Kranke sich in ihrer Gegenwart mit Gewalt wach hielt, um sie hierdurch zum Zubettegehen zu bewegen. Sie neigte sich über ihn, hauchte einen Kuß auf seine Stirn, empfahl dem Diener nochmals die strikte Beobachtung der ärztlichen Vorschriften und verließ das Zimmer. Der alte Jean sah auf die Uhr, es war Zeit, dem Baron die Medizin zu geben. Er goß einen Eßlöffel voll davon in ein Gläschen und reichte es seinem Herrn. „Jetzt müssen aber der Herr Baron schlafen, der Herr Doktor haben es besohlen." „Dank, guter Alter, ich werde dem Befehl getreulich Nachkommen," Seine Augen schlossen sich in der That und es währte nicht lange, so bewiesen die ruhig gleichmäßigen Athemzüge, daß der Schlummer ihn übermannt hatte. Der treue Diener saß dem Bette gegenüber, wandte kein Auge von dem Schlafenden und beobachtete mit inniger Genugthuung den allem Anscheine nach ruhigen Schlummer. „Gott sei Lob und Dank, daß er endlich eingeschlafen ist," flüsterte er in sich hinein, „das wird ihm wohlthun — wenn er bis morgen früh so weiter schläft, dann ist er gesund." Der Alte hatte zweifellos recht, wenn der Baron bis zum Morgen ruhig geschlafen hätte, wäre er gesund gewesen. Aber der Schlaf währte kaum eine Stunde, dann schlug er die Augen aus und blickte wild um sich, der alte Jean reichte ihm wiederum einen Lössel Medizin, doch kaum hatte er sie an die Lippen geführt, als ihn ein Würgen überfiel. Von dem Diener unterstützt, richtete er sich hastig aus, aber das Würgen ward ärger und ärger, das bisher bleiche Antlitz ward dunkelroth, auch der Hals röthete sich und selbst die Hände — und noch immer ließ das entsetzliche Würgen nicht nach. Der Diener drückte auf den Schellenknops und als gleich darauf die Haushälterin in das Zimmer trat, trug er ihr auf, sofort anspannen und den Arzt holen zu lassen. Wenige Minuten darauf vernahm man das Rollen des Wagens aus der Einfahrt, denn der Doktor hatte vor seinem Fortgehen angeordnet, daß während der ganzen Nacht die Pferde eingespannt bleiben sollten. Das Würgen ließ noch immer nicht nach, bis endlich Erbrechen eintrat, woraus der Kranke vollständig erschöpft zurücksank. Aber die intensive Rothe wich nicht aus dem Angesicht und Hals und Hände hatten gleichfalls den blutrothen Schimmer nicht verloren. In namenloser Angst harrte der treue Diener der Ankunft des Arztes, von dessen Ausspruch er es ab-