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Der Israelit · 1900-04-12 · Heft 30-31 (12.4.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 30-31 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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622 Köln, 11. April. Am Donnerstag, 6. April, fand die zweite öffentliche Repräsentantensitzung der Synagogengemeinde statt. Vom Vorstände waren erschienen die Herren Dr. Apfel, Isidor Dülken, Amtsgerichtsrath Löwenherz, B. Feilchenf e ld , Sally Israel und Albert Simon. Von der Repräsentanz die Herren Max Be n d i x, Vorsitzender, Max W i l d b e r g , Simon Fra nk, Moses G o t t s ch a l k, Rechtsanwalt Dr. Mannheim, Louis He i l b r o n n , Ph. Neckar sulmer, Siegfried S i e m o n , Sally Bi elefeld,B. Heidenheim , Dr. Oppenheimer, Jos. Jacobs und Jacob Strauß. Zu Punkt 1, Revisionsbericht der Rechnung pr. 1898—99, sprach Herr Siegfried Simons namens der Revisionskommission und stellte fest, daß alles in bester Ordnung befunden wurde. Das Deficit, führt Referent aus, das in der letzten Repräsentantensitzung erwähnt wurde, beruhe auf den damals angeführten Gründen; Punkt 2, die Versammlung ertheilt dem Vorstand Decharge. Bei Punkt 3, Berichterstattung über den „Rheinischen Provinzialverband," ergriff Herr B. Feilchenfeld namens des Vorstandes das Wort und legte die Nothwendigkeit und die große Aufgabe, die sich der Verein gestellt, klar und schloß mit dem Ersuchen, die Synagogengemeinde Köln möge sich dem Vereine anschließen. Folgende Resolution wurde zu diesem Punkte gefaßt: „Die Repräsentantenversammlung beschließt den Beitritt der Synagogengemeinde Köln zum Provinzialverband rheinischer Synagogengemeinden und beauftragt den Vorstand mit der Ausführung des Beschlusses." Da der Vorsitzende für Vertagung der Angelegenheit ist, beantragt Herr Amtsgerichtsrath Löwenherz den Beitritt im Prinzip anzunehmen und den Vorstand zur Bewilligung von \<2—1 pCt. des Gemeindeetats zu ermächtigen. Da hiergegen von Seiten des Herrn Dr. Mannheim Protest eingelegt wurde, wurde eine weitere Resolution gefaßt und zwar: „Das Repräsentantencollegium begrüßt die Gründung des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengemeinden sympathisch und ermächtigt den Vorstand, namens der Synagogengemeinde Köln per 1900—1901 beizutreten." Diese Resolution wurde mit 10 gegen 3 Stimmen angenommen. Zu Punkt 4 sprach Herr Albert Simon, betreffend den Vorstandsbeschluß, laut dessen die Rabbiner abwechselnd eine etwa 10 Minuten währende Schrifterklärung halten sollen. Der Beschluß wurde einstimmig genehmigt. Bei Punkt 5 befürwortet Herr Isidor Dülken die Beibehaltung des bis dahin provisorisch eingeführten Gottesdienstes für Werktage im Trausaale des Synagogengebäudes. Herr Neckarsulmer bemerkt hierbei, kein Minjan an seinem Jahrzeitstage in der Synagoge Roonstraße getroffen zu haben und beantragt die Anstellung von fünf bezahlten Minjanleuten, welcher Antrag angenommen wird. Bei Punkt 6 bringt der Vorsitzende das schriftliche Gesuch des Herrn C. S. Lehmann zur Kenntniß, den Punkt 6 auf die Tagesordnung zu bringen und schließt sich der Ansicht an, daß Personalfragen betreffende Verhandlungen entschieden darunter leiden, wenn selbige nicht öffentlich stattfinden, da eine öffentliche Aussprache des Kollegiums in dieser Hinsicht unbedingt nöthig sei. Herr Gottschalk hält dies einzig und allein für richtig. Der Antrag des Herrn Lehmann wird mit 11 gegen 2 Stimmen abgelehnt. Punkt 7, Anstellung Filler betreffend, wird in geheime Sitzung verwiesen. Ob Herr Filler jetzt schon weiß, ob er Jude oder Nichtjude ist? Das ist allerdings nicht immer so leicht auf den ersten Blick sichtbar, noch gar, wenn man recht germanisch aussieht und das Judenzeichen, die typische Nase, vergessen wurde bei der Geburt!! Mit Punkt 7 war die Tagesordnung erledigt. Karlsruhe i. B. Der badischen „Landpost" entnehmen wir folgenden Passus einer Reisebeschreibung, der von den amerikanischen Juden handelt: Juden leben und speisen wie die Christen und halten ihren Sabbat am Sonntag. Am langen Tag fastet die Frau, der Mann läßt sich das Mittagessen auf's Contor bringen und ißt hinter verschlossener Thüre. Der polnische Jude dagegen, welchen ich auf der Rückfahrt persönlich habe kennen lernen, genießt nur koschere Kost aus koscherem Geschirr. Die Schiffsverwaltung schlug ihm seine Bitte um rohe Eier und was der Jude sonst noch essen darf, rundweg ab. Er könne — meinte der Doktor — ausnahmsweise mit der Schiffskost ganz gut auskommen. Allein eher, als dieser Mann und sein Weib das Gesetz verletzte, aßen sie nur ihr mitgebrachtes Brot nebst einer Brühe, deren Namen ich vergessen habe. Kajütenpassagiere achteten dieser Gesetzestreue und kauften ihnen Eier. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Budapest, 11. April. (Die Rede Szel l's.) Die Rede des Minister-Präsidenten Koloman v. Szell in der sogenannten Appropriations-Debatte (Debatte über das Finanzgesetz) wurde im Auszuge bereits mitgetheilt, und auch der außerordentliche rednerische und sachliche Erfolg, den Herr v. Szell damit errang, wurde schon constatirt. Der größte Theil dieses Erfolges ist demjenigen Theil der Rede zuzuschreiben, in welchem der Minister-Präsident sich gegen den Führer der katholischen Volkspartei, Grafen Johann Zichy wendete und ein offenes Bekenntniß der Regierung zu dem Grundsätze der Gleichheit aller Confessionen vor dem Staate ablegte. Es ist von Interesse, diese Ausführungen näher kennen zu lernen. Koloman v. Szell sagt: Der Schwerpunkt der Rede des Herrn Abgeordneten (Graf Johann Zichy) war, daß wir der Beruhigung der Gemüther Brücken bauen und daß wir Wunden heilen sollen, weil das Interesse des Landes dies erfordere. Mit Verlaub! Ich sehe, daß der Herr Abgeordnete anders predigt und anders handelt (Lärm

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