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Der Israelit · 1900-04-12 · Heft 30-31 (12.4.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 30-31 (12.4.1900)
Date
1900-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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630 Wellen. Von hinten wüthete der Feind, vornan das ungläubige Volk, doch in der Mitte thronte Gott. So war die Hilfe Gottes im Zuge nach dem Meere, so war sie in Egypten, so war sie in Gosen. Auch damals war es Nacht, und der Tag wollte nicht anbrechen. Auch damals war es finster, und das Licht wollte nicht erscheinen. Allein schnell änderte es sich. Es nahte ein Tag, wie die Hagada sich ausdrückt, „da waren Wächter gesetzt den Tag und die Nacht, ihr wisset es, es war in der Mitte der Nacht." Schnell ist Gottes Hilfe. Jener mächtige König, der gewaltige Herrscher Babylons, trank aus den heiligen Gesäßen bei dunkler Nacht; das Hciligthum lag in Trümmern und Israels Gott schien zu zürnen, lieber die Guten brach die Nacht herein; kein Hilfe, keine Rettung, kein Helfer in der Nacht. Die Zeiten waren trübe und Verachtung lagerte sich auf dem Volke. Doch Jakobs Stern leuchtete auch damals. „Es ries cer Hahn, der Tag brach an und bevor noch der Tag kam, toar Jakob gerettet. Ihr wisset es ja Alle, es war mitten in der Nacht." So kam oft plötzlich das Unglück über die schwachen Häupter Israels. Hamans Briefe wurden bei Nacht ausgezeichnet, sie sind seit dieser Zeit schon oft ausgesendet worden. Schon glaubte man, die trüben Wolken müßten sich entladen, es wollte nicht hell werden, denn lange dauerte die Nacht. Doch siehe da, der Herr ließ seine Stimme ertönen und rief vom Himmel, die Nacht ist dem Tag gewichen, denn der Tag ist da, die Bösen waren in ihren Netzen gefangen, ihr wisset es, es war mitten in der Nacht. Und so rettete Gott und beschützte alle Generationen Israels, vom Auszuge aus Egypten bis zur gegenwärtigen Zeit, bis zu diesem Augenblicke und so gehen alle Ströme über Israels Haupt vorüber. So enden die Stürme des Winters, und das Frühjahr erscheint sonnig in unserem Lager. So wendet Gott ab Krankheit und Theuerung, Hunger. Kummer und Noth und spendet Nahrung in Fülle. So kreisen sie um die Feste und das alte egyptische Licht brennt immer hell in unseren Hallen. So werden wir älter und feiern der Pesach viele in dem Kreise unserer Familie. Nichts schreckt uns. nichts macht uns verzagt, denn der egyptische Friede lagert um uns, Ruhe überall verbreitend; Abrahams Gott, der ewige Herrscher, der Beschützer in alter Zeit, da es hieß zbz pir sb , bx">kr>' ’js bzb 'rtp1?, wacht über uns. Legen wir unser Geschick in Gottes Hand, in die Hand unseres Kämpfers von Egvvten, des Kriegsgottes vom Jordan. Wir wissen ja, ptr-rn crsi crS ertIr ,mi, der Ewige streitet für uns, wir können und sollen ruhig sein. Darum ist der Dank in unserer Brust, darum rufen wir laut "Hbn, darum rufen wir nj nrtnn xjn, ach Gott, hilf uns, denn er ist Gott, der uns herausgeführtch^ch tcjmü von der Knechtschaft zur Erlösung. ungesäuertes Brot, oder w cnb, Brot der Armuth, soll uns Genügsamkeit lehren. Die Kunst, glücklich zu leben und heiter aus Erden zu wandeln, besteht einzig und allein in der Genügsamkeit. Häuft der . Menich Schatz aus Schatz, füllt er sein Haus mit Gold und Silber, versorgt er seine Speicher auf lange mit Früchten und es fehlt die Genügsamkeit, so sucht er vergebens den Frieden in seinem Innern; er wird ihn nicht finden. Oft sehnt er sich nach Ruhe, aber sie flieht ihn. Glaubt er auch, sie erhascht zu haben, es ist nur Schatten. Streckt er die Hände nach ihr aus, so heißt es 2"n u '2 „es ist ihm entwischt." Ja, der Fluch der Ungenügsamkeit zeigt sich im besonderen in den gegenwärtigen Zeitverhältnissen. Die letztverflossenen Jahre waren gesegnet, der Thau wühlte befruchtend den Boden aus. der Regen träufelte zum Segen und dennoch sind die Menschen unzufrieden, klagen die Landwirthe über die schlechten Zeitverhältnisse. Es fehlt eben die Genügsamkeit. Die Bemittelten denken nicht daran, daß es schon Zeiten gab, in welchen der Hunger gar schrecklich im Lande sich bemerkbar machte, in welchen die Kinder um Brot verkauft wurden. Nicht lange darauf aber hieß es crxzr hxb ina riw hct W3 bptfz c-w, „morgen um diese Zeit gilt ein Maß Kornmehl einen Schekel und zwei Maß Gerste ebenfalls einen Schekel im Thore Schomrons." Das Volk will verzweifeln und denkt nicht, daß Gott erlöst die Gefangenen, stützt die Gebeugten und speist die Hungrigen. Es fehlt die Genügsamkeit, und Unzufriedenheit fördert die Ungenügsamkeit. Hat aber die Genügsamkeit keine Stütze bei uns gestruden, so kann auch von Dankbarkeit gegen Gott nicht die Rede sein. Und wenn wir Menschen sehen, bei welchen crr6y nssp das Alter schon begonnen, deren Wangen bleich, in deren Herzen keine Fröhlichkeit, in deren Brust kein Friede, aus deren Gesicht kein Lachen, kein heller Blick, aus deren Seele ein ewiger Winter sich gelagert, und die Gott und seine Schöpfung verleugnen, und wir fragen nach der Ursache ihrer Verstimmtbeit, so müssen wir antworten, der böte Engel der Ungenügsamkeit hat sich auf ihren Schwellen gelagert, ihre Lippen haben von jeher Dankbarkeit zu sprechen vergessen; sie haben an den Geber nicht gedacht. Vergessen aber die Ungenügsamen die Dankbarkeit gegen Gott, so wird sie gegen die Menschen, ja selbst gegen die Eltern gewiß nicht mehr anzutreffen sein, denn ihr Herz ist vom Gewinn eingenommen, ihr Gefühl kennt keine andere Regung als Sammeln, Handeln und Gewinn. Hierdurch kommt es oft vor, daß die heilige Pflicht ruft, die Glocke der Dankbarkeit hell ertönt und mahnt, daß selbst die Eltern bittend die Hände ausstrecken und Niemand da ist, der, wie einst Boas spricht, frfaoi pcir xd ew bxr wv *f?xr cx wenn jener seiner Pflicht genügt, ist es gut, wenn nicht, so werde ich eintreten. Umsonst, das Gefühl ist stumm, jede Regung des Mitleides ist aus unserer Brust gewichen, für das Heilige und Beste ist kein Platz mehr, eine böse Leidenschaft hat ihn besetzt, sie heißt Ungenüg.. samkeik. Darum ruft uns die Hagadah beim Beginn des Seder zu x’jy xand xna, vergiß nicht, daß solch' armseliges Brot deine Vorfahren in Egypten gegessen, vergiß nicht ihr Elend in Egypten, vergiß nicht deren wunderbare vlötzliche Erlösung und dann wird auch dein Herz gut, edel und mitfühlend, dein Sinn recht-

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