Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2146 (10.2.1925)
- Date
- 1925-02-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wiener Worftenzeltung. _iö. M«rrr 1955 Äe. AN krmordete Wische Flüchtlinge. Sa, «vafniertenlagrr in rrebitsch. Im Herbst 1919 wmrn m dom mährischen Städtchen Trebitsch (das bis Amr Unfftuvz auch eine autonome jüdische Gemeinde besaß) die Brüder Thomas und Bartolonräus P o l i c k y spurlos verschwunden, nachdem sie eines Tages in der Sparkasse ihre Ersparnisse behoben batten, rmi sie zur Roten abstempelimg voMkgeu. Es verbreitete sich nun das Gerücht, -aß die beiden Briider nach Amerika mrsge'irandcvt seien. Vor einigen Tagen katn ein Sohn eines der Brüder Polieky mit einem getvisson Dvoracek M-sammen. Letzterer war betntnken und erklärte, als die Rede auf die Vermißten kam, daß er von -er Sache wisse und sagen könnte, wo die Leichen der beiden Polieky zu finden feien. Mehr wisse ein gewisser Fejta, der in die Sache c'ingcweiht sei. Aus diese Aussage hin wurden in Trebitsch unlfasseude Erhebungen vorgenomnren. Dvoracek, der am 5. Febrwar in .Haft genommen wurde, gestand zuerst, daß die Brüder Polieky, die -mit ihm und Fejta zusamnteu in der Kohnschen Mühle wohnten, in .fciive Wohtmng gelockt -und mit Tee und Rum bewirtet worden waren. Ms sie schläfrig wurden imd sich aus ein Bett legten, wurden sie mit einer .Hacke erschlagen und ihre Leichen in den Turbinen schacht der Mühle geworfen »mb mit Erde überschüttet. Die Tat vollisührte der Schuhmacher Josef Fejta unter Beihilfe Dvoraceks. Bei der Beseitigung der Älchen Haff Fejtas Vater, der 60 Jahre alte Johann Fejta, mit. Dvoracek legte da- GesÄnbniS ad im Jrhre 191.8 mit zwei Komplicen zwei evakuierte Jude« aus Galizien, die in Trebitsch unweit der Schule wohnten, ermorde, und beraubt zu haben. Auch ihre Leichen seien im Turbinenschacht emgeaschert. Nunmehr weiden dort, selbst BergungSarboiwn voryenommen. Bei einem neuerlichen Verhöre gestand außer Karl Dvoracek, der Vater von zwölf Kindern ist, auch sein Komplice Fejta die Morde ein. Nm die Gattin D v o r a c e k s, die im dringenden Verdachte steht, gemein« sam mit dem jungen Jarestaw Kunst weitere Mord auschläge gegen die Bewohner der Trebitscher Armenhauses verübt $u haben, leugnet beharrlich. Dvoracek gibt zu, acht Leute ermordet zu haben, doch bestehen Zweifel,, ob die Zahl der Opf«" nicht weitaus größer ist, denn gegen Sude des Krieges verschwand eine groß« Anzahl von galizifchen Juden, die, wie nachgewtosen werden konnte, Fojla zu sich -in die Wohnung gelockt hatte. ES ist schwer, die Namen der Opfer fostziristellen, da sie salbst die Verhafteten nicht kennen. Für -den Zynismus der verhafteten Familie Kunst ist es bezeichnend, daß sie vor ihrer Verhaftung zu dem Verhör Fejtas an den Tatort kam und dort wegen ihres Lachens allgemein auffvel. EWI ' Wien, Dien-Sbag . Ztchung mit dem übrigen Teil der Jndenheit zu teilen, sweun wir die Bereitschaft finden, die voft : dieser großen und verantwortungsvollen Aufgabe mit . tragen zu helfen. DieBalestineJnvestmentTorporation dankt ihre Entstehung der amerikanischen Jndenheit. Da i die Grundlage des jüdischen Lebens in Palästina sich aus- | dehnt, da auf allen Gebieten erfahrene Juden sich in j immer größeren Masten ansiedeln, so wächst der Bereich; für industrielle und ökonomische Entwicklung auf geschäftlicher Grundlage, besonders für solche Juden, die mit eini- - gen eigenen Mitteln inS Land kommen, deren Mittel aber - nicht ausreichend sind, um die Industrien, in denen sie früher in Osteuropa arbeiteten, nun in Palästina selbst;u begründe». Wir hoffen, daß eine solche Korporation, wie die geplante, nach einiger Zeit des Experimentierenrtuf jenem Gebiete paffende Gelegenheit für Jnvestterungen finden wird, so daß sie wirklich materiell die Entwicklung des Landes unterstützen und die Rate der Möglichkeit, frische Jmmigrantenströme zu absorbieren, in die Höhe treiben wird. Palästina spielt eine große Rolle in der Lösung des all ge nt einen Problems derjüdischenWand e r u n g und Hilfe, während .es auch einzigartige Gelegenheiten biete für die Entwicklung der jüdischen K n l t u r. Das sind genügend Gründe für die Berechtignng auf das Verlangen der Unterstützung der Juden ohne Rücksicht auf die Schattierung ihrer politischen Meinung. Obgleich, wie ich betonte, in Palästina der Raum für Entwicklung des Gcschäftslebens für lange Zeit i m Wachsen begriffen ist, besonders wenn Sie Juden, die in gewissen Ländern Osteuropas das größte Elend erleiden und nicht das nötige Geld haben, Bet der Annedlung iir Palästina unterstützen wollen — so muß doch stets die Grundlage unserer Arbeit der Keren Hajestod bleiben. Re ßinivanderung nach vrez Israel. 1840 Personen im Jänner. Jerusalem, 6. Fsbvuwr. (I. T. A.) Im Moniat Jäinwr 1926 sind nach der -soeben veröffentlichien offiziellen Stat-istvk 18-10 Personen Um PalMina ÄnyewMtdsvt. Das bodklu-tet eine Zunahme der Eintvandemmg gegenüber Dezember 1904, «r welchem Monat 1665 Einwcrr^ever -ms Lar,ld FcEommcini sind. neue grofte Spende für die Univevfititt in Jerusalem. Mts 2 v'N dom wi-vd ums ibemichtet: Der PMident der Ik-reiwisiMtg der Zionfften von Sydney (Australien), Herr Mc>rrns Sy -nro.nds, Hat Jöoitt „JetviHh CHvomckie" 5 0 0 0 P f;u nd Sterl i n g für die hebräische Universität *a Iern'alem yctspendet. Sit Alfred Mond Gast der Zionistischen Exekutive in Palästina. Jerusalem, 7. .Februar. (I. T. A.) Der jetzt 4n Palästiiua we-'.-lende Sir Mfred Mond, Miigl-ied des U-uttzrhauses und früherer JunenenimiistVr, würde von den MÄ- ^.-iederir der PalWirensitsth-zi-on'Pvschen' Exekutive zu Jem- Stf.Vm se ieMch entpftmtzen. StVeikunruhen in Tel-Awiw. Jerusalem, 5. Februar. (I. T. A.) Ilm Zustl-mnivnhang m i t Äsr am vevMngenen Dienstag in Tet-Mviw ftürens der AÄbeÄgeiber vsrkündiyton Anssperrang der Arbeiter im Baugewerbe fanden am 4. d. Unruhen statt. Es kam zu v'mem Zusammenstoß zwischvni ADbeitAeibern und ArbeÄnehmern; die Polizei schritt ein und verhaftete vier Arbeitgeher fn d di er Arbeiter. Sie Anstellung der ottomMchea Borlriegrschulden. Die Vertreter Palästinas vor dem Schiedsgericht drS Völkerbundes. i Eigendienst der „Wiener Morgenzeitnng".) London, 9. Februar. Prof. Eugene Bor ei, vor vom H ö l ke r bu nb geloLhlte Schiedsrichter M der Fmye der (Än'wenÄuingen Lar türöischen Sulhesfiomsfiaalmr gestm die Euffcheidung der Dökkeübunidkoimmistion über die ottvmanische Staatsschuld, hat dile MbovestbortM ^rtsien Zur ersten Sitzulng nach London oin^ladön. Eine endgültige Entschetduntz muß imrnhiaSb von drei Monaten gefällt 'werden. Vertreter fiir Palästina uind Transjordanien sind Wavnieh GeMMilastistent R. H. Brahtoin und Adid Efendi Äahi'bi. Es wn«de beschlossen, daß nach BmMnyuny dev ein» zcLnen Fälle 'durch d«e lbetveffervden Dortveter der SchLedrr-ichter die endgüttlige Enffchielduing m. Genf tnefte« wird. Die Avtheubers-stoozesstou vor n» üttrrttonalen Serichtrhof. Heut« Beginn der Verhandluug. Haag, S. Febmar. (I. T. A.) Der PvMmt des «u te rnationaleu Gerichtshofes im Haag hat d« Bechandlung über die Elektr-i-'jtätSkonzesfioue« Palästina für den 10. d. felftz. gesetzt. BeLmntlich hat sich der ktternackmaLe Gerichtshof schon «n Anguft 1904 acht dicher Angchymhoit besaßt rmd sich für -astan-ig «cklärt, m dich« Frage m ent* ßcheLd«, iSKtz» hch 4» WWW '&&*«*&*&’ tausch zwWen der eny?i«schen und dar griechi< scheu Rogievung swttgchmnidsn, der nuimmehr beendet ist. Die Vorgeschichte des Prozesses ist k:vrz folgonde: Ter Gmrche Mavromatis hatte tm Jahre 1913 fcot der tüMchen Regiernng eme Borkonzesston für die Ar'/ogL von Ele'ktvtzALtswerlklen für Lvcht und Kraft sowie für dem Bau von StraßenHahnerr i^ Pailäst'Mv erh'Kton. Während des Kw-ogeS hat die englische Ockku-pa-tionSbLhörde dielst Pläne zum De«l verwirAicht. Nach dem Kriege lbewaub sich die Zio-nistische Organisationü>nr ähnliche K-.nzestiomn. Die enMche Regrammig hat dann dom Ingenieur P. Ruthenberg Konzeffionen für AnlaM van ElvktvizitätAstaiiMven lbei Ausnützung der JordvinwasterMe erteilt. Die Ansprüche des Griechen Mavwnuatis wies 'sie äb. Die gviechifche Regierung appellierte dann für ihren Stcatsa-ngehbrigien! Mavvamaiis an den intornaitiVualsn GerichtL'hof, der mm über die Angelegeichicikt zu ewßche-iden Hoden wird. _ -aarmarm ond Srmu. Ein Widerruf Haarmanns. Berlin, 9. Fedmar. (Tel.-Komp.) Die neueste Uebvrvchchung nr der Augelegenhevt des Masteumörders Haarmann ist eiin Bvief, den Haarmamr anr derr Vater des Grans geschickt ha>t und welchen dieser rmn der Gbaatisamwaltschcht übergab. Haarmanu hot dichen mehrere Sorten langen Bvief der einem Transport zur Zeugeneinvernckhnie aus dem Au-to abgsworfen. Der Mörder widerruft in dichem Schreiben alle gegen Grans erhoibenen Beschuldigungen. Man vermurtot, daß es sich nur um ein Manöve r HaavmannS handelt, der feine GalgenMt vevlängevn will. Der BevteMger Graus', RechtsaMvalt Lotze, hat die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. Mt der Halle gegen die Selledte. Meder ein Mordversuch in der Thurygasst. Ganz ähnlich dem neulich gemMeten lieber fall des Josef Schimak aus seine Leibensgafährtin hat gestern, und Zwar wieder in der Thurygaffe, der 27jährige Eisengießer Franz Kopriva seine Geliebte, die Lajährsge Marie Alt richtet, mit einer Hacke angegriffen imfc sie durch Hiebe verletzt. Zwischen fcerbeu gab es oft Streit. Kdprwa ist ein leicht reizbarer Mensch. Göftern hatten sie sich nach Zlofftigkeiten zn-erst versöhnt/ Dann hatte Kopriva der Mtrichter, die sich wegen ihres hochschlvanyeven Zustandes auf die Fra-ueMintk bsgeden wollte, $u warten befohlen. Darauf schrieb das Mädchen auf «inan Züttel, daß sie sich trennen müßten, da eL immer wieder Streit gebe. Kopriva schrieb gleichfalls euren Zettel, den er einer in der Wchmusg befiMichvn Nutermioterm für feine Mutter üibevgalb. PWtzlich stellte er sich vor die Mrichtor hin und rief: »Vmn wir «ns schon trennen mäste», dem» ist es am besten so," und warf im nächsten Au ge, Mick bem Mädchen wnc Hacke gegen den Kops. Er versetzte chr rwch mehrere S chl8 ge. Die Mtrichter flüchtete aus der Wohnung. Kvpriva eilte ihr «ach, hoÄe sie auf der Straße ein und fragte sie, ob sie zu einem Wachmann gche. Ms sie verneinte, sprang « aus einen Vorbeifahrenden Straßenbähl^ug und fuhr in der Richtung gegen den Mthanplatz davon. Die Mtvichter ging dem Zuge »ach und bald nachher kam ihr schon Kopriva in Bestleitung eines Wache beamten entgegen. Am Kommistariat wurde die RMungSgeftlffchaft berufen, die der Verletzten den ersten Verband anliggte und sie alS nicht spitalSbedü'of'tiLg stn Amte 'boiieß, so daß sie sich erst „ach ihrer Einvernahme in die FrauenNiniik begab. Kopriva scheint die Hacke versteckt verölt gchalten zu häbeu» wie ein in der Wohnung jKafendeS SchuMud Wgoh. Der Zettel, den Krpriva der Untermieters gegeben hatte, ew hielt die Worte: „Sid&e Ellern und Geschwister! Verzeiht mir meine Tat, sie ist wohl Überlegt. Gott nrit Euch! Euer unglücklicher Sohn und Bruder Franz? Der Mann gab bei ftiner Einvernahm« an, aus E ife rsucht gohcmdelt zu halben und erttärt, rnsvlge seiner großen Erngung nicht gewußt zu haben, waS er tue. Kopriva, bet wiederholt vor'bsstrfft ist, wird nach Abschluß der Erhebung^» dem Landesgerichte eingsliefert werden. Die Heilkraft der Mul». Dsi allen Völkern und zu alle« Zeiten war der Glaubt an die Heilkraft der Musik verbreitet, «ife viele «ralte Legenden berichten von der wunderlütigen Wirkung der Musik. Die Phllosophie und die meditzmische Wisstnschaft früherer Jahchmäxrte beschäftigte sich oft und gern mit dies« Frage, >uwd immer tarieber wurden die eigenartigsten Fälle zum Beweis der medizinischen Wundevkrast der Mulfilk angeführt. Die Skepsis »mseves Zeitalters hat diese ^medizinische Musik" in Acht -und Bann getan, trotzdem sich gerade in den letzten Jahren das Kurpfuschertum besonders breit gemacht und außerordentlichen Zulauf göfumden hat. Was dagegen die Bee'mfluffung der menschlichen Psyche durch Musik anikmgt, sv erkennen wir vieles, was früher aäS Wunder oder gar als Zauberei anigrstamrt wurde, als durchaus natürlich und stWstverstäM'ich an. Die ErMluug aus der Mkel^ trüe David durch fein SailenspiÄ König Saul von der Schwermut heilte, hat für uns nichts Verwunderliches, denn daß Musik auf den Melancholiker gute WiaSuug ausüben kann — wer wagte heute daran zu zweifeln? Und wenn ein Schriftsteller des 18. Jahrhnirderts darauf hinweist, daß die Musik zur Bevstinevung des GesühlsleLens, zur Berttefung des Goinüies von größter Bedeutung sein kann, so nehmen wir das als eine Tatsache hin, da wir die Beschäftigung mit jeder Kunst, allerdings wohl ganz beson'derS mit der Musik, als wertvoll für die Entwickluug des Gefühlslebens erkennen. Pythagoras (6. Jahrhundert v. Ehr.) suchte einen ähnlichen Vorgang rein körperlich zu eMären, rndcvr er von dem Nutzen der Morgennmsik sprach, welche die - Bewoglichkert der Hivnfasern seiner Schüler erhöhen sollte. Daß die Musik die bvstn Geister balvnt, -ist eine uralte UeLerliesevml-g, der -wir auch bei verschiedeiren kirchlichen Gebräuchen begegnen. Aber es hat wohl nichts mit Zauberei zu tun, wenn jemand, der sich in^ Dunikeln fürchtet, durch du frisches Liedchen sich zu ermuntern sucht oder vor sich hinpfeift, um die Angst vor Gespenstern zu verscheuchen. -Früher erkamrte man mrch hierin die Zaulberkraifl der Musik. Dü Königin Elisabeth von England (gest. 1605) gab, während sie mit dem Tode rang, Befehl, zur Linderurvg ihrer Todesguaien Musik zu «rächen. Arich sie glaubte, durch ein Konzert die bösen Geister vertreiben zu könilen. Aber, wie gesagt, man glaubte früher nicht nur an die Linderung seelischer Leiden ^durch Musik, sondern war davon überzeugt, daß di« Mrsik auch körperliche Gebrechen heile« könne. So erzählt der Philosoph Boethkns (470 bis SW n. Ehr.) im ersten Buch seines Werkes „De Musiea" van einem Dhales Ms Kreta, der die Pest in Sparta mit Musik heilte. Auch Homer schreibt in der JliaS die Befreiung des griechischrn Lagers von der Pest der Tonkunst zu. Theophrast von Grebos (327 bis 387 v. Ehr.), der SckMer deS AristoteleS und Mitbegründer der Peripatetischen Schule, will Hüftwch durch Musik heilen und enrpfichlt zu diesem Zweck besondere Stücke in der phrygischen Tonart; als Medizin gegen den Schlangenbiß lobt Theophrast Musik der Masinstvmwnte. Bo» Diogenes Laerdius (3. Jahrhundert n. Ehr ) berichten cllte «nedizinische -Wunderbücher, daß er bei Gelenksentzündungen Dtulsik enipfichlt, und der Nenpythagoräer ApolloniuS <1. Jahrhundert «. Ehr,) soll eine epileptische Frau auf stleichem Wage «HMMM. - '' " >-l '"Tr irr t'Tf-rt'fr'li »i-ri'V 'r'iHiTiTiir iri r rn r «rrrtir-! -iTnr-inrn-i r -n'i-nni rrriiiTir! r iit—•