Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 55 (1915)
- Issue
- Heft 27 (24.6.1915)
- Date
- 1915-06-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israeli». 9lo. 37 Sette 6 24. Juni lftlft _ Ottolenght eine Resolution an, in der sich der Verein, der „für die Rechte des Judentums ständig kämpft," mit der Regierung solidarisch erklärt, eine glänzende Zukunft dem Vaterland wünscht, zum Schluffe aber hofft, daß „im gegebenen Moment Italien das erste Land sein wird, die Agitation zu unterstützen, welche zum Ziele hat, eine bessere Behandlung von Hunderttausenden Juden zu erwirken, welche unterdrückt und verfolgt werden, die aber das Recht haben, als Menschen zu leben und auf ein besseres Leben hoffen, gerade wie die Bewohner der irredenten Gebiete". Für Nichtitaliener ist es schwer, eine solche Hoffnung aus der Tatsache des Treubruches und des Zusammengehens mit Rußland abzuleiten. Amerika. Der Kampf um Sen luSenKongretz. Aew-H-rK, 1. Juni. Die bereits vor 4 Wochen angesetzte zweite Versammlung der New-Aorker Kehillah, die sich mit der Frage der Einberufung eines jüdischen Kongresses beschäftigen sollte, fand am Sonntag statt. Die Kommission, die während dieser vier Wochen die Frage beraten hatte, legte einen Kompromißantrag vor, der ziemlich orakelhaft klingt und die Mitte hält zwischen den Wünschen der Herren Schiff. Marshall, Marburg und Genossen und dem lebhaften Drängen der zionistischen Volkskreise auf eine große Volksbewegung zu Gunsten der Judenemanzipation im Osten. Diese Kompromißresolution wurde fast einstimmig angenommen, doch zeigte sich bald, daß damit in der Tat keine Einigkeit erzielt, war. Eine sehr starke Minderheit der Versammlung, vielleicht sogar äs facto die Mehrheit, wollte den 36 Delegierten der Kehillah im „American Jewish Comitee" bindende Instruktionen mitgeben, wonach ein amerikanischer Judenkongreß als Vorbereitung für die Friedensverhandlungen unbedingt stattfinden müsse. Das bekämpfte die Gruppe Schiff-Warburg natürlich mit aller Entschiedenheit als Mißtrauensvotum. Die Sitzung wurde nach einer formellen Abstimmung, die den Gemäßigteren die Mehrheit brachte, unter ziemlich starken Tumulten geschlossen, und es ist klar, daß der Gegensatz zwischen Volksbewegung und diplomatischer Politik weiter fortbesteht. Alle Einsichtigen müssen sich darüber klar sein, daß das Recht in diesem Falle auf Seiten der besonnenen, von Schiff geleiteten Elemente liegt, da mit stürmischem Draufgängertum der Sache des jüdischen Volkes, das ja doch immer eine verschwindende Minderheit im Rate der Völker bildet, nichts genützt werden kann. Leo Sranh. Zrew-Borll, 1. Juni. Im ganzen Lande macht sich eine scharfe Protestbewegung gegen den drohenden Justizmord, an Leo Frank geltend. Personalien. Frankfurt a. M. Am 18. Juni verschied plötzlich und unerwartet der langjährige Faktor und spätere Geschäftsführer der Druckerei Rupert Baumbach, Herr Friedrich Eckmeyer. Auch der „Israelit", dessen technische Herstellung seit 1906 in der Hand des Verstorbenen lag, verliert in ihm einen treuen Mitarbeiter und technischen Berater, der mit Liebe und tiefem Verständnis für alle in unserem Matte zur Erörterung gelangenden jüdischenProbleme uns allezeit wertvolleDienste leistete. Wir werden ihm ein treues Gedenken bewahren. Julius Lunzer n''£- London, 20. Juni. Eine traurige Botschaft kommt aus London, die auch in Deutschland und Oesterreich-Ungarn tiefen Schmerz Hervorrufen wird. Der auch hier bekannte Herr Julius Lunzer ist nach kurzer Krankheit gestorben. Als Menstb und Jude gleich hochgeschätzt, verstand es Herr Lunzer, an der Seite einer gleichgestimmten Gattin sgeb. Ratzersdorfer) all seine Kinder zu echten Jehudim heranzuziehen, so daß in ihren eigenen Häusern der Geist des Vaters nun weiter lebt und waltet. Eine auf unerschütterliches Gottvertrauen gegründetes lebensfrohes Wesen zeichnete diesen Mann aus, dea mit dem Borbilde eines gottgefälligen jüdischen Lebens wohltuend und segensvoll auf seine ganze Umgebung wirkte. An der Beerdigung war die Judenheit aus allen Teilen Londons stark vertreten und man dachte wohl an die Worte der kommenden Sidra: iw n irm ne we» "7 » vpi n *c b», „Nach dem Ausspruch Gottes lagerte er oder zog weiter, in steter Wahrung der Gotteshut." Kein Opfer war ihm zu groß, wenn es galt, der Thora Ehre zu erweisen und ihre Satzungen in Lehr und Leben zur Geltung zu bringen. Seine Söhne schickte er zum Teil zur Weiterbildung auf die Jefchiwoh des Herrn Rabbiner Dr. Breuer, Frankfurt a. M., während er selbst mit Hilfe eines Hausrabbi fleißig dem Thorastudium oblag. Auf dem Gebiete der Zedokoh ward er mit Hilfe seiner Gattin nicht müde, besonders für nLs nwan* Zwecke, für die Armen des heiligen Landes, aber auch für die Bedürftigen in der Millionenstadt, insbesondere im Whitechapel eifrig zu sorgen und zu wirken. Ein ehrendes Denkmal setzte er sich in der Vereinsfynagoge, die auf seine Initiative erweitert wurde und in der er, im Besitze einer wohlklingenden Stimme, als Borbeter an den nnrns ww die Gemeinde zu tiefer Andacht hinritz. Seine Redlichkeit und Gradheit im Geschäftsleben machte dem jüdischen Namen alle Ehre. Die Eigenschaften des seltenen Mannes und den herben Verlust, den weite Kreise durch seinen Tod erleiden, schilderten am Grabe in beredten Worten die Herren Rabbiner Schönfeld, Jung und Gold - stein, sowie der Schwiegersohn des Verstorbenen, S. Fleischmann und Herr I s y L e w y. Möge Gott in seinem Erbarmen den Trauernden seinen Trost spenden. rrassn. Kettwig, 21. Juni. Herrn Lehrer Oskar S i m o n s ist die Vertretung an der Mittel- und Unterklasse der hiesigen evangelischen Schule übertragen worden. Errnershaufe», 20. Juni. Am 17. Siwan hat Herr Mendel Zeilberger, derzeitiger Kultusvorstand dahier, das Zeitliche gesegnet. Die schwergeprüfte Familie, die nun von beiden Eltern verwaist, verliert in ihm den sorgsamen Vater, dem die Sorge für Familie und Haus den Hauptinhalt seines Lebens bildete. Trotz seiner ausgedehnten, geschäftlichen Tätigkeit war er auch aus das Wohl feiner Mitmenschen bedacht. Durchreisende Arme fanden bei ihm täglich gastliche Aufnahme, Wohltätigkeitsanstalten wurden von ihm kräftigst unterstützt und feinen Mitmenschen war er ein verständiger Berater und Helfer. Dabei war er ein begeisterter Anhänger des Judentums, unterhielt sich gerne vom jüdischen Schrifttum und widmete den Sabbath und Festlag zum größten Teile dem Lesen jüdischer Schriften. rraaün. Schwerftnz, 19. Juni. Am Sabbat rinn nn starb im Alter von 75 Jahren Frau Röschen Kaatz von hier, eine vorbildliche Frauenerscheinung in unserer Gemeinde, in der Art, wie sie es als ihre Lebensaufgabe ansah, nur dem Judentums zu leben und alles das zu verwirklichen, was unsere min von der jüdischen Frau verlangt. So wirkte fie hier ein ganzes Menschenalter hmdurch und auf diese ihre vorbildliche Wirksamkeit ist es zurückzusühren, daß der Geist des gesetzestreuen Judentums in unserer Gemeinde sich bis heute unvermindert erhalten hat. Edel, hilfreich und gut wie sie war, fanden Arme und Bedrängte allezeit in ihrem Hause eine Zufluchtsstätte, die fie ihr Elend für eine Zeit vergessen ließen. Ihre vornehme Gesinnung betätigte fie auch noch im hervorragenden Matze, die tiefe Frömmigkeit, wovon sie ihr Lebelang beseelt war, verließ sie nicht, als fie auf dem Höhepunkt ihres Familienglückes stehend, den Mann durch den Tod verlor, der sie, die physisch schwache Frau, mit zehn unmündigen Kindern zurücklietz. Mit einer rührenden Gottergebenheit trug fie das über sie gekommene schwere Geschick und mit der ihr eigenen Energie gab sie den Kindern eine die Zukunft derselben sichernde Erziehung Das große Trauergeleite der Verstorbenen gestaltete sich zu einer ehrenden Kundgebung für die ganze Familie. In der warm empfundenen Grabrede schilderte Herr Rabbiner Dr. Lew in, Wrefchen. die Tugenden der Verblichenen. Tief ergreifend wirkten die dankenden Abschiedsworte, die Rabbiner Dr. Saul Kaatz, ein Sohn der Verstorbenen, in seinem und im Namen seiner Geschwister der verstorbenen Mutter nachsandle rra*». Wien, 20. Juni. Herr Samual Neuwirth, aus Nagymegyer in Ungarn wurde zum Bereinsrabbiner des Bethausvereins Wien II gewählt. Herr Neuwirth hat seine Ausbildung auf der Jeschiwa zu Frankfurt a. M. et ,alten. Budapest, 26. Juni. Der bekannte Journalist und Schriftsteller Max S z a b o l c z i, Redakteur des „Egyenlöseg", ist plötzlich gestorben. Eine eingehende Würdigung des öffentlichen Wirkens dieses vielseitigen arbeitsfrohen Mannes erfolgt in nächster Nummer. Kür de« NeklnMetell ist die Nedakli«» «ich» verantwortlich; insbesondere ist es ansschließltch Sache der Leser, die i« Reklaweteil enthaltene« Ewpfehlnngen ritueller Ware« «der sonstiger A«» gaben retigianSgesehttche« Ltzarakters a«f ihre «»«verlLsstakeit»« prüfe«. Kalasr Friedrich Quell« — Offenb&eh a. E- Gegen Gieht und Rheumatismus bew&hrt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stalu, Frankfurt a. 1L, Gftnthersburgallee 87. Tel. 259«. 714 Famtliennachnchlen. Geburten. Einen Sohn: Moses Wollach jRoserrbaum), Hannover. Sabbat-Anfang u. Ausgang. gfra rag? OB Ti Anfang Datum Ausgang UhriMm. 19151 5675 Uhr jMm. 26. 14. Frankfurt a. M. 8 — Juni TammuS 9 40 Berli« .... — — — — MUimstett . . . 7 15 9 08 Strastb«rg . . 7 30 9 30 Ststtgart. . . — — — — Pose« .... — — — — Sttir»bers > . . 7 30 9 20 H««tb«rg. . . — — — — Die Vorbereitungsschule nebst Jüdischem Genesungsheim des Dr. Jvnas Simon in Heidelberg, Weberstraße 6 (staatlich-krmzes sioniert) hat hervorragende pädagogische Erfolge aufzuweisen. Es ist daher nicht zu verwundern, daß sich . dieses Institut des Vertrauens weiter Kreise erfreut. \ Die herrliche und gesunde Lage der Jnstituts- 1 Villa erweckt die Bewunderung aller Besucher. Die - einzigartigen Spaziergänge in die Hel'det- - berget Berge, die direkt an der Stadt sich erheben, stählen Körper und Geist der jugendlichen Lieblinge. Monatsschrift \V\ \Y\ fürLehreu.Leben 141 \ im Judentum Herausgeber Dr. I. Wohlgemuth. Heft 6 des Jefchnrn» ist erschienen und enthält die Aufsätze: „Der ewige Friede" vom Herausgeber. — „Die Selbstüberwindung Josephs" von Prof. Dr. A. Sulzbach, Frankfurt a. 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