Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1893)
- Date
- 1893-07-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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M^MMWWWWWMWMWMWMWM^WW^M^^> .-■■ ...: .j.. )-h.uiu .■ ,4 -..l- .> | XXXIV. Jahrgmrg. Beilage zu M 55 -es „Israelit^. Leitender Artikel. Z»ie Kolonien des Aaron Kirsch. Von Lucien Gerbel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Die projectirte Colonisation im Norden (Chaco-Formosa) schien eine Verspätung erfahren zu müffen, denn die Regierung konnte den Verkauf nationaler Güter nicht ohne Zustimmung der Kammern abschließen. Es handelte sich um nicht weniger als 12,000 Quadrat Kilometer Landes mit anderen Worten 6,250,000 Hectar und um Zuerkennung und Erweiterung verschiedener, den Einwanderern schon durch das Colonisations Gesetz vom 19. October 1876, bewilligter Vortheile. Aber die Lage der Juden in Rußland erheischte schnelle Hilfe und dies war der Grund, daß man einstweilen andere Terrains zu kaufen sich bemühte. Den Ankauf im Chaco und Formosa und die Bewilligung der Concesstonen sah man als gesichert an, da die Regierung Geld brauchte und betr. Vorlage sehr unterstützte; die Zustimmung der Kammern hielt man für eine bloße Formsache. Auf diese Frage werden wir später zurückkommen. Der Preis des Bodens ist überall veränderlich, aber namentlich in einem jungen Lande, welches jährlich eine bedeutende Anzahl Einwanderer aufnimmt und dessen zum Theil noch unausgebeuteten Hilfsquellen immer mehr das ausländische Capital anziehen, ist der Preis des Bodens fortwährenden Fluctuationen unterthan. Nach Gründung der Hypotheken-Banken, welche coulantest Grundstücke belehnte, war die Speculation enorm. Hunderte Anerbietungen wurden der Empresa Colonizadora del Baron Hirsch gemacht, die lehnte Dr. Loewenthal rundwegs ab, die andern sollten zur engeren Wahl kommen. Bei dieser Gelegenheit bewies Dr. Loewenthal, wie gründlich er alle culturfähigen Erdstriche Argentiniens kennt und jede Zurückweisung, die er erlheilt, die er ertheilen mußte, schuf dem Unternehmen einen Gegener und weil er eben so viele Offerten unberücksichtigt lasten mußte, wuchs die Zahl der Gegner schnell heran. Wir dürfen nicht unerwähnt lasten, daß von vielen Seiten Dr. Loewenthal der Vorwurf gemacht wurde, bei diesen Unterhandlungen Persönlichkeiten mit Ungeduld und Geringschätzung behandelt zu haben. Wer aber den großen Andrang und die noch größere Zudringlichkeit vieler Herren zu sehen Gelegenheit hatte, welche Herren manchmal ganz untaugliches Land anzubringen bemüht waren, wird die Geduld, welche Dr. Loewenthal entwickelte, nur bewundern. Kurz aber, Gegner waren geschaffen und diese Gegner, meist angesehene und einflußreiche Persönlichkeiten, ließen die klerikale Presselihre Stimme gegen das Unternehmen des^Baron Hirsch erheben. Die liberale Preffe erkannte jedoch die Vortheile, welche dem Lande, sowohl durch die 50 Millionen zu importirenden Goldsranken als auch durch die Einwanderung Tausender für den Ackerbau bestimmter Familien, erwachsen müßten und trat demgemäß energisch für das Unternehmen ein. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch erwähnen, daß die bedeutendsten Staatsmänner Argentiniens zur Devise den Ausspruch eines der verdientesten Regierenden des Landes angenommen haben, der da lautet: „In Argentinien regieren, heißt es bevölkern." Auf Wunsch des Baron Hirsch bildete Dr. Loewenthal aus jüdischen und nichtjüdischen Notabilitäten der Hauptstadt ein Wohlthätigkeits-Comita. Dieses Comit6, welches Baron Hirsch mit einem Capital von 100,000 Frcs. dotirte, hatte zur Aufgabe, jüdischen Einzel-Einwanderern zu helfen und überhaupt unglücklichen jüdischen Familien, welche die Hauptstadt passirten, Hilfe zu leisten. Aus den Mitgliedern dieses Comites wurde auch eine Landkaufs- Commission erwählt, welcher mit consultativer Stimme Dr. Loewenthal zur Seite stehen sollte. Mitglieder dieser Commission waren u. a. auch Herr Martin Meyer, hochachtbare Persönlichkeit, ein Schwager des Dr. Pelligrini s. z. Präsident der Republik, Herr Maschwitz, Director der deutschen Uebersee-Bank, Herr Tornquist, Inhaber einer der bedeutendsten Privat-Banken u. a. m. Dr. Loewenthal war mit dem Kauf des Landes sehr vorsichtig, er war so vorsichtig, daß, als eines Tages (Mitte Juli 1891) die Kabelnachricht von der Einschiffung einiger 60 jüdischen Familien eintraf, noch kein Land gekauft war. Dieser Transport landete schließlich in Buenos-Aires, und noch immer war kein Land gekauft! — In den ersten Tagen des Monat August erreichte der Dampfer „Rosario" von Hamburg kommend den Hafen von Buenos - Aires und brachte die ersten 60 Familien nach Argentinien. Die Ueberfahrt war glücklich, nichtsdestoweniger haben unsere jüdischen Paffagiere während der 30tägigen Ueberfahrt schwere Strapazen zu überstehen gehabt. Nachstehende, von der argentinischen Regierung getroffenen Dispositionen, welche übrigens mit den diesbezüglichen Bestimmungen der europäischen Regierungen übereinstimmen, unterwerfen die Schiffe, welche die Ueberfahrt der Einwanderer besorgen, bestimmten Vorschriften: Kein Schiff darf mehr als einen erwachsenen Pastagier oder 2 Kinder (von 1 — 8 Jahren) für je zwei seiner Register-Tonnen aufnehmen. Der Raum, den jede Person einnehmen darf, beträgt 1,30 Mtr-, wenn die Höhe der Brücke 2, 28 Mir. ist, 1,33 Mtr., wenn 1,83 Mtr. und 1,49 Mir., wenn die Brücke 1, 66 Mtr. hoch ist °, Kinder unter einem Jahre sind in dieser Berechnung nicht inbegriffen und je 2 Kinder unter 8 Jahre werden als eine Person gerechnet. Das Zwischendeck der Schisse muß mindestens 1,66 Mtr. hoch sein und