Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1893)
- Date
- 1893-07-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1058 Herz erstarrt hielt, zu lindern vermochte und mich der Menschheit von neuem wtedergab. Mein Leben hatte fortab ein Ziel, mein Streben ein Zweck. Ich segnete die strafende Gotteshand, die mich so hart getroffen, die mich in meinem Unglück zum glücklichsten Menschen gemacht hatte. Das Glück blieb mir hold. Ich fand einen meinen Wünschen und Fähigkeiten entsprechenden Wirkungskreis, der mir die Aussicht eröffnete, aus eigener Kraft mit der göttlichen Hilfe mir ein Heim und eine neue Heimath schaffen zu können. Da traf Dein Brief ein. Wie ein Blitz aus wolkenlosem Himnel, wie ein tödtlicher Keulenschlag aus dem Hinterhalte traf er mich; es wurde Nacht um mich; die Sonne meines Glückes versank und doppelt unglücklich stehe heute vor Dir, um aus Deinem Munde das Leben oder den Tod zu empfangen. Nein, Rahel, es ist nicht wahr, was in diesem Briefe steht. Ein böser Geist hat Deine Feder geführt, Dein Herz weiß nichts von dem, was Deine Hand gethan! Gib mich dem Leben wieder, Geliebte, ein Wort aus Deinem Munde entreißt mich dem Abgrund; zögere nicht, meine Rahel, sprich es aus; im Namen Gottes beschwöre ich Dich, gib mich dem Leben wieder! — „Du schweigst? Du weinst? Haft Du Mitleid mit mir? O, laß es in Deinem treuen Herzen wohnen, ich bin auch damit so lange zufrieden, bis die Liebe wieder einzieht, denn das Mitleid ist die Mutter der Liebe. Du schüttelst traurig Dein geliebtes Haupt; warum? Willst Du dem Unglücklichen jede Hoffnung nehmen? O, Rahel sprich, hier vor dem Angesichte Gottes sage mir, ob die Liebe, die uns verband, aus Deinem Herzen entflohen, ob die Treue, die Du mir einst gelobt, Dir leid geworden ist? — „Wieder kein Wort? Nur schluchzend wendest Du Dich von mir ab! So muß ein anderer mir Antwort geben, so muß Dein Vater Klarheit schaffen zwischen Dir und mir." Wer vermöchte die Qual und Pein zu schildern, die Rahel bei diesen Worten ihres Geliebten erduldete. Sie wollte ihm Antwort auf seine Fragen geben und konnte es nicht; die Kehle war ihr wie zugeschnürt und die Thränen rannen wie Perlen über ihre Wangen. Sie mußte sich abwenden, die Erregung schien ihre Kräfte zu überschreiten. Da erwähnte Max ihres Vaters. Dieses Wort gab ihr die Kraft zurück. Rasch wandte sie sich dem Geliebten zn und sprach: „Wenden Sie sich an meinen Vater; haben Sie Vertrauen zu ihm, er will nur das Beste seiner Kinder und sein Wille ist für mich Gesetz. Was er Ihnen aber auch mittheilen mag und sei es das Schlimmste, Sie müssen es getrost als unabänderlich hinnehmen und dürfen ihm nicht zürnen. Ertragen Sie Ihr Geschick wie ein Mann, wie ein Jude. Und wenn es Sie trösten kann, das Bekenntniß meiner Liebe nochmals zu hören, so nehmen Sie diesen Trost mit von hier fort. Ja, Max, ich liebte Sie, ich liebe Sie noch immer und werde Sie lieben, so lange ich athme. Und nun tröste Sie der liebe Gott! Adieu für immer! Lebewohl für ewig!" _(Fortsetzung folgt.)_ Wochen - Kalender. Freitag, 14. Juli, Ab. ttnn PiO Sabbat-Anfang in Mainz 8 Uhr — Min. (M. E. Z.) Samstag, 15. Juli, 2. Ab. ' J> D D m D ö Sabbat-Ausgang in Mainz 9 Uhr 30 Min. (Ll. E. Z.) Der ,3»raeltt' erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel j* btfitgttt bet E. F. K t t i n n tfc t t, Leipzig, Kohplatz 18. — Inserate 26 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland tmd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eiue Rücksendung von an die Redactio» eingesandten Mauufcripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von alle» Einsendungen eine Kopie zurürkznbehalte«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Darmstadt. Berlin. Königsberg i. Pr. Dberhausen. — Oefterr.-Uirgar. Monarchie: Wien. — Afrika: Tunis. — Rußland. — Vermischtes. — Feuilleton: Die drei Kronen. Von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Kolonien des Baron Hirsch. Von Lucien Gerbel (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. — Rußland: Petersburg. — Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage«.