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Der Israelit · 1893-07-10 · Heft 55 (10.7.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 55 (10.7.1893)
Date
1893-07-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1056 Graf Schuwalow in Talne, Gouver. Kiew, besitzt mehrere Güter in der Nähe von Talne, auf welchen im Sommer Tausende von Menschen beschäftigt sind. Er äußerte vor einiger Zeit den Wunsch, daß auch Juden aus Talne zur Arbeit herangezogen werden sollen, und schon sind jetzt 600 Juden, Männer, Frauen, Knaben und Mädchen, täglich von Früh bis Abend auf dessen Gütern beschäftigt. Graf Schuwalow besucht von Zeit zu Zeit die Felder und ist mit den jüdischen Arbeitern höchst zufrieden. Zum Schluffe noch eine Thatsache-. Die jüdische Gemeinde zu Schuinztan, Gouver. Wilna, welche von einem schrecklichen Feuer heimgefucht wurde, veröffentlichte in verschiedenen Zeitungen einen Aufruf zur Herstellung der Talmud-Thora. Unter den wohlthätigen Spendern ist auch der Pfarrer Herr Johann aus Kronstadt mit einer Spende von 400 Mark. -£• Vermischtes -ch- Berlin, 25. Juni. Der städtischen Heimstätte für Wöchnerinnen in Blankenfeld hat Herr Kommerzienrath Arons einen Fonds von 20,000 Mark überwiesen und dadurch den Magistrat in die Lage gesetzt, in größerem Umfange Freistellen an bedürfiige Wöchnerinnen vertheilen zu können, als es bis jetzt der Fall war. Derselbe Herr hat auch die städtische Heimstätte für genesende männliche Personen in Blankenburg durch frühere Zuwendungen in die Lage gesetzt, einer größeren Anzahl bedürftiger Personen kostenfrei Aufnahme zu gewähren. Herr Kommerzienrath AronS gehört auch dem Kuratorium der letzteren Anstalt an. Herr Gotthilf Salomon, Vorsitzender der Sachverständigen- Kommission der Leder-Industriellen von Berlin, ist vom Kommissar des Deutschen Reiches für die Ausstellung in Chicago als Preisrichter berufen worden. Der Druckschriftenhändler Pünschke, welcher wegen Beleidigung zweier die Friedrichstraße passirenden Herren, die er für Juden gehalten, zu drei Monaten Gefangniß verurtheilt worden war, hatte gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt. Nach Wiederholung der Beweisaufnahme hat der Gerichtshof die Berufung verworfen. Hoffentlich dient diese Verurtheilung auch andern antisemitischen Fanatikern zur Warnung. Herr E. Darewsky, welcher früher als Oberkantor in Lemberg, später als Gesangsprofeffor in Wien angestellt war, ist nach kurzem Aufenthalt in London einstimmig zum Kantor an der deutschen Synagoge gewählt. Feuilleton. > Die drei Kronen. «$- Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Trotz der peinlichst genauen Durchsuchung des Comptoirs, des Caffaschrankes und der übrigen Schränke fand man nichts belastendes. Nur eine ansehnliche Correspondenz mit den Führern der Antisemiten fand sich vor, welche der Beamte behufs Durchsicht mit Beschlag belegte. „Haben Sie sonst keine geheimen Schiebladen, Schränkchen re.?" fragte nun der Richter. „Suchen Sie doch", entgegnete Bastian, „Sie glauben mir ja doch nicht." Und nochmals durchsuchten die Beamten alles, ohne etwas zu finden. Louise war zu ihrem Mann getreten und suchte den furchtbar Aufgeregten zu beruhigen. Sie hatte große Mühe, ihn von einer Gewaltthat zurückzuhalten und gerade dieses aufgeregte Wesen machte den Müller dem Richter verdächtig. Er glaubte in ihm den intellcctuellen Veranlasser des verübten Einbruchs gefunden zu haben, denn wie käme er sonst dazu einem Vagabunden erster Klaffe die Stelle eines Verwalters zu geben, wie käme zer, wenn er unschuldig an der Sache wäre, zu solch eigenthümlichem Benehmen? Ja, die Verdachtsgründe schienen ihm so schwerwiegend, daß er den Müller zu verhaften beschloß. Im eigenen geschloffenen Wagen wurde er in sicherer Begleitung zur Stadt gebracht und in das Untersuchungsgefängniß abgeliefert. Als man Louise, die kurz vorher abgerufen worden war, die Nachricht die Verhaftung ihres Mannes überbrachte, stöhnte sie lautauf. Die so eifersüchtig gehütete Ehre des väterlichen Namens hatte einen häßlichen Fleck erhalten; das Kind, das sie unter dem Herzen trug, war entehrt, bevor es geboren! Ja, der Dichter hat recht: Böses muß mit Bösem enden. XV. Seitdem Rahel dem Geliebten den Absagebrief geschickt, waren vier Wochen verstrichen, ohne daß sie eine Antwort erhalten. Es befremdete sie, daß sich der Geliebte so leicht in die Trennung finden konnte und nicht ein Wort der Klage, ein Wort des Abschieds für sie hatte. Wenn er so leicht entsagen konnte, mußte seine Liebe doch nicht so groß gewesen sein und vielleicht hatte sie dem Schwure ewiger Treue, den er ihr geschworen, doch allzuviel vertraut. Aber was wollte sie denn? War sie nicht diejenige, welche die Treue gebrochen hatte? Wie konnte sie von einem charaktervollen Manne erwarten, daß er sich nach einem Absagebrief noch um sie kümmere! Sollte er vielleicht um ihre Liebe betteln? Gewiß nicht; Curie! hatte ein Recht auf sie böse zu sein und er handelte ganz so, wie sie an seiner Stelle gehandelt hätte. Trotzdem konnte sie ihn nicht vergessen und in stiller Wehmuth gedachte sie des Armen, des Unglücklichen, dem Barbaren Heimath und Vaterland, Hab und Gut geraubt hatten, der nur noch seinen Glauben

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