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Der Israelit · 1893-07-10 · Heft 55 (10.7.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 55 (10.7.1893)
Date
1893-07-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1054 Um die hier aufgespetcherten Unwahrheiten, falschen Voraussetzungen und Folgerungen aufzuzählen und zu widerlegen, braucht man zehn Mal 16 Seiten. Dabei wird das Alles mit einem Selbstbewußtsein und einer Anmaßung zum Besten gegeben, die selbst einen gediegenen Inhalt verunzieren könnte. Es genügt daher eine solche Schrift skizzirt zu haben, um des Eingehens auf ihren Inhalt enthoben zu sein. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuze«. Deutschland. Darmstadt, 5. Juli. Vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts hatte sich der vormalige Redakteur und Verleger Theis der inzwischen etngegangenen antisemitischen Zeitschrift „Der Landwirth und Bienenzüchter" wegen Beschimpfung der jüdischen Religion auf Grund des § 366 des Strafgesetzbuches zu verantworten. Theis hatte vom November 1891 bis März 1892 in verschiedenen Nummern seines Blattes, angeblich gedrängt von seinen Abonnenten, einige Stellen aus dem antisemitischen Katechismus zum Ausdruck gebracht und kritifirt. Diese Veröffentlichungen will er nicht für strafbar gehalten haben. Professor Dr. Strack von der Berliner Universität erklärte als Gutachter, die inkrimtnirten Stellen seien dem Schulchan aruch entnommen, zum Theil wohl formell anstößig, jedoch vollständig aus dem Zusammenhang herausgerissen und müßten deßhalb zur irrigen Auffassung führen; der Inhalt des antisemitischen Katechismus zeige eine vollkommene Unkenntniß des Talmuds u. s. w. Auf Grnnd dieses Gutachtens gelangte das Gericht zu der Ansicht, daß Theis, obwohl er die ihm zur Last gelegte Strasthat begangen und zugeftanden, weil ihm die nöthige Einsicht zur Beurteilung der Frage, ob der Abdruck strafbar ist oder nicht, gefehlt habe, von Strafe und Kosten freizusprechen sei. Berlin, 29. Juni. Ahlwardt hielt gestern eine große Versammlung ab, worin er den Sieg des Radikalantisemitismus feierte und diesen Namen für seine Bestrebungen annahm. Die Konservativen und das agrarische Junkerthum hätten den Antisemitismus nur als einen Vorspann benutzt, auch die vor den Wahlen mit ihm getroffenen Verabredungen nicht gehalten, ihn sogar bekämpft; sie seien nicht ehrlich, und da ihm die Ehrlichkeit über alles gehe, so wolle er mit ihnen nichts gemein haben. Die Versammlung nahm diese stolze Erklärung des ehrlichen Mannes mit stürmischem Beifall auf, ebenso die Versicherung, daß der Antisemitismus jetzt im Reichstage ganze Arbeit machen und den verschiedenen hohen Herren kräftig auf die Hühneraugen treten werde. Königsberg i. Pr. Das dahier bestehende „Haupt-Grenz-Comits für die russischen Juden", welchem die Pflicht obliegt, die Auswanderung der russischen Flüchtlinge zu regeln, hat seine Thättgkeit in Folge der von der preußischen Regierung getroffenen Abwehrmaßregeln, welche in der strengsten Weise durchgeführt werden, entgiltig eingestellt und auch die in den Grenzstädten befindlichen Lokalkomites angewiesen, den Auswanderern keinerlei Unterstützung mehr zu Theil werden zu lassen, sondern sich aufzulösen, da die Hoffnung, daß die Grenze den Flüchtlingen in absehbarer Zeit wieder geöffnet werden würde, fallen gelassen werden muß. Während die deutsch-russische Grenze bisher nur von russischen Soldaten bewacht zu werden pflegte, sind nunmehr auch von preußischer Seite berittene und Fuß-Gendarmen an allen solchen Stellen stationtrt worden, an welchen das Ueberschreiten der Grenze seitens der Auswanderer zu erwarten steht. Das Elend, in welches die armen Leute somit gestürzt sind, ist unbeschreiblich. Seitdem ihnen durch behördliche Verfügung die Benutzung der von Königsberg oder Memel aus nach Stettin und Hamburg oder Lübeck fahrenden Dampfer verwehrt worden war, suchten sie auf Kauffahrteischiffen, welche nur in ganz beschränkter Anzahl Passagiere befördern können, von den genannten ostpreußischen Hafenstädten aus die überseeischen Länder zu erreichen. Dieses ist ihnen nun auch unmöglich gemacht worden. Die Rückkehr nach ihren früheren Wohnsitzen wird ihnen von der russischen Regierung nicht gestattet; sie können nicht ein und nicht aus, nachdem sie sich bis zur Grenze geschleppt haben. Die Flüchtlinge sehen einer trostlosen Zukunft entgegen. Oberhause«, 5. Juli. „Wieder Einer!" Die hiesigen Antisemiten, die im Laufe der letzten zwei Jahre eine stetig wachsende Anhängerschaar bekamen, haben einen schweren Schlag erlitten. Ihre „hervorragendste" Kraft und ihr „bewährtester" Agitator, Herr Lehrer Mahd, hat sich ins Ausland geflüchtet, um der ihm wegen eines schweren Sittlichkeitsverbrechens drohenden Verhaftung zu entgehen. Oe ft er. - Ungar. Monarchie. Wien. (Eine Rede des Pfarrers zu St. Florian.) Anläßlich der Einweihung eine neuen, der Pflege und Ucberwachung erster Jugend gewidmeten Anstalt hielt der Pfarrer zu St. Florian, Pater Josef Grünwald eine Rede, die zu jenen würdigen Kundgebungen gehört, welche in den letzten Jahren glücklicherweise doch nicht selten aus der Mitte des Wiener Clerus an die Oeffentltchkeit gedrungen sind. Die Anstalt, bei deren Eröffnung

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