Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 54 (6.7.1893)
- Date
- 1893-07-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1037 er die Wahl ablehnt, Dr. Förster aufgestellt wird. Diese Schwenkung der Antisemiten in ihrem Verhalten zu Ahlwardt ist um so bezeichnender, als erst kürzlich die konservativen Führer v. Schlteffen, Krause und Dr. Rätzel im „Friedeberger Kreisbl." Ahlwardt öffentlich beschuldigt haben, daß er sein Ehrenwort gebrochen habe, ohne daß Ahlwardt bisher sich von diesem Vorwurf reinigte. Mit welchen Mitteln übrigens Ahlwardt in Arnswalde-Friedeberg gearbeitet hat, zeigt eine Stelle aus einem „offenen Wort" an seine Arnswalder Wähler: „Meine konservativen Gegner sagen, ich sei Schuld an der Ausdehnung der Sozialdemokratie. Das ist unwahr. Die Junker und Juden, die das Votk ausschinden und zur Verzweiflung treiben, sind daran schuld." Daß Ahlwardt die Junker mit den Juden auf eine Stufe stellt, ist, wie die „Voss. Ztg." zutreffend bemerkt, die beste Quittung auf die neueste Ag'tatkon, mit der im letzten Herbst die Konservativen in Arnswalde Friedeberg Ahlwardt auf den Schild erhoben. Dresden, 1. Juli. Der Antisemit Zimmermann, der in Dresden und Alsfeld gewählt worden ist, hat in Dresden angenommen; mithin ist eine Nachwahl in Alsfeld nöthig. Magdeburg, 27. Juni. Die „Magd. Ztg." schreibt heute über die hiesige Stichwahl: „Es ist in den letzten Tagen von antisemitischer Sette nicht ohne Erfolg versucht worden, in hiesigen nationalliberalen Kreisen gegen unsere jüdischen Mitbürger mit der Behauptung Stimmung zu machen: „Die Juden hätten bet der Stichwahl für den Sozialdemokraten (Klees) den Ausschlag gegeben." Diese Behauptung steht wiederum mit den Thatsachen in vollstem Widerspruch. Die Synagogengemeinde Magdeburg zählt unter den 2000 Seelen ungefähr 400 Wahlberechtigte, die Uebrigen sind unter 25 Jahre alt. Von diesen 400 hat sicher mindestens die Hälfte, dem in dieser Zeitung veröffentlichten, von einigen namhaften Glaubensgenossen mitunterschriebenen Aufrufe folgend, schon bei der Hauptwahl, erst recht aber bei der Stichwahl, für den nationalliberalen Kandidaten gestimmt, die Anderen haben fast ausnahmslos bei der Stichwahl dasselbe gethan. Verschiedene erklärt freisinnige Juden haben sich sogar bei der Stichwahl agitatorisch für den nationalliberalen Kandidaten bethätigt. Uebrigens betrug die sozialdemokratische Mehrheit hier bekanntlich etwa 18,000 Stimmen, so daß die sämmtlichen 400 jüdischen Wähler an dem Ergebnisse nichts ändern konnten." Mw, 30. Juni. Wir erhalten eine Zuschrift, in betreff der von uns jüngst gebrachten Correspondenz aus Württemberg, die folgenden Wortlaut hat: Ich bestreite, daß die Verhältnisse in Ulm so liegen, wie sie in dieser Correspondenz geschildert sind. 1) Der Religionsunterricht in den oberen Klassen der hiesigen Mädchen- und Gelehrtenschulen wird in warmer Hingebung und vollster Pflichttreue ertheilt. 2) Es wird nach Kräften dahin gewirkt, daß die Kinder für den Glauben ihrer Väter erwärmt und begeistert werden. 3) Mit jedem Semester wird fortschreitend Neues planmäßig gelehrt und das bereits früher Erlernte repetirend befestigt. 4) Der Lehrstoff wird dem Verständniffe der Kinder entsprechend vorgetragen. 5) Unter Einhaltung des entworfenen Lehrplanes wird ztelbewußt bet Vergegenwärtigung des in den letzten Stunden behandelten Lehrstoffes unterrichtet. 6) Der Religionsunterricht wird in vollster Regelmäßigkeit und entsprechendem Erfolge ertheilt. 7) Der Religionslehrer der oberen Klassen ist nach Kräften bemüht, den Religionsunterricht des Lehrers in den untern Klassen gedeihlich zu fördern und das zu lhun, was Lehrer und Schüler anzueifern geeignet ist. Dr. Fried, Rabbiner. Born Main, 30. Juni. Ueber die Bildung einer antisemitischen Fraktion spricht sich der „Reichs» Herold", das Organ des Abg. Böckel, wie folgt aus: „Eine Vereinigung aller bisher gewählten Antisemiten zu einer Fraktion, in der De. Sieg!. Liebermann v. Sonnenberg, Ahlwardt u. s. w. vertreten wären, ist natürlich nicht denkbar, dagegen ist ein gemeinsames Vorgehen in der Judenfrage nicht ausgeschlossen. Die sechs in Sachsen und die sechs in Hessen gewählten Antisemiten werden sich auf Grund des reformirten Erfurter Programms zu einer deutschen Reformpartei vereinigen. Eine Fraktion, deren ausschließlicher Zweck der Kampf gegen das Judenthum ist, wäre unmöglich. Es ist zu hoffen, daß sich unserer Fraktion noch drei Mann, wenn auch nur als Hospitanten anschlteßen, damit ein selbstständiges Vorgehen im Reichstage ermöglicht wird." Die drei Fehlenden lassen sich ja leicht auf Grund der Wahlversprechungen aus den Reihen der Konservation und Nationalliberalen herausholen. Mit Kräften wie Hasse, Bantleon. Rother, Sachse die Böckel'sche Neugeburt zu alimentiren, werden jene Parteien kein Bedenken tragen. Oels, 27. Juni. (Gegen den Antisemitismus.) Während der jetzt abgeschlossenen Wahlbewegung hatte auch der hiesige deutschsoziale (antisemitische) Verein eine rege Thätigkett entfaltet