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Der Israelit · 1893-07-06 · Heft 54 (6.7.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 54 (6.7.1893)
Date
1893-07-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1082 die ihnen eine der wichtigsten Nahrungsquellen unterbindet. Man fragt sich, wo denn die aus Galizien entsendeten jüdischen Abgeordneten geblieben sind? Was nützt das Ankämpfen gegen den Wiener marktschreierischen Antisemitismus, waS frommen die glatten Worte, die im Reichsrath über die Gleichberechtigung der Juden zu hören sind, wenn man den im Dunkeln schleichenden Judenhaß, der uns den Biffen aus dem Munde zu reißen bemüht ist, ruhig gewähren läßt? Wohl hat man von dem Antichambriren einiger jüdischer Abgeordneter beim Minister der Finanzen vernommen, aber keine Stimme erhob sich um die Interessen der bedrohten jüdischen Kleinhändler vor versammelter Volksvertretung in öffentlicher Sitzung in Schutz zu nehmen. Man fragt sich, warum denn die Juden häufig ihr Gut und Blut daran zu setzen haben, um jüdische Abgeordnete zu wählen, wenn dieselben ein glänzendes Schweigen beobachten, so oft es gilt, im Gegensätze zu den polnischen Herren die Lebensbedürfnisse der jüdischen Bevölkerung zu vertheidigen. Vermischtes. < Netv-Iork. Dem Berichte aus der Ver. St Commission in der Sitzung zu New-York entnehmen wir Folgendes: Dr. Senner, der Einwanderungs-Commissär des New-Horker Hafens, wurde einem Verhör unterworfen. Ergab an, daß in seinem Bureau nur tüchtige Leute angestellt würden und daß die Politik dabei nicht nntspreche. In Bezug auf italienische Einwanderer meinte er, daß etwa 95 Prozent derselben mit der Absicht hierher kämen, nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder nach Italien zurückzukehren. Die Einwanderung sei nicht so stark als in früheren Jahren, indessen eine qualitativ bessere. Italiener und polnische Juden bilderen die am wenigsten wünschenswerthen Einwanderungselemente, während Deutsche und Oesterreicher zu den besten Einwanderern gehörten. Dabei ist zu bemerken, daß Dr. Senner selbst Jude ist oder bislang war, der aus Polen oder nahe dabei gekommen und in der deutschen Presse Antisemitismus verzapft hat. Ferner, daß der Herr Senner nicht weiß, daß es im Gesetze dieses Landes „Personen", nicht aber Juden, Christen, Türken oder Heiden gibt und er unseres Wissens der Erste ist, der officiel von „Polnischen Juden" gesprochen. Kein Beamter der Ver. Staaten hat je einen solchen Bock geschossen. — Die „Debora" bemerkt dazu: Der EinwanderungScommissär im Hafen von New-Iork, Dr. I. H. Senner, wurde von dem Einwanderungs-Comitee einem Verhör unterworfen, in welchem er sich gegen die Einwanderung polnischer Juden aussprach und auf die Frage Senator Chandler's nach seiner Religion antwortete, daß er ein Christ sei, jedoch auf weitere Fragen zugeben mußte, daß er früher Jude gewesen sei, sich aber, ehe er in dieses Land kam, habe taufen lassen. Wir glauben nicht irre zu gehen, wenn wir behaupten, daß Dr. Senner, richtiger Samuely, in Galizien geboren sei, und wissen positiv, daß er als Jude die Tochter eines reichen Nikolsburger Juden, namens Jsaac Friedländer, geheirathet hat, daß Dr. Samuely in Brünn, wo sein Vater Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde war, immer als Jude galt — das Gegentheil hätte nach den österreichischen Gesetzen bekannt werden müssen — und, daß er bei der raschen Natur seiner Uebersiedelung nach Amerika kaum Zeit gefunden haben dürfte, seine Religion zu ändern. .'Die beste Ohrfeige erhielt Senner, als er sein Renegatenthum damit begründen wollte, daß er die bei gesetzlichen Fragen in Amerika ganz unerhörte Scheidung nach Confessionen vornahm, durch die Frage des Senator Chandler, ob er denn selbst nicht Jude sei. Ja — aber getauft — bemerkte Samuely-Senner. Ein netter Renegat!! Feuilleton. > Die drei Kronen. <4- Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Die Müllerin war furchtbar bleich, als sie in das Zimmer trat und zitterte heftig am ganzen Körper, als sich der Richter nun an sie wandte. „Wir bedürfen Ihrer Zeugenschaft", begann er freundlich „und Sie würden ein gutes Werk thun, wenn Sie durch Ihre Aussagen Klarheit in eine dunkle Sache bringen könnte. Ich bitte Sie deßhalb, mir meine Fragen recht ausführlich zu beantworten. Außerdem mache ich Sie noch aufmerksam, daß Sie Aussagen, wodurch Sie sich oder Ihren Mann belasten könnten, verweigern dürfen." Louise blickte verwirrt bald auf den Richter, bald auf ihren Mann, der trotzigen Blickes am Fenster stand. Ihr schwante eine Gefahr, die ihren Mann bedrohe und inftinctttv trat sie an feine Sette und sagte auf die Frage des Richters: „Mein Mann und ich haben nichts mit dem Diebstahl zu thun und es kann Niemand mehr bedauern, als ich selbst, daß Benjamin bestohlen worden ist. Was wir ihm schulden, wird er erhalten, auch wenn er die Schuldpaptere nicht zur Stelle schaffen kann; das habe ich versprochen und werde es auch halten." „Aber Jbr Mann weigert sich zu zahlen, ohne daß ihm die Schuldpapiere qulttirt überreicht werden. Er glaubte an einen Betrug seitens des Herrn Caro." Lächelnd entgegnete Louise: „Das ist, weil er Benjamin nicht kennt. Wenn Benjamin uns betrügen könnte, so hätte mein seliger Vater uns auch betrügen können; nein, Benjamin ist ehrlich und treu wie Gold." „Um so besser, wenn Sie so gute Meinung von Herrn Caro haben. Nun sagen Sie, was wissen Sie von dem Einbruchs" „Nicht mehr und nicht weniger, als jeder andere im Dorfe auch." „Von wem erfuhren Sie den Einbruch zuerst?" „Das kann ich nicht sagen." „Besinnen Sie sich; Sie sollen furchtbar aufgeregt gewesen sein und Worte gemurmelt haben, als ob Sie schon vorher von dem Einbruch gewußt hätten."

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