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Der Israelit · 1893-07-06 · Heft 54 (6.7.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 54 (6.7.1893)
Date
1893-07-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1031 Jakob Landau, ein Schwiegersohn des schon längst seligen Bär Günzburg, ist ein in seiner Gemeinde und weit über dieselbe hinaus geehrter und geachteter Mann. Auch ist jener meines Wissens ein mehrfacher Millionär. Ich aber kann nicht umhin zu bemerken, daß ich es es für höchste und heiligste Pflicht erachte, diesem Schwindler das Handwerk einmal zu legen. Sie wollen gefl., sollte dieser „Patron" sich in Berlin noch aufhalten, denselben durch Polizei und Presse verfolgen lassen- Hochachtend gez. S. Günzburg." Derselbe Jakob Landau hatte auch kürzlich die Unverschämtheit iu einer hiesigen Privat-Synagoge als Prediger auftreten zu wollen. Auch gibt er an, in London Rabbiner bei der Gemeinde „machsike Dass“ (vielleicht „masike Dass?“) gewesen zu feilt; Eine lange hagere Gestalt mit eingefallenen Wangen, langem, schwarzen Vollbart, breiter Nase, schwarzen Augen und dunklem, lockigen Haupthaar lassen den im langen „umgürtelten" Kaftan und Cyltnder gekleideten Schwindler leicht erkennen. Jos. Fe u erring. Schweiz. Bern, 24. Juni. Die gestern im hiesigen Kasino versammelten Gegner der Schächtiniliative (präsidirt von Natianalrat Jeanhenry) beschlossen Einsetzung eines CentralcomitöZ in Bern unter Leitung von Nattonalrath Hilty, welches Comit« die Aufklärung der Bevölkerung in Sachen der Schächtfrage und zwar im Sinne einer Gegenbewegung. gegen das bezügliche Jnitiativbegehren zu besorgen hätte. Oe st er.- Ungar. Monarchie. Wien. Fürsterzbischof Kohn ließ sich, wie die „Ostrauer Zeitung" meldet, über die beiden Ritualmordprozesse, welche vor dem Kreisgerichte in Ungarisch -Hradtsch verhandelt worden waren, Bericht erstatten. Er äußerte sein tiefes Bedauern darüber, daß seine Diöcese zum Schauplätze derartiger, von sündhaftem Fanatismus eingegebener Verleumdungen geworden sei und drückte die Erwartung aus, daß in Hinkunft der confessionelle Friede in der Diöcese von so häßlichen und gefährlichen Störungen bewahrt bleiben werde. Krakau, 22. Juli. Vor einigen Tagen brachten die Tageszeitungen folgende Notiz: „Ein Refcript des Finanzministers überträgt den Salzverschletß im Königreiche Galizien und Lodomerten dem Landesausschufse von Galizien. Da bereits alle Anstalten zur Uebernahme getroffen sind, so wird dieselbe schon Mitte Juli erfolgen." Diese kurze, im trockenen Tone gehaltene Notiz, verkündet den ökonomischen Ruin vieler Tausender jüdischer Familien hier zu Lande. Die Verhältnisse liegen nämlich so: Das Ausbeuten der Salinen ist in Oesterreich ein Monopol des Staates, aber der Einzelverschleiß ist dem Publikum freigegeben und bildet für den ganzen Kleinhandel, der mit derschwindenden Ausnahmen durch Juden vertreten ist, eine der bedeutendsten Quellen seiner spärlichen Einnahmen. Außerdem leben — wenn man dies „leben" nennen darf — die jüdischen Fuhrleute von der Verfrachtung des Salzes nach Ortschaften, wohin keine Eisenbahn führt. Das Fuhrmannshandwerk, diese armseligste, mühenreichste und häufig geradezu lebensgefährliche Erwerbsart, deren Ausüber weder bei Tag noch bei Nacht Ruhe hat und sich mit dem denkbar kleinsten Ertrage begnügen muß, wird beinahe ausschließlich von Juden betrieben; die Bauern betreiben es nur ausnahmsweise, zur Zeit des Mangels an Feldarbeit, um Nebenverdienste einzuhetmsen. So ist der freie Betrieb des Salzverschleißes eine Nahrungsquelle für einen ziemlich bedeutenden Bruchtheil der galizischen jüdischen Bevölkerung. Das soll nun anders werden. Der Verschleiß des Salzes soll dem Landesausschusse zum alleinigen Betrieb überwiesen werden; das heißt ein Monopol zur zweiten Potenz, was allerdings nur in Galizien und auch da nur, wo die Interessen von Juden in erster Reihe betroffen werden, möglich ist. Vor Jahren wollte eine christliche Aktiengesellschaft das alleinige Betriebsrecht beim Staate pachten. Der Plan kam jedoch nicht zur Ausführung. Nun ist es den unaufhörlichsten Agitationen einiger Persönlichkeiten, allen voran der bekannte Prälat Ehotkowski, endlich gelungen, bei der Central-Regierung die Uebergabe des Salzverschleißes an den Landesausschuß zu erwirken, der dieselbe nun seinerseits an die Handelsstationen der „Landwirthschaftlichen Verbände" distribuiren wird. Diese Aktion soll vorgeblich eine Hebung der wtrthschaftlichen Lage der bäuerlichen Bevölkerung zum Zwecke haben. Anstatt aber der Produktion des Landes neue Absatzgebiete zu schaffen, den Ackerbau zu heben und Aufklärung unter der Landbevölkerung zu verbreiten, was zur Verbesserung der Lage der Bauern weit mehr beitragen, aber auch der Junkerherrschaft im Lande ein Ende bereiten würde, ziehen es die Herren vor, den Bauern, die störrisch zu werden beginnen und an ihrer politischen und ökonomischen Emancipirung von der Vormundschaft des Adels emsig arbeiten, Sand in die Augen zu streuen, und auf Kosten der ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung die Retter des Volkes zu spielen. Unter den Juden herrscht, wie die „jüd. Pr." schreibt, wegen dieses Ministerialerlasses begreifliche Panik. Zu den vieleu traurigen Dingen, die ihnen das Leben sauer machen und den Kampf um's Dasein erschweren, soll nun eine drückende Beschränkung hinzukommen,

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